Diesmal werden die Bilder im Post überwiegen, denn Pater Agus hat uns Dienstags darüber informiert, dass es am Donnerstag zu einem Begräbnis geht. Da die Reise an die vier Stunden dauern wird, werden wir dort eine Nacht im Schwesternkloster schlafen und dann Freitag in aller Frische zum Begräbnis des im Februar 2013 verstorbenen Königs der Region gehen.
Nach etwas warten auf die Abfahrt und dem Abschied von Benedict und dessen Schwester, ging die Fahrt um halb vier endlich los. Als sich das Auto Richtung Flughafen in Bewegung setzte kam in mir der Verdacht auf, dass die Fahrt nur deshalb so lange dauern würde, weil die Straße vielleicht nicht im besten Zustand war.
Zunächst deckten wir uns bei einem kleinen Kiosk noch mit pisang goreng - frittierten Bananen, Wasser und anderen Leckereien ein, bevor es mit zwei Autos weiter ging. Im Gepäck hatten Anna und ich übrigens auch Sarongs, welche wir uns für diesen Anlass ausleihen durften.
Die tolle Straße ließ nicht lange auf sich warten, nach nur 20 Minuten waren wir plötzlich in den Bergen und die Straße war eigentlich nur eine bessere Schotterpiste.
Asphalt unterbrochen von Schotter gefolgt von Asphalt. Eine wunderschöne Achterbahnfahrt begann.
Benedict bekommt in Bali eine Massage im Hotel? Pff, wir bekommen hier eine Ganzkörpermassage auf der Rückbank.
Aber immerhin war die Aussicht fantastisch. So toll wie es ausgesehen hat, kommt es leider auf keinem der Bilder rüber. Um uns herum endlose Weiten und unser Weg schlängelt sich vor uns um den Hügel. Auf der Fahrt hatten wir auch Gelegenheit uns herzerwärmende Geschichten zu erzählen und zum Sonnenuntergang gab es eine kurze Pause - Geht es noch romantischer?

Als es schließlich dunkel wurde erkannten wir, dass es ohne Sonne doch gleich sehr kalt wurde. Da wir im Kofferraum einen Benzinkanister hatten sind wir weiterhin mit offenen Fenstern durch die Nacht gedüst.
Als wir Mitten im Nichts anhielten begrüßte uns erstmal die Dunkelheit und - eine unglaubliche Vielzahl an Sternen wie ich sie noch nie gesehen habe. Sogar die Nebel der Milchstraße konnte man erkennen. Leider kenne ich mich mit Sternbildern nicht gut aus, aber man hatte das Gefühl, dass der Himmel von lauter Lichtern strahlt.
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| unser Haus |
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| Badezimmer |
Der nächste Halt war zum Glück, nach langer Tortur dann doch unser Ziel. Das Pastorat in Gongi- nach 5 1/2 Stunden Reise. So kalt wie hier, war mir in den 6 Wochen die ich bereits im Land bin noch nie. Zunächst hieß es erstmals all die Leute zu begrüßen die hier Zuhause sind oder ebenso wie wir auf Besuch für das Begräbnis sind.
Frisch aufgewacht, war ich erstmal nicht ganz so gesprächig und habe mir dann bald von der Schwester meinen Schlafplatz zeigen lassen.
Durch ein süßes Haus aus Stroh hindurch sah ich dann die Kammer. Ich hatte schon damit gerechnet am Boden zu schlafen und war dann doch positiv überrascht als mich dort ein Bett anlächelte. Sogar zwei dünne Decken für Anna und mich fand ich vor. Der Raum war zweigeteilt durch Kästen und hatte außerdem ein Fenster in einen anderen Raum. Die Wände aus Bambus sorgten dann für das ultimative Gefühl von Privatsphäre.
Gemeinsam mit Anna ging ich schlafen und ließen Fred zurück welcher noch blieb um die harten Sachen mit den Patres zu trinken. Frauen trinken in der Öffentlichkeit ohnehin eher selten Bier - das ist schlecht für die Fruchtbarkeit.
In Jeans und Pullover eingemummelt ging es unter die 'Decken' und ins Träumeland.
Als die Schwester um 2:00 schlafen ging haben wir das mitbekommen und ebenso als später die Kinder anfingen zu weinen.
