Donnerstag, 24. September 2015

Eine kleine Geschichte für zwischendurch

Heute möchte ich eine Geschichte erzählen - die unglaubliche Geschichte von vier Jugendlichen, die doch nur Wäsche waschen wollten. Unsere Geschichte beginnt an einem Tag wie jeder andere für die vier frischen Volunteers auf Sumba: man steht auf, geht in die Messe, frühstückt, lernt Indonesisch und hilft ein wenig bei den täglichen Aufgaben. Doch die Stimmung trübte ein wenig - Tanya brachte ein, dass man jetzt schon eine Woche hier sei und die Anzahl der sauberen Kleidungsstücke immer weiter schrumpfen würde; ein Problem, welches nicht nur sie alleine betraf. 

Und so entschied man, dass es an der Zeit sei, endlich einmal seine Wäsche zu waschen. Gesagt getan: die vier gingen zu Pater Tony und fragten ihn um seine Hilfe in der Angelegenheit. Hilfsbereit wie er war, zeigte er den vier hochmotivierten Jugendlichen den Ort des Wäschewaschens: ein kleiner Raum am anderen Ende des Asramas. 
"Oh super, das sieht ja eigentlich ganz einfach aus, so viel anders als zu Hause kann das ja gar nicht sein, immerhin gibt es eine Waschmaschine, die sicher genauso funktioniert wie solche, die wir kennen!" 
Falsch gedacht. 
Doch das merkten die vier erst, als es schon zu spät war. Anfangs stand ihnen Pater Tony noch zur Seite und erklärte ihnen alles: man fülle zunächst die Waschmaschine mit (kaltem) Wasser, fügt Waschpulver und Wäsche hinzu, stellt sie auf zehn Minuten ein und wartet. So weit so gut. 
Doch hier fangen die Dinge an komplizierter zu werden: Pater Tony musste los und ließ alles hinter sich: eine prall gefüllte Waschmaschine, drei große Eimer mit kaltem Wasser gefüllt, eingeseifte, eindeutig nicht fertige, Wäsche und vier Jugendliche ohne eine Ahnung, was sie jetzt tun sollen. 

Sie fingen an, rational zu denken: es gibt drei Eimer für vier Leute; eventuell soll man einfach die Wäsche auf die Eimer aufteilen? Gesagt getan: Tanya und Tanna bekamen jeweils einen Eimer, Teddy und Taco durften sich einen teilen. 
Die vier teilten also fleißig die Wäsche auf die drei Eimer auf: ein T-Shirt hier, ein Top dort, eine Boxershorts hier, und so weiter. Nach der Hälfte der Arbeit etwa kam eine Frau auf sie zu - und lacht. Auf Indonesisch erklärte sie, dass die nicht mehr so ganz hochmotivierten Jugendlichen so ziemlich alles falsch machen. Sie rief ihre Freundinnen, welche auch erstmal lachten. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Lachens, hörten sie langsam auf und erklärten, wie man es richtig machen solle: Man teile die Kleidung nicht auf, sondern gibt sie zunächst in den ersten Eimer, um die Seife auszuwaschen. Bei dem Versuch, die Seife ordentlich auszuwaschen und die Wäsche danach in den zweiten Eimer zu bewegen, stellten sich die vier aber, den Kommentaren der Frauen nach zu urteilen, wieder nicht wirklich schlau an - die vier von oben bis unten nassen Jugendlichen standen schlußendlich vor dem Raum und schauten den wohlgeübten und routinezeigenden Frauen zu, wie man es richtig macht. 
Doch damit nicht genug: Nach dem Waschgang muss man die Wäsche natürlich auch aufhängen. Doch es scheint so, als hätten die vier nicht den kompetentesten Eindruck in Sachen Wäschewaschen erweckt. Um ganz sicher zu gehen, wird ihnen auch noch gezeigt, wie man denn die Wäsche aufhängt: ein schwarzes T-Shirt wird zur Demonstration des höchst komplizierten Aufhangprozesses über einen zufällig ausgewählten Stuhl gehangen. Man konnte die Gedanken der Frau schon fast aus ihrem Gesicht ablesen: "Na hoffentlich suchen die sich drüben jetzt nicht 30 Stühle zusammen und hängen ihre Sachen auf denen auf".

