Samstag, 28. Mai 2016

Krankenhaus

Vor langer langer Zeit gab es einmal einen Krankenhaus Eintrag mit dem ich überhaupt nicht zufrieden war.
Es fehlten einfach die Bilder.

Doch Anna und ich waren fleißig, haben Bilder gesammelt und können nun... voller Freude neue Eindrücke präsentieren.

Diverse technische Geräte und auch weitere Highlights folgen.

Sonntag, 22. Mai 2016

So dies und das seit Kupang


Sobald wir unser Visum in Kupang sicher verlängert hatten, machten wir uns gleich am nächsten Morgen auf den Rückweg, ein letztes Mal das fantastische Hotel mit dekadentem Frühstück und Pool genossen. Diesmal natürlich mit dem Flugzeug. Der Vergleich 30 h mit der Fähre vs. 40 min mit dem Flugzeug hat uns letztendlich überzeugt.

Angekommen in Waingapu konnten wir uns dann langsam wieder in den Schulalltag einleben. Also nachdem erstmal ein paar Feiertage das Wochenende (also den Sonntag) ordentlich lang gezogen hatten... So ein bisschen Erholung nach dem anstrengenden Kupangaufenthalt sollte uns ja auch gegönnt sein.

In der SMA stand schließlich die Zeugnisverleihung für die Abschlussklasse an – das ganze war eher unspektakulär, besonders wenn man sich daran erinnert, was sie hier sonst für einen Aufwand bei Festen betreiben. Die Fächerbesten wurden immer zuerst aufgerufen, dann folgten die anderen, immer alle im Gänsemarsch an den Lehrern vorbei, eine kleine Verbeugung und die Hand des Lehrers wird zum Kopf geführt. Dann ging es mit dem DINA5 Comic Sans Druck, wo das in der Zeile „bestanden/ nicht bestanden“ das entsprechende mit einem Filzstift professionell durchgestrichen wurde, zurück auf den Sitzplatz.

Bei uns im AsPut wurden die Kinder der Abschlussklasse dann mit einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedet, tränenreich & bewegend. Es haben übrigens alle bestanden, und wir wünschen ihnen alles Gute für ihren weiteren Lebensweg!
Im Pada Dita wurde das ganze ein bisschen dicker aufgefahren, freitagsabends wurde eine große Feier organisiert, inklusive Ansprachen, musikalischen Beiträgen und gemeinsamen Essen für alle Gäste. Das ganze Programm hat sich aber in allen Bahnen hingezogen, sodass die Gäste ihnen fast verhungert wären.. Und bei ihnen wurde auch keine Träne vergossen.. Jungs halt

Kinder der 12. Klasse im Asput + Pak Benny

Jetzt sind die Asramen endgültig ein bisschen leerer, was die Kinder angeht, und alle können sich in Ruhe auf die anstehenden Abschlussprüfungen vorbereiten. Für die SMP und SD standen die Prüfungen der letzten Stufe schon früher vor der Tür, bei mir an der SD wurde die Klausurwoche durch einen feierlichen 3 Stunden-Gottesdienst eingeleitet, wo die gesammten Kinder der Schule in einem Doppelklassenzimmer eingepfercht das Eintreffen des Paters abgewartet haben und dabei ein gratis Saunafeeling erleben konnten..

Während die Kinder geduldig drinnen der Messe folgen...