Mit kalten Füßen schläft es sich leider nicht so gut und so dauerte es dann wieder einzuschlafen. Gut dass ich Anna hatte.
Mit kalten Füßen schläft es sich leider nicht so gut und so dauerte es dann wieder einzuschlafen. Gut dass ich Anna hatte.
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| ein freundlich gestaltetes Wohnzimmer |
Am nächsten Morgen haben Anna und ich topmotiviert an der Morgenmesse teilgenommen. Nicht nur Fred sondern auch die anderen Patres, die mit uns hingefahren sind, verpassten diese. Das könnte aber auch an den Hähnen liegen die gefühlt direkt am Bett vorbei gelaufen sind oder den Schweinen die Hunger hatten.
Als erstes hieß es nach der Messe mal aufwärmen in der Sonne. So toll fand ich die Sonne hier noch nie. Wenn langsam alle Gliedmaßen wieder auftauen - ein Traum!
Nach einem leckeren Frühstück ging es duschen mit schönem Eiswasser und im Anschluss fing das verkleiden an.
Wie eine kleine Prinzessin habe ich mich gefühlt: einen feinen Rock, Bluse und dann sogar noch eine traditionelle Indonesische Kette.
Die anderen fanden das auch ziemlich toll sodass ein Fotoshooting begann. Nach und nach kleideten sich auch die Patres in ihre Sarongs - die unterscheiden sich deutlich von den Frauen Sarongs - und dann ging es los zum Begräbnis.
Über lustige Straßen ging es zu einem großen Haus, davor war eine riesige Fläche für Gäste, die aber noch leer war. Und in dem Haus drinnen, erwarteten uns drei Särge, die mit Sarongs bedeckt waren und rundherum das Gefolge des Königs saß. Beziehungsweise noch andere Ehefrauen. Der König hatte übrigens 8 Frauen aber keinen Nachfolger - wie kann denn sowas sein? Wir blieben nur kurz, übergaben einen Sarong, sprachen ein Gebet und drückten unsere Gefühle den Anwesenden aus.
Man stellt sich hier also einen vollen Raum vor, wo am Rand Leute schlafen oder Betelnuss vor sich hinkauen. Mit Betelnuss kann ich mich noch nicht so recht anfreunden.
Mit
Betelnuss kann ich mich nicht so recht anfreunden.
Die
Erwachsenen hier kauen das zusammen mit weißem Pulver, Kalk oder so etwas, und
das färbt dann den Speichel rot, so wie den Rest des Munds. Deswegen haben hier
alte Leute auch oft schwarze Zähne.
Danach
ging es zurück zum Pastorat und Anna und ich legten uns für eine halbe Stunde
hin. So kalt es in der Nacht war, so heiß war es am
Tag. Da lobe ich mir das Klima zuhause. Da passen Tag und Nacht wenigstens
zusammen.
Außerdem
haben wir ein Indonesisches Kinderspiel kennen gelernt. Man hat einen PingPong
Ball und vier Muscheln. Die Muscheln muss man in einem Rhythmus, den ich noch
nicht verstanden habe, um drehen bzw aufnehmen und das ganze während der Ball
einmal den Boden berührt.
So viel
Koordinationstalent besitze ich leider dann doch nicht.
Mit den
Kindern, ich weiß nicht, wieso die nicht in der Schule waren, haben wir dann
nachher auch noch gesungen. Pater Dandy hat Gitarre gespielt und die Kinder
motiviert, das war toll. Zu Beginn haben sich die Kinder nicht so recht
getraut, aber gegen Ende hatten sie richtig Spaß.
Dann hieß
es noch einmal verkleiden und es ging ein zweites Mal zum Begräbnis, nach einem
besonderen Mittagessen. Es gab nämlich Reis.
Dieses
Mal war der gesamte Platz voll mit Menschen, wir suchten einen Schattenplatz
und gesellten uns dazu.
Über
Lautsprecher hörte man die Leute im Haus drinnen beten und nach einer Dreiviertel Stunde kam dann Bewegung in die Masse.