Alle in dieser Geschichte vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden und jegliche Ähnlichkeit mit real existierenden Personen und Handlungen sind reiner Zufall. 

pergi ke pantai 2 - Palmen im Wind



Gestern waren wir wirklich an einem dieser kitschigen Bilderbuchorte. Das Auto zwischen grünen Palmen stehen lassen und dann den Strand hinunter zum Wasser laufen. Weißer Sandstrand mit vielen Muscheln und wirklich wenig Müll. Vor allem für das, was wir hier schon gesehen haben.
Und vor uns dann das Meer.

Das Wasser fast schon cyanfarben und dann etwas weiter draußen meerblau.
Im Rücken die Palmen, mit ihren Köpfen im blauen Himmel und die Kombination von Meeres und Palmenblätterrauschen. Willkommen im Paradies.



In das Paradies kommt man über die geilsten Straßen. An alle Leute, die sich mal aufgeregt haben, weil ein Teil einer Fahrbahn nicht befahrbar ist und deshalb alles länger dauert.... kommt mal hierher. Ihr werdet euch freuen.
Teilweise gab es nicht mal mehr eine Fahrbahn für eine Richtung sondern weniger, aber die Indonesier fahren dann trotzdem in zwei Richtungen darauf. Oder als wir dann von der 'Straße' abgefahren sind und über den aufgebrochenen Teil mussten, um dann Richtung Meer zu kommen.
Wo wir dann gefahren sind, kann man nur noch als Muggelpiste bezeichnen. Tempo gefühlt 15 km/h. Aber man sieht endlose Weiten und ich konnte nicht anders als strahlen.
Ich bin hier an einem Ort gelandet, den man mit Worten nicht beschreiben kann. Die Worte können nicht ausdrücken, was in mir vorgeht, wenn ich hier die Landschaft sehe.
Aber zurück zum Badeausflug.

So schnell startbereit hat man Anna noch nicht gesehen. Und das Grinsen auf ihrem Gesicht, als sie das T-shirt ausziehen konnte und dann 'nur' in Badeanzug und Badehosen ins Wasser gelaufen ist, war unbezahlbar.

Da ich noch mit Fotografieren beschäftigt war, bin ich verspätet gestartet und habe versucht durch das nicht einmal kniehohe Wasser zu den anderen zu laufen. Was ein ziemlich lustiges Unterfangen ist, weil dabei alles im Umkreis von weit nass wird. Mehr lachend als stehend bin ich bei den anderen angekommen und sogar Fred hatte ein Lachen im Gesicht.
 
Im Vorhinein hat Pater Agus, der uns auch hierher gebracht hat, gemeint dass wir 'mandi di laut' - also im Meer baden/planschen - können. Ich hab natürlich trotzdem an 'Schwimmen' gedacht. Als mir dann das Wasser 300 m entfernt vom Strand noch immer nicht zum Knie ging war mir dann klar, dass er wirklich mandi  gemeint hat.


Zur Begrüßung, als ich bei den anderen angekommen war, wurde ich gleich mal umgeworfen. Im Endefekt landeten dann alle im Wasser. Die Temperatur lag bei ungefähr Badewannentemperatur, jedenfalls wärmer als die Luft. An manchen Stellen konnte man sich sogar treiben lassen im Wasser so tief war es, für schwimmen hat es aber dann doch nicht ausgereicht.
Pater Agus hat unseren Planschereien auf Bildern festgehalten. So kann man nun wunderschön sehen, wie wir der Reihe nach probieren einen Handstand zu stehen, wobei Fred mit Abstand die beste Figur machte.


Es gibt dort feinen weißen Strand, der sich überall in deinem Badezeug wieder findet, was nicht zuletzt auch an der Sandschlacht liegen könnte , die wir dann angefangen haben.
So verbrachten wir gestern endlich Zeit im Meer und ich bin mir dabei vorgekommen, wie ein Kindergartenkind.
Frei sein von allem und einfach nur Spaß haben.
Bei diesem Prozedere ist mein Redemptoristenkreuz in das große weite Meer verschwunden.
Als Ausgleich hat Anna wunderschöne Muscheln gefunden. 