... gönnen sich die Lehrer den kühlen Sitzplatz vor der Tür



Ganz innovativ gibts sogar einige kleine Videos, um die Predigt aufzulockern
  

Sonntagsmorgens bietet sich immer die Gelegenheit, morgens gegen 5 laufen zu gehen. Man muss nur aufpassen, dass man die Willkür der Regenzeit nicht aus den Augen verliert. Eigentlich sollte die Regenzeit seit Ostern schon längst vorbei sein, aber letzen Sonntag hatte ich wirklich das Gefühl, sie fängt grade erst richtig an. Nass bis auf die Knochen kam ich um 7 wieder zurück am Asrama an, bereit, mit einem Pater auf eine etwas entferntere Station zum Pfingstgottesdienst zu fahren. Auf dem Weg dorthin hats natürlich auch nochmal so richtig schön geschüttet. Der Pater, der für 7 Jahre in Deutschland gelebt hatte, trug selbstverständlich eine Regenjacke (knallrot, Addidas, gekauft in Deutschland, made in Indonesia..). Ich natürlich nicht, man muss sich ja anpassen. Dort angekommen war dann natürlich auch noch keiner da, wer geht bei diesem Regen auch freiwillig vor die Tür?  Nach 2 Stunden Wartezeit konnten wir dann schließlich anfangen, mit insgesammt 6 Erwachsenen und 6 Kindern war es auch zum Glück nicht so ein riesen Ding und wir konnten schnell wieder zurückfahren. Ich bin dort nämlich fast gestorben. Und zwar, kein Witz, an Unterkühlung – und das in Indonesien. Ob ich in Deutschland jemals so gefroren hatte? Wahrscheinlich sind wir hier durch die dauer 30 Grad Außentemperatur einfach nichts mehr gewohnt. Oder ich hab einen Hang zur Dramatik entwickelt..

Der Hafen im Regen - normalerweise voller Leute.

Nach der Messe gings direkt im Anschluss – auch hier hats wieder geregnet – zur Geburtstagsfeier eines Kindes der SMA. Wenn hier Kinder Geburtstag feiern - sollte es mal vorkommen - werden lustigerweise auch  Lehrer und sonstige Leute wie Verwandte, Nachbarn und Ausländer eingeladen. Ist so ein Imageding. Und die Leute letztens konnten echt was vorzeigen, es war eine stinkreiche chinesische Familie, die sich grade eine Villa am Strand gebaut hatte, wo vom Strohdach über Fußduschen bis zum Apple-Logo an der Klotüre jedes Detail passt. 
Zum Glück kam dann auch langsam die Sonne heraus und der Eisklumpen Anna konnte endlich auftauen. Sonst hat die Feier natürlich alle Indo-Fest Klischees erfüllt: Ein Haufen Leute, die wir noch nie gesehen haben, ein großes Buffet, wo wir die Strandardgerichte inzwischen im Schlaf aufzählen könnten, ein dicker Geburtstagskuchen, der komischerweise nie wirklich gegessen wird und zum Schluss der lustigen Ansprachen Tanzgelegenheit bei fetziger Musik (mehr oder weniger..). Echt toll war aber, dass der Strand direkt vor der Türe lag und man so nicht die ganze Zeit den selfieverliebten Chinesen ausgeliefert war, sondern ein bisschen spazieren gehen konnte.

Kaum angekommen, schon foto, foto..
Grüße vom Strand an Österreich

Happy Birthday.. Der Kuchen wurde bis zum Ende nicht gegessen


Innerhalb der nächsten Tage wurde unser Standardprogramm neben der Schule von Hausaufgabenhilfe, Badminton spielen und Asramaarbeit noch durch einen Besuch bei den Pfadfinden unterbrochen. Sowohl an der SMP als auch an der SMA finden regelmäßig Aktionen der Pfadfinder statt – für uns immer eine tolle Gelegenheit, was neues zu sehen und das Leben hier von einer anderen Seite kennenzulernen. Diese Woche waren sie im nahe gelgegenen Kambajawa campen. Hier bekommt man einen kleinen Einblick.. https://www.youtube.com/watch?v=lxRwGZJlpW4

sieht zwar kein aus, war aber ganz schön hoch und wackelig

Vor kurzem traf ja auch Anjas Vater hier auf Sumba ein und folgte von nun an brav dem Programm, das Anja und ich hier in unserem Alltag auch so erleben. Von den Abschlussfesten, Geburtstagsfeiern, Gottesdiensten über die Schule bis zum Badminton konnte er hautnah das Leben auf Sumba genießen. Abends haben wir ihm die Spezialitäten der indonesischen Küchen nahegebracht, was auch für Anja und mich nicht schlecht war: Wir haben seit Ewigkeiten mal wieder Roti Bakar essen können – einfach köstlich hmmm... 
Und um ihm die besten Orte in Waingapu zu zeigen, haben wir auch keine Gelegenheit ausgelassen, sodass sogar einmal ein Ausblick über die Stadt eine dreistündige Wanderung durch die Mittags-bzw. Nachmittagssonne gefordert hat. Hat sich aber gelohnt, manchmal ist ja auch der Weg einfach das Ziel.