Die Särge
wurden auf die Terrasse getragen. Die Leute wollten dies unbedingt
fotografieren und dementsprechend lange dauerte diese Prozedur. Irgendwann
gingen dann die Reden los. Wo über die guten Taten und die Erinnerungen an den
König gesprochen wurde. Rundherum um uns saßen die Leute am Boden und nach
etwas bedenken, da unsere Sarongs Leihgaben waren, setzten wir uns auch auf
unsere Schuhe. Ich war schlicht zu müde um überhaupt zu versuchen den Reden zu
folgen und so habe ich versucht wach zu bleiben. Die Leute rundherum zu betrachten war cool. Diverse Sarongs, von Glitzersteinen und Paletten bis zu traditionellen Stickereien. Das wichtigste bei den Frauen war die orange blaue Kette, wie Anna und ich sie auch ausgeliehen haben. Das ist so wie ein Dirndl in Österreich, die orange Kette ist typisch für Sumba. Nur damit ist man ein echter orang sumba.
Unsere Patres
verstreuten sich und am Ende war nur noch Pater Agus bei uns.
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| darf ich vorstellen - der verstorbene König |
Dann der
Höhepunkt.... Die Särge werden in Autos transportiert um zur Grabstelle zu
fahren. Das wurde mit Begleitung von Gong Schlägen vollzoigen. Als erstes
natürlich der König und in die nachfolgenden Autos die Ehefrauen. Die Leute
wurden nicht mehr fertig mit dem fotografieren. Das alles erfolgte übrigens
unter Aufsicht der Polizei, die wie Fred bemerkte hier mit Revolvern
ausgestattet sind, die die Auto Prozession mit Blaulicht und Sirene anführte.
Langsam folgten die
anderen Autos und wir blieben zurück.
Nun heißt es für uns
warten, dass das andere Auto kommt.
Das ganze zog sich
über zwei Stunden hin und wir konnten am Parkplatz wieder mal einen
atemberaubenden Sonnenuntergang betrachten. Irgendwann haben wir dann erfahren,
dass wir hier in einem Funkloch sind und gar nicht wissen wo das andere Auto
ist. Vielleicht weiß das andere Auto gar nicht das wir warten.
Da ich leider aufs
WC musste, war ich etwas unentspannt und wollte einfach nur zurück nach
Waingapu.
Irgendwann habe ich
dann auf dem Gelände tatsächlich auch eine kamar
mandi gefunden. Definitiv ein Highlight des Tages. Vor allem gab es
sogar Wasser im Nebenraum zum spülen und Eimer zum transportieren.
Danach habe ich dann
erfahren, dass wir nicht nur warten, weil Pater Agus den Weg nicht kennt,
sondern weil wir einen Pater zuviel haben. Der sollte im anderen Auto
mitfahren. 5 Menschen in einem Auto das für 4 ist geht ja noch. Das machen wir
fast immer, aber 6 sind dann doch irgendwie zuviel.
Ooooder?
Da ich einfach nur
noch losfahren wollte schlug ich vor, dass ich ja im Kofferraum mitfahren kann.
Gesagt getan. Mit einem Sack Bras gings los. Für ganze fünf Minuten.... wir
hatten die anderen gefunden.
Ich hätte das
einfach schon viel früher vorschlagen sollen.
Der Rückweg kam mir
kürzer vor als der Hinweg, vielleicht weil ich mehr geschlafen habe. Aber im
Allgemeinen kommen mir hier Autofahrten nicht so lange vor wie zuhause. Um 1°°
kamen wir an und als erstes gings mal ans Essen. 10 Minuten später kam auch der
zweite Wagen mit unseren Rucksäcken an und ich konnte mir mehr anziehen als nur
die Boxershorts, die ich unter dem Sarong getragen hatte.
Nachdem Om Piu das
halbe Asrama aufgeweckt hat, damit sie uns die Tür aufsperren ging es auch ins
Bett. Nachdem ich laaange geduscht habe und endlich wieder saubere Füße mein
Eigen nennen konnte, ging es dann mit zwei Decken ins Träumeland.
Wie leicht man
glücklich sein kann.











Wieso wurde der König erst jetzt begraben, wenn er im Februar 2013 verstorben ist????
AntwortenLöschenDas ist so eine Sache... die ich leider nicht beantworten kann. Vielleicht hat man gewartet, dass noch ein paar Frauen ihn auf seinem Weg begleiten.
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