Mit Schrumpelfingern sind wir dann nach einer halben Ewigkeit aus dem Wasser raus. Wo Benedict und Anna sofort das nächste Projekt starteten, Kokosnuss knacken, und sich Fred wohl zum hundertsten Mal fragte, mit was für Verrückten er eigentlich unterwegs ist.
Das war wirklich sehr unterhaltsam, vor allem deshalb, weil die Kokosnuss hohl war und die beiden dann versuchten, mit der Hohlen, eine andere von der Palme zu schießen.

Natürlich musste es hier auch noch zu einem peinlichen Moment kommen, sonst wäre es kein vollwärtiger Ausflug.
Kurz bevor wir abfahren wollten, kamen Einheimische an den Strand. Als wir dann unsere Sachen ins Auto packen wollten, ging die Alarmanlage an und Pater Agus war grade außerhalb der Höhrweite. Die Einheimischen aber nicht. Bin mir schon wieder dezent unfähig vorgekommen, dass wir nicht mal eine Alarmanlage auf Anhieb ausschalten können.
Immer diese Weißen.


Es ging dann über oben genannten Weg zurück, mit einem kleinen Umweg. Pünktlich zum Sonnenuntergang fanden wir uns auf einem der schönsten Aussichtsorte wieder. Ein Hügel in der Nähe vom Flughafen, wo man über die Felder und Palmen bei Waingapu sehen kann.
Viel perfekter konnte der Tag nicht sein.
Am Rand eines Hügels sitzen und der Sonne zusehen, wie sie untergeht.




Was hat es an sich, dass die meisten Dinge von weit weg immer noch etwas schöner sind?

// Unser vorläufiger Tagesablauf //

Im Indonesischen gibt es den schönen Begriff "Jam karèt" (Gummizeit). Dieser steht für die Dehnbarkeit des Zeitverständnisses hier. Steht auf einer Hochzeitseinladung, dass es 19h losgeht, heißt das, dass der Großteil der Leute überhaupt erst gegen 19h30 oder später kommen wird. Den Begriff der Gummizeit kann man auch auf die meisten hier genannten Zeiten anwenden. Einzig die Messe und die Schulzeiten werden ziemlich genau eingehalten.


5h15 - Der Wecker klingelt. Zum vierten mal oder so. Keine Ahnung, aber vielleicht sollte ich langsam mal aufstehen, ist immerhin schon spät (...). Eigentlich ist alles was danach kommt genauso wie zu Hause: aufstehen, Haare sehen blöd aus, zum Waschbecken gehen, Zähne putzen, sich wundern, wie man in so einem Zustand trotzdem so unglaublich perfekt aussehen kann, Haare machen, anziehen, rausgehen.