Auf dem Weg sahen wir eine Frau, die grade Stroff nach Sabu-Art webt
Das Ziel: Der Ausblick auf Waingapu

Jetzt ist Anja mit ihrem Vater nach Waitabula gefahren und hat mich natürlich kaltherzig zurückgelassen.. Nein, Quatsch, ich dachte mir einfach, lass die beiden mal zusammen fahren, dann kann ich wenigstens mal wieder unterrichten. Das ist irgendwie durch die ganze Klausurphasen, Feiertage, Arbeit in Waitabula und Visumsreise ein bisschen untergegangen und die Kinder in meinen Klassen waren schon der Überzeugung, ich sei still und heimlich nach Deutschland zurückgekehrt.
Auch die Asramakinder sollen nicht das Gefühl behalten, Anja und ich seien immer nur auf der Durchreise mal im Asrama. Dass jetzt nur einer von uns da ist, merken sie eh nicht, da uns bis jetzt fast noch keiner wirklich auseinanderhalten kann.. So konnte ich die letzen Tage gemütlich Wäsche waschen, mit den Kindern kochen, brav zur Schule gehen und hab sogar im Chor des Asramas mitgesungen. Mehr oder weniger richtig, aber dabei sein ist ja alles..

Ana, Anya, Anja, Anna.. wer ist denn nun wer? Echt schwer
Heute, am Sonntag hab ich die anjafreie Zeit noch ein letztes Mal genossen, war Laufen, Badminton spielen, hab Schokoeis hergestellt (liebe Anja hehe) und einen Barbiefilm mit den Kindern geguckt (wollte ich schon immer mal machen). Nein, ich freu mich natürlich, dass du morgen wiederkommst, Anja – ob Pater Lino jedoch was von dem Eis für dich übrig lassen wird, kann ich nicht garantieren.. Unser süßer Lieblingspater ist nämlich grade ganz im Schokoeisrausch ;)

Badminton im Gor Jemmy
das Asput lernt den Klassiker kennen - gespielt wird nach deutschen Regeln

Pulang gereja.. Da muss natürlich erstmal ein Selfie her

Jalan- jalan Jetzt wirklich

Mobilenetzwerke.... kleiner Nachtrag also.


Mein zuckersüßes letzter Blog ist in den tiefen der Digitalen Welt am Weg zur Veröffentlichung verloren gegangen.
Also muss ich noch einmal von neu anfangen.

Inzwischen bin ich mit Martin in SBD - waitabula angekommen und er bekommt einen Crash Kurs in all die Dinge, die mir in den letzten Monaten so wieder fahren sind.

Untergebracht sind wir im Konvento,  oder die Hochburg der Redemptoristen auf Sumba, wo sechs Indonesische Patres und zwei Deutsche leben. 
Damit ist es die größte Kommunität an Patres hier.
Das Konvento ist ein kleines Labyrinth und ich liebe es. Dadurch, dass es auf Hanglage gebaut wurde, befinden sich viele Gebäude auf unterschiedliche Höhen und sind mit überdachten Wegen verbunden und natürlich ein Haufen an Stiegen.
Außerdem ist es ein herrlicher Platz um zur Ruhe zu kommen, sofern die ganzen Zimmer nicht belegt sind. Von denen gibt es übrigens mehr als ich gerade zählen will.

Es gibt Papayabäume, Kokosnuss Palmen und vieles mehr, was abgerundet wird von einer herrlich natürlichen Ruhe.