5h30 - 6h15 Morgensmesse, auf Indonesisch natürlich. Wir verstehen aber jeden Tag mehr von dem, was wir mitlesen und mitsingen. Danach können wir frühstücken, das gibt es bis etwa neun Uhr. Meistens essen wir direkt nach der Messe, wenn wir nicht noch einmal schlafen gehen.
Zum Frühstück gibt es immer Reis mit verschiedenen Kombinationen aus Gemüse, Ei und scharfem Gemüse. 
Nach dem Frühstück fangen wir dann meistens mit unserer derzeitigen Hauptbeschäftigung an: Indonesisch lernen. Gleichzeitig machen sich die Kinder fertig für die Schule, damit sie pünktlich 7h30 in der Schule sein können. 
Gelegentlich fragen uns die Patres, ob wir irgendwohin mitkommen wollen oder, dass wir uns heute irgendwo vorstellen sollen. Die ersten vier Vormittage haben wir zum Beispiel damit verbracht, in die Schulen zu fahren, in denen wir unterrichten werden, um uns dort vorzustellen. 
Montags, Mittwochs und Freitags haben wir von 9h30 bis 11h außerdem noch Indonesischunterricht bei Pak Michael. 
Der nächste Tagesordnungspunkt ist das Mittagessen, welches jeden Tag zusammen mit den anderen Patres um 13h stattfindet. Auch hier gibt es immer Reis mit Beilage: ein wenig Hühner- oder Schweinefleisch, Tofu, Gemüse, Fisch. Davor und danach wird natürlich gebetet, meistens auf Indonesisch, ab und zu werden wir aber gebeten, das Tischgebet auf Deutsch zu halten. 
Da wir verhältnismäßig früh aufstehen müssen und Abends auch nicht allzu früh ins Bett kommen, ist nach dem Essen Zeit für einen Mittagsschlaf. 
Etwa anderthalb Stunden später erhebt man sich wieder aus seinem wundervollen Traumgefährt und die Arbeitszeit beginnt: 15h30 treffen sich alle Schüler, nach Klassenstufen sortiert, im Asrama und teilen sich die Arbeiten auf: Staub kehren, Holzhacken, Müll wegbringen, Schweine füttern, alles was halt so anfällt. Mittlerweile dürfen sogar wir mithelfen. 
Eine Stunde später gibt es an fünf von sieben Tagen die Woche Sport. Man wechselt sich ab zwischen Fußball und Volleyball, bis 18h.
Danach geht es ab unter die Dusche und in wärmere Klamotten. 19h00 folgt das Abendessen zusammen mit den Kindern. Auch hier gibt es, wie zu jeder Tageszeit, Reis mit verschiedenen Beilagen. Nach dem Essen kann man sich der Gemeinschaft mitteilen. Es wird langsam ruhig, einer steht auf und redet. Reden kann man hier beispielsweise über Ideen die man hat, Dinge, die einem auf dem Herzen liegen oder Probleme, die es im Asrama gibt. Das Ganze dauert normalerweise etwa 45 Minuten. Ab 20h, bis etwa 21h haben die Kinder nochmal Arbeitszeit, um ihre Hausaufgaben zu erledigen. 
Danach gibt es noch ein Abendgebet in kleinen Grüppchen. Meistens wird hier gesungen.
Gegen 23h gehen wir dann etwa ins Bett, manchmal früher, manchmal später. 
Wie man merkt, lernen wir gerade hauptsächlich Indonesisch. In ein oder zwei Wochen müsste es dann aber so gut sein, dass wir auch endlich richtig unterrichten können. Derzeit kommen wir alle paar Tage mal bei einem Lehrer mit in den Unterricht und unterstützen dort. 

Montag, 21. September 2015

Nachtrag: Ankunfstag auf Sumba und Eindrücke der ersten Woche

Soo, am Montag (07. September) hieß es dann Abschied nehmen von Bali und auf geht’s nach Sumba. Ibu Justina bereitete uns noch ein ausgiebiges indonesisches Frühstück – zum ersten Mal durften wir also Reis zum Frühstück essen. Und es war nicht einfach nur Reis, sondern er war vermischt mit Gemüse, Hühnchen und ganz viel Chili – oder was sie hier sonst benutzen, um das Essen so richtig schön scharf zu machen. Jaa, ich würde sagen, es war nicht ganz so mein Ding, früh am Morgen mit brennender Kehle in den Tag zu starten... Aber mit der Zeit werde ich mich sicher an die Essensumstände gewöhnen...

Dann ging es mit gepackten Koffern los durch den für uns unübersichtlichen, kunterbunten Verkehr Balis Richtung Flughafen. Gegen 10 Uhr flog unsere kleine Maschine ab und bot uns eine Stunde lang eine spektakuläre Aussicht über einige der kleinen Sundainseln. Man konnte sofort erkennen, als wir Sumba erreicht hatten, da es die einzige Insel ist, die von oben nicht grün sondern braun aussieht.
Aussicht aus dem Flugzeug auf die Insel Lombok
Der Flughafen von Waingapu stellte sich als riesige Anlage mit modernster Ausstattung heraus. Nachdem wir stundenlang rumgeirrt sind, auf der Suche nach der Gepäckausgabe und uns durch die unzähligen Sicherheits- und Drogenkontrollen geschlagen haben, traten wir endlich in die erfrischend kühl-milde Mittagsluft von Sumba heraus. Dort wurden wir von Pater Agus erwartet, der uns erst gar nicht erkannt hat in der Masse von überdurchschnittlich großen, weißen Jugendlichen, die so viel Gepäck mit sich herumschleppen, wie vielleicht der Rest der Passagiere zusammen... Nein, Quatsch. Sumba ist (noch) nicht wirklich touristisch erschlossen, kommt also gut mit einer kleinen Landebahn plus Halle mit Gepäckausgabe als Flughafenanlage aus.

Selbstverständlich haben wir uns auf der Fahrt mit Pater Agus auf fließend Indonesisch über die aktuelle Politik in Waingapu unterhalten, während er uns einige markante Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte, die auf dem Weg zum Asrama Pada Dita (Jungeninternat) liegen.
Dort angekommen, bekamen wir gleich eine Führung über das Gelände, die mit einem Besuch im Schweinestall endete (ich könnte jetzt was über den Geruch schreiben, der sich in der Mittagshitze von ca. 35° C bildet, aber vielleicht ist es auch so vorstellbar)... Wir wurden auch von den übrigen Patres begrüßt und außerdem von den Kindern - hier leben etwa 100 Jungs - neugierig beäugt. Die Ersten kamen eher zögerlich zu uns (aber es wurden immer mehr und mehr) und haben uns begrüßt. Hier werden Höhergestellte per Handschlag begrüßt und wenn man seine Ehrfurcht ausdrücken möchte, führt man die Hand seines Gegenübers an seine Stirn.
Abschließend gab es als Erfrischung gekühlte Kokoswasser mit Milch und Eiswürfeln– einfach superlecker und sehr zu empfehlen (lässt sich sicher auch in Deutschland/ Österreich nachmachen)!

Zum Mittagessen gab es dann – ich werden wohl noch einige Zeit darauf hinweisen, weil es immer wieder überraschend ist – Reis. Dazu noch irgendein weichgekochtes Gemüse, Fleisch, frittierten Tofu und zum Nachtisch Bananen oder Melone. Es schmeckte alles ziemlich gut, es war nur komisch, nur mit einem Löffel zu essen oder vielleicht noch mithilfe einer Gabel das Fleisch zu zerkleinern.

Danach ging es weiter in die Zimmer. Fredward und Benedict haben jeweils ein eigenes Zimmer, ausgestattet mit allem, was man so braucht: Ein Bett, ein kleiner Tisch, ein Schrank und eigenes Bad. Anja und ich werden die erste Zeit auch im Jungeninternat wohnen, um gemeinsam mit den anderen beiden Indonesisch zu lernen. Danach werden wir in das Asrama Putri (Mädcheninternat) umziehen.
Nachmittags sind wir dann auch dorthin gefahren, damit wir uns da vorstellen können, und um uns alles anzuschauen. Im Asrama Putri leben etwa 50 Mädchen im Alter von schätzungsweise 10 bis 18 Jahren und – wie soll ich es treffend formulieren?- sie haben sich wirklich wirklich sehr gefreut, uns (und ganz besonders die Jungs) kennenzulernen. Es gab ein riesiges Gewusel und Gekreische um uns herum, alle wollten uns sehen, begrüßen und ganz viele Fragen stellen. Ziemlich schräg und ungewohnt für uns... Besonders Benedict sticht hier völlig aus der Masse der Durchschnittsindonesier heraus, weil er einfach viel zu groß ist. Jetzt hat er auf jeden Fall einen riesigen weiblichen Groupiefanblock... Naja, es war jedenfalls ziemlich laut, aber trotzdem nicht unangenehm. Mir hat es einfach wieder einmal gezeigt, wie unglaublich fröhlich und freundlich die Menschen hier sind! Verabschiedet wurden wir dann tatsächlich mit einem Nasenkuss (cium Sumba), den einige der mutigeren Mädchen mit uns „austauschen?“ wollten, und sich anschließend nicht mehr eingekriegt haben vor Lachen. Wahrscheinlich werden sie ihre Nasen von nun an niemals mehr waschen...