Aber wir sind nicht hier um über ein einziges Gebäude zu schwärmen.
Wobei es da noch so vieles gibt. Wie etwa den Schrank, wo man die halbvergessenen Bücher, der früheren Missionare findet. Verstaubte Schätze, in einer unscheinbaren Schatztruhe.
Oder das Marienbild in der Werktagskapelle, wo die Krone mit Steinen geschmückt funkeln kann.

Jedenfalls haben wir noch die eine oder andere Schatzsuche durch geführt. Auf der STKIP, der lokalen Hochschule fürs Lehramt, haben wir zwar keinen entdeckt, aber dafür eine Dosis von Indonesischer und noch konkreter Sumbanesischer Baukunst und Organisation bekommen. Doch direkt im Anschluss haben wir ein kleines Paradies besucht - Pantai Oro.
Für alle die nach Sumba kommen wollen um zu entspannen, hier ist ein echt guter Ort um das zu machen.

Wenn man schon in SBD ist muss man natürlich auch zum Rumah Budaya, wo Martin einen weiteren Einblick bekam, diesmal in die Kultur und die Geschichte von Sumba. Außerdem haben wir entspannt eine Kokosnuss geschlürft.

Nach der Messe heute, die wir zusammen mit Pater Wagner - ein Mensch voller Geschichten- gefeiert haben und die Kinderschar bewundern durften, geht es jetzt noch nach Weekuri, mal sehen ob Martin dort auch einen Schatz finden kann.

Mittwoch, 18. Mai 2016

wer geht so spät durch mittagshitz....

Es ist so weit. Es gibt eine Änderung im Tagesablauf.
Abgsehen davon, dass in weniger als zwei Wochen, die Abschlussprüfungen losgehen, hat mich mein Vater hier besucht.

Letzten Freitag landete eine Propellermaschine, der Airline Wings-Air, verfrüht in Waingapu. Wie auch sonst meistens, gingen meine Pläne nicht auf. Da ein Pater krank geworden war und ins Krankenhaus musste, war das einzige Auto im Einsatz, mit dem ich Martin (meinen Vater) abholen konnte.

So hatte dieser gleich mal einen typisch indonesischen Beginn.... es hieß etwas warten.
Irgendwie kam er dann mit jemanden ins Gespräch, der Anna und mich tatsächlich kannte und ihm prompt ein Foto von uns zeigte. Nach ungefähr zwanzig Minuten ging es dann Richtung Stadt und zurück nach Wara.
Dinge die für mich schon alltäglich waren, brachten Martin zum Staunen. Ist es wirklich so ungewöhnlich, dass eine ganze Familie auf einem Motorrad unterwegs ist? Oder Essenstände auf Fährrädern montiert sind? Ach, sehen Busse nicht immer so aus. Und so dreckig ist es hier doch gar nicht...
Man gewöhnt sich also wirklich schnell an manche Sachen.
Da es vorher so sumbanesisch losging, ging es nun europäisch weiter. Der Mittagsschlaf wurde gestrichen und stattdessen, die Gegend erkundet. Auf zum Meer, auch wenn es nicht zum Baden ist.


Im Umgang mit ihm fiel mir wieder auf, wie leicht ich es doch mit Anna habe. Die spricht nämlich alle meine Alltagssprachen, ob ich jetzt Indonesisch oder Deutsch verwende ist 'blunzn'.

Da mein Vater mit 193cm doch deutlich über den Durchschnittssumbanesen ragt (und auch den Überdurchschnitt), war unbemerktes vorankommen nahezu unmöglich. Hier kam es uns zu Gute, dass die meisten Anderen gerade schliefen.

In den letzten Tagen ist bereits so viel passiert, dass ich das gar nicht alles aufschreiben kann. Fakt ist, in dieser Zeit, war ich so entdeckerisch unterwegs wie selten. Vom Pasar zur evangelischen Kirche, vom Kreuz suchen zu Rundgängen, vom Eismann zur Essensmeile...
So auch heute wo wir einfach mal einen drei Stunden Ausflug zu Fuß gemacht haben - ein Alptraum für jeden Sumbanesen, aber der Aussichtsplatz war es wert. Und vielleicht.. hab ich ja noch ein bisschen Farbe bekommen.