Anja beim "cium Sumba"
Abends aßen wir gemeinsam mit den Kindern im Asrama Pada Dita. Hier standen wir auch ziemlich im Mittelpunkt und sollten uns sogar nach dem Essen ausführlich vorstellen (Name, Alter, Herkunft, Hobbys und Beziehungsstatus...) - natürlich auf Indonesisch. Aber sie halfen uns bei Wortproblemen bereitwillig aus und glücklicherweise sprechen viele hier auch einige Worte Englisch, sodass das Meiste von beiden Seiten verstanden werden konnte.

Nach der ersten Nacht starteten wir fröhlich ausgeschlafen und gespickt mit den ersten Mückenstichen um 5:00 Uhr in den Tag. Glücklicherweise kühlt es hier abends von 35 Grad auf geschätzte 15 bis 20 Grad ab, sodass man ziemlich gut schlafen kann und es morgens auch leicht fällt, in der noch angenehmen Kühle so früh aufzustehen.

Neben Indonesischlernen zählte zu unseren Aufgaben der ersten Tage, uns hier überall vorzustellen. Wir wurden direkt am zweiten Tag von Pater Kus - dem Schulleiter der SMA (Oberschule) - eingeladen, in die Schule zu kommen.
Geplant ist, dass Anja an der SMA, Benedict an der SMP (Mittelschule), Fredward an der SD Pada Dita (Grundschule) und ich an der SD Anda Luri unterrichten. Alle erstmal Englisch, aber sobald wir uns ausreichend mit der indonesischen Sprache auskennen, werden wir auch an anderen Schulformen und auch andere Fächer (Deutsch, Mathe, …) unterrichten können.

Besuch einer Grundschulklasse einen Tag später
Jedenfalls nahmen wir die Einladung gerne an, die jedoch für uns leider etwas spontan kam, sodass wir schließlich so wir grade waren (in Flip-Flops und Sporthosen) in der Schule auftauchten. Dort empfing uns Pater Dominik, der uns durch die Klassen führte. Das ganze lief dann so ab, dass wir in eine Klasse hineingingen, Pater Dominik auf Indonesich erklärte, dass wir hier für ein Jahr als Lehrer arbeiten werden, und wir uns dann auf Deutsch oder Englisch (je nach Wissensstand der Klasse) selbst vorstellen durften. Es war ziemlich lustig, da immer ein Echo erklang, wenn man etwas über sich erzählte: Hello, my name is Anna... Darauf Pater Dominik an die Klasse: Siapa namanya? (Wie heißt sie?) Und alle brüllten zurück: Anna! Und so weiter... Außerdem haben sich alle immer riesig gefreut, wenn wir über unser Alter gesprochen haben, weil wir nur ein bisschen älter als die Schüler der Oberschule sind. Und dazu kamen noch die oben erwähnten Mädchen aus dem Asrama Putri, die es kaum fassen konnten, dass Benedict jetzt gleich etwas sagen wird, und immer total enttäuscht waren, dass er nicht sie, sondern nur die Mittelschule unterrichtet. Ein weiters Highlight in jeder Klasse war auch noch, als wir unser Herkunftsland erwähnt haben. Dreimal „Germany“ wurde immer gut verstanden, aber das eine „Austria“ von Anja wurde im Echo immer als „Australia“ wiederholt. Dann hat Pater Dominik jedes Mal wiedersprochen: „Not Australia, AustRRRia!“, auch wenn es vielleicht nur einer falsch wiederholt hatte... Also, es wurde wiedermal viel gekreischt und gelacht, und wir haben uns alle ein bisschen wie irgendwelche berühmten Popstars gefühlt – trotz Gammelhosen...
Auf dem Nachhauseweg haben wir uns dann nur noch gewundert, dass wir in der Schule nicht auf Pater Kus getroffen sind, der uns doch eingeladen hatte... Später wurde uns dann erklärt, dass es sich bei Pater Kus und Pater Dominik um ein und die selbe Person handelt (hahaha, wir haben ziemlich lange darüber rumgerätselt). Es sei nur einfach der deutsche und der indonesische Name, der die Verkürzung von Dominikus ist...