Liebe Grüße von Waingapu

Montag, 2. Mai 2016

Feri...tale - ein Reisemärchen

Es waren einmal, vor ca zwei Wochen, zwei Mädchen, die nach Waitabula fuhren um dort zu arbeiten. Über alles weitere hört ihr demnächst mal von Anna.
Bei mir geht es aber heute um unser Feri - tale.
Es ist wieder soweit. Beinahe 60 Tage sind seit unserem Thailand Trip wieder vergangen, das bedeutet wir müssen nach Kupang.
Kurz am Rande: Wir waren vor 6 Monaten schon einmal in Kupang, und in dieser tollen Stadt... müssen wir unser Visum verlängern.
Kupang ist die Provinzhauptstadt von NTT und liegt auf der Insel Timor. (Auf der Insel ist auch Timor- Leste, dass ein paar von euch schon mal gehört haben.)
Nun sind wir gestern Abend, frisch geduscht mit frisch umgepackten Rucksack aufgebrochen. Zunächst galt es den kleinen Fred zu finden. Der war nämlich leider verloren gegangen. Der Gute hat nämlich keine aktive SIM Karte und ist deshalb schwer zu erreichen.
Hat alles geklappt und so sind wir um 20:30 weg von dort.
Wir vier kauften uns Tickets für die Fähre und dann ging's los.
Vor zwei Wochen hatte ich die Fähre schon einmal ausgekundschaftet und zielstrebig gingen wir auf das oberdeck. Obwohl wir drei Stunden vor Abfahrt dort waren, waren die betten schon gut gefüllt.
Oben mit Freiluft fingen wir an Karten zu spielen und waren ziemlich alleine.
Wir hatten die Idee, dass die Indonesier vielleicht Angst haben, weil die meisten nicht schwimmen können.
Kurz nach Mitternacht legten wir dann ab. Meine erste lange Seereise. Auf geht's.
Ein zwei andere verirrten sich dann doch noch hinauf, aber wir legten uns bald auf die Holzbänke und schliefen eine Runde. Mit Windrauschen und Motorengeräusche der Fähre.
Im Stundentakt sah ich auf die Uhr und den Nachthimmel und dann... plötzlich waren da Farben.
Und jede Müdigkeit war vergessen als ich die Sonne hinter dem Berg aufgehen sah.
Wieder einmal habe ich einen dieser Momente erlebt, die ab jetzt in meiner Schatzkiste sind. Einer von den Momenten, für die ich überhaupt reisen will.

Mit der Sonne wurde es langsam auch wärmer und wir legten das erste Mal an (Aimere - Flores). 

Für einen kurzen Essens und Getränke Nachschub gingen Anna und ich kurz von der Fähre hinunter und fanden uns mitten im Getümmel wieder.
Mit 8 Portionen reis, 9 Liter Wasser und 18 Bananen ging es zurück auf die Fähre.
Dort wurde dann mit der Crew Freundschaft geschlossen und erst mal eine Tasse Kaffee getrunken. 
Dabei fiel uns auch auf, dass wir gestern durch die Privatquartiere spaziert waren, ohne es zu wissen (fettes Schild Crew only ist uns irgendwie entgangen), weil ich letztes mal auch so geführt worden war.
Damit fertig war auf einmal das gesamte Oberdeck voll. Und es wurden immer mehr Leute. Unsere Theorie war anscheinend falsch gewesen.


Zusammen mit ~100 jungen Männern, die zum Polizei Aufnahmetest nach Kupang wollten, ging die Reise weiter. Und wo vorher schöne Stille war, ertönten jetzt laute Stimmen. 

Nicht lange und die Spielkarten wurden ausgepackt und... unausweichlich ein Haufen an Plastik.
Teilweise war es schwer unseren Tisch zu halten und auch das Reden wurde irgendwann anstrengend.
Mit dem Vorsatz kein Indonesisch zu sprechen, umgingen wir den unausweichlichem Andrang an Menschen. Jedoch war das für mich schwieriger als gedacht. Indonesisch liegt mir einfach schon auf der Zunge.
Anna und ich wurden dann zum Kapitän gerufen. Hihi und der Ausblick da vorne war so schön. Blau so weit das Auge reicht, sogar die Brücke ist blau gestrichen. Dort gab es mal wieder eine Plauderrunde, und so nett all diese Leute auch sind, ist es mir einfach unangenehm diese höhere Aufmerksamkeit zu bekommen nur weil ich weiß bin.
Die kleinen und großen Privilegien sind mir unangenehm, ich würde gerne einfach manchmal in der Masse verschwinden.
So auch am Nachmittag wo ein etwas angetrunkener Indonesier sich zu uns pflanzte und partout nicht gehen wollte.
Uiuiui.
Oder die Momente wo ich zur Reiling ging und die anderen reden hörte, wer sich wohl trauen würde mit mir zu sprechen.
Die Zeit schliff dahin... Und der Tag war irgendwie ewig lange. Könnte daran liegen, dass ich um 4:30 schon auf war.
Mit dem gemütlichen schlafen war es jedenfalls nichts am Nachmittag.
Mit Karten spielen, Essen, reden und lesen vertrieben wir uns die Zeit.
Der Sonnenuntergang war noch einmal ein Spektakel. Der Vorteil wenn man in den Osten fährt... die Sonne versinkt hinter einem.
Ein so tolles Bild gibt es leider nicht, dafür waren zu viele Leute, aber das Farbenspiel war beeindruckend. Die Wellen sahen eigentlich schon surrealistisch aus mit silbernen Rändern. Es sah fast unnatürlich aus, was wohl lächerlich ist. Was kann wohl natürlicher sein als die Sonne.
Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass es mit der Dunkelheit friedlicher am Deck werden würde, dem war nicht so. Inzwischen waren die Mistkübel voll und auch bevor das der Fall war, war das ganze Deck ein kleiner Müllhaufen.

Wenn man sich dann seinen Bahn zum WC einen Stock weiter unten bahnte musste man aufpassen, auf keinen draufzutreten, weil überall Leute waren oder lagen. Außerdem spürte man das Schwanken unten viel mehr.
Das kein Indonesisch reden klappte gut und manche von den jungen Herren übten sich auch mit ihrem Englisch.
Die Nerven leicht gereizt ging es irgendwann in die Nacht über. Nach einer Runde wer bin ich? (Sherlock Holmes) fing ich dann an zu schlafen. Diesmal hald zu zweit auf einer Holzbank.
Mit den vielen Leuten hatte ich dann doch etwas Angst bzgl Taschendiebstahl, zumal mir die Asrama Mädchen noch eingetrichtert haben, meine Sachen nie aus den Augen und immer vor meinem Körper zu tragen.
Fred ging es ähnlich und so war er die meiste Zeit über wach, hin und wieder lösten Anna und ich ihn ab, aber die Lust zu schlafen, war sooo groß.
Die Taschen alle gut in der Mitte von uns platziert, schliefen wir dann auch eine Zeit lang alle. Auch die meisten Mitfahrer.
Um 3 Uhr wurde es dann wieder lauter. Man sah einen Haufen Fischerboote am Meer und in weiter Ferne, aber doch, unser Ziel - Timor und die Lichter von Kupang.
Viel zu früh.
Abends zuvor hatte ich noch im Internet die Check In Zeit heraus gesucht - 14:00 - traumhaft. Also nur 8-9 Stunden die wir run schlagen müssen bis wir duschen und ausruhen können.
Um 4:30 gab es eine Durchsage chrchmchrm alle chrnchnehnrldb sich sammeln chrhsschanelrhhhhh aus der ich nicht so richtig schlau wurde, die meisten anderen aber dazu brachte aufzustehen und das Oberdeck zu verlassen.
Taco nahm das dann zur Gelegenheit mal das Hotel anzurufen und ich traf den Kapitän, der etwas enttäuscht gewesen war, dass Anna und ich nicht nochmal vorbei geschaut haben. Und er fragte wieso wir denn nicht im VIP Bereich geschlafen haben.... VIP?!?!? Haha naja der Reis ist schon Bubur geworden.
Uuuund Taco hatte Bomben Nachrichten. Wir können sofort ins Hotel.
Fred war zunächst entsetzt aufgeweckt zu werden, aber war dann mit dieser Aussicht auch willig.
So nahmen wir also unser Hab und Gut von der Müllhalde und verabschiedeten uns von den Verbleibenden.
Nächste Hürde, finde ein Taxi. Recht schnell wurden wir von einem Knilch in die Fänge gelockt, der uns durch die Menge bugsierte und uns zu einem..... Bemo (BatMobil) brachte! 
Am Rande: Bemos sind Minibusse in Transporter Form, wobei die Rückbank durch zwei Längsstreifen ersetzt wird. Außerdem sind die Fenster wild beklebt und die Musik so laut, dass einem die Ohren raus haut. Jeder kann zusteigen wann und wo auch immer und wird dann in einer Route die mit den anderen zusammen passt abgeliefert.
Das war zwar nicht ganz unser Ziel, aber nach etwas nachverhandeln ließen wir uns auf das nächste Abenteuer ein.
Während wir im dunklen saßen ging draußen die Sonne auf und nachdem wir ein paar andere Mitfahrer abgeliefert hatten, ging es dann zu unserem Hotel. Immer immer weiter. Zuerst wollten sie uns ja 4 km zu früh aussteigen lassen, aber wir kamen dann tatsächlich richtig an. Wo sie prompt mehr Geld verlangten als ausgemacht.
Die OfficeLeute kamen uns zur Hilfe und es könnte dann geklärt werden, mit 1€ Aufpreis.
So fanden wir uns, nach knapp 34 Stunden, ohne Dusche, mit Flipflops, Rucksack und Chillerhose, um 6:00 morgens vor einem richtig großen, nobel aussehenden Hotel wieder.
Und hier sind innere Werte sogar noch besser als die Äußeren.
Oh Leute... nachdem wir im voraus bezahlten, vielleicht hielten sie uns mit unserem Aussehen nicht für zahlungskräftige, waren wir endlich angekommen.
Hallo Wunderland. Hallo Regendusche und Seife. Und Hallo Bett.
( sogar ein Frühstück haben wir dazu bekommen und das war von der richtig feinen Sorte... wirklich... ohne Ironie... Mit Milchkaffee, Bubur, Santan, Toast, Gado Gado und allem was ein indonesisches Herz begehrt)
Ach ja für alle denen es noch nicht aufgefallen ist: Feri - Fähre
Und so schliefen sie glücklich ein.
Ende

Sonntag, 1. Mai 2016

Umschulung: Vom Lehrer zum Dolmetscher

Vor einigen Monaten bekamen Anja und ich die Anfrage, ob wir nicht Lust hätten, im April einer Lehrerin aus Deutschland während ihres Aufenthaltes auf Sumba als Übersetzer zu helfen. Klar, waren wir dabei und fuhren so mal wieder mit dem Travel nach Waitabula, um unsere über sieben Monate gereiften Indonesischkenntnisse auf die Probe zu stellen. Spitze war, dass wir die nächsten 12 Tage im Hotel verbringen durften.

Hotel Sinar Tambolaka

Dort trafen wir dann auch zum ersten Mal Frau Kaune, die - frisch aus Deutschland eingeflogen - uns erstmal ganz viel Schokolade (die auf Sumba Seltenheitswert hat) als Mitbringsel präsentierte und damit unsere Herzen im Sturm eroberte. Beim gemeinsamen Essen beim Italiener (mhhh...) stellte sie uns den groben Ablauf der nächsten Wochen vor.
An der Hochschule STKIP und an der Mittelschule SMP Aloysius läuft ein aus Deutschland organisiertes Projekt, das den Matheunterricht auf Sumba fördern soll. Ausgewählte Lehramtsstudenten der STKIP werden in Workshops fortgebildet, mathematische Kompetenzen werden geschult und Unterrichtspädagogik erlernt, die in Deutschland in einem äquivalenten Projekt bereits erprobt ist und nun - ins Indonesische übersetzt - auf Sumba wirken soll. Nach bestandenem Examen können die Studenten weiterhin im Projekt bleiben, wo ein attraktives Lehrergehalt bei einer Anstellung an der SMP Aloysius lockt. Dort gibt es bisher zwei Projektklassen, je eine in Klasse 7 und 8, wo das indonesische Mathecurriculum über den Haufen geworfen und nach einem ganz neuen Ansatz unterrichtet wird. Es geht nämlich -tadaa- darum, dass die Kinder Mathe auch wirklich verstehen und nicht nur Halbwissen bis zur nächsten Prüfung auswendig gelernt wird. Das Projekt soll zeigen – und tut es inzwischen auch – dass jeder Mathe lernen kann, von Indonesiern über Koreaner bis Deutsche und das ganz unabhängig von Faktoren wie Reichtum, Fortschritt oder Ergebnissen des Pisatests... 

In unseren zwei Wochen hier ging es nun darum, dass Frau Kaune den Fortschritt des Projektes zweimal pro Jahr einsieht und normalerweise mit einem Dolmetscher einfliegt. Doch in diesem Jahr schienen alle Kandidaten bereits beschäftigt, sodass nun Anja und ich eingesetzt wurden, für Frau Kaune zu vermitteln. Das heißt, wir halfen ihr bei allerlei Gesprächen – von Alltagsproblemen und Plaudereien über Organisatorischem bezüglich des Projektes bis hin zu Simultanübersetzen bei Workshops, in denen die Studenten neue Materie lernten. Dazu fiel noch einiges an Büroarbeit an, wie Arbeitsblätter übersetzen, Briefe verfassen oder Zertifikate drucken. Wir arbeiteten größtenteils auf dem Gelände der STKIP, wo vor Kurzem ein eigenes Gebäude für das deutsche Projekt entstanden ist, das LMK - Lembaga Matematika Kognitif.

Projektklasse - Hausaufgabenbesprechung
Die ganze Arbeit war echt spannend, weil wir durch unsere Übersetzerfunktion immer mittendrin im ungewohnten Zusammenspiel zwischen Deutschem und Indonesischem waren. Das strukturierte, durchgeplante deutsche System trifft auf das gemächlichere, einfache Leben in Sumba. Da steht auf einmal ein Beamer mit Dokumentenkamera in einer Klasse, in der es jedoch keine Fensterscheiben gibt; Indonesier treffen überpünktlich vor Terminbeginn ein (hehe); Klimaanlagen kühlen die schwüle Mittagsluft und die Männer machen sich freiwillig an den Abwasch...
Es ist echt spannend, wie Engagement, Geld und Ausdauer wirken und verändern können und nun zwei absolut Leistungsstarke Matheklassen an der SMP entstanden sind, in der der sonst übliche Frontalunterricht vollkommen aufgebrochen ist und die Kinder gemeinsam und motiviert den Stoff erarbeiten.

Schwester Mathilde, Olif, Tina, Ince, Misseri, Anja, Anna, Frau Kaune
Außerhalb der vielfältigen Eindrücke, die wir über das Projekt mit all ihren Beteiligten wie Lehrern, Studenten und Schülern sammeln konnten, waren wir natürlich in unserer Freizeit ein bisschen auf Sumba unterwegs. In der Nähe von Waitabula gibt es unglaublich schöne Strände, die einfach nur dazu einladen, nachmittags zum Kaffee rauszufahren und den Sonnenuntergang zu genießen. 

 Sonst hat sich der Aufenthalt in Südwestsumba für Anja und mich auch dazu geeignet, Freunde aus unserem Asrama wiederzutreffen, die als Zwölftklässler die letzten Prüfungen bereits absolviert hatten und nun einen Monat zuhause waren.

Strand Oro... Erinnert an die Ostsee, oder?

Von der Schreinerei auf Sumba...
... werden Möbel ins LMK geliefert

Besuch bei Elsy, rechts im Bild


Fußball schauen im Regen

Entspannen am Strand Mananga Aba