Nachmittags landeten wir – der zweite Tag war noch nicht mal vorbei – schon direkt auf dem Polizeirevier und anschließend im Krankenhaus... Ok, keine Sorge, wir sind nur dorthin, um Kopien von unseren Reisepässen und unseren Visa abzugeben. Und anschließend musste Anja ins Krankenhaus, um ihren Zeh untersuchen zu lassen, der ja vor einigen Tagen auf Bali gezogen wurde. Aber es ist echt cool, ein bisschen durch die Stadt zu fahren. Der Verkehr zum Beispiel regelt sich auf magische Weise von ganz allein, da es irgendwie kaum Regeln gibt, die eingehalten werden. Außerdem sind wir überall eine ziemliche Attraktion und werden von den Autos und Motorrädern immerzu angehupt – das ist hier nicht wirklich ein Warnsignal, sondern eine Begrüßung.


Zurück im Asrama haben wir die Möglichkeit, Volleyball oder Fußball mit den Kindern zu spielen. Jeden zweiten Tag gibt es hier nachmittags Sportangebote. Es ist superlustig, mit ihnen mitzuspielen, weil es einfach eine lockere Spielatmosphäre ist, wenn zum Beispiel Fred oder Benedict beim Volleyball einen Punkt machen, und sich die Kinder bestimmt eine halbe Minute lang vor Lachen wortwörtlich auf dem Boden kugeln (vor Freude, dass sie den Riesen im Team haben, der total einfach die Bälle rübersmashen kann...).

Abends machen die Kinder hier meistens Musik (Flöte, Gitarre...) oder lernen für die Schule. Manchmal fragen sie uns, ob wir ihnen bei den Hausaufgaben helfen wollen, aber sonst versuchen wir auch, ein bisschen Indonesisch zu lernen.

pergi ke pantai - erste Erfahrungen mit dem Strand in WGP




Indonesien.... Woran denkt man als Erstes?
An die Sandstrände, die man von Plakaten kennt. Hellen, feinen Sand mit azurblauem Wasser? Endlose Weiten, keine Menschenseele, grüne Palmen im Hintergrund?

Da wir jeden Tag beim Frühstück das Meer sehen können, war es irgendwann an der Zeit, dass wir auch hingehen. Von der Terrasse sieht man zuerst viel Grün, zur Zeit eher grün braun, und dann als schmalen Streifen die Küste. Herrlich!
Und da es laut Beschreibung nur etwa 20 Minuten Fußmarsch sind, wollte ich seit dem ersten Tag dorthin.
Zu Beginn waren wir vormittags immer mit Schulbesuchen beschäftigt und in der Mittagshitze wurde uns abgeraten zu gehen und so schob es sich immer weiter nach hinten. Dann, als wir alle Schulen durch hatten, und am Vormittag schon einen Ausflug zum Bankomat machen mussten, war es endlich so weit.
Der Tag, an dem wir endlich ans Meer kommen.

Da wir im Vorhinein oft gehört haben, dass es auf Sumba jetzt Krokodile gibt, erkundigte ich mich noch vorher, ob der Strand sicher ist, und ob man dort auch schwimmen gehen kann.
Es gibt Krokodile und ja, man kann schwimmen, oder so. Zuversichtlich habe ich das auf die Sprachbarriere geschoben und nur Anna davon in Kenntnis gesetzt.
Wir beschlossen den Mittagsschlaf ausfallen zu lassen und zum Meer zu gehen. Badegewand angezogen trafen wir uns beim Cafe - Badegewand heißt für Anna und mich Badehosen und T-Shirt.
Da dort grade die Tante von einem Internatskind war, verzögerte sich unsere Abreise.

Es ist meist so, wenn Besuch im Asrama ist, dass wir die Hauptattraktion sind. Das bedeutet Fotos, Fotos, Fotos und für Benedict, dass er sich anhören darf das er sooo groß ist. Ab und zu bekommen wir dann noch eine interessante Lebensgeschichte dazu oder dürfen indonesische Bäckereien kosten.

Als wir dann auch dieses Kennen lernen beendet hatten, ging es endlich los. Im Laufschritt Marsch.
In einer schönen Zweierreihe ging es Richtung Meer, immer der Straße und auch der Nase nach. Auf diesem Weg sind uns nur drei Schuhe begegnet, die die Leute beim Schweine reiten verloren haben.
Am Anfang der Straße sind links und rechts kleine Häuser, immer weiter hinunter auf der Straße befinden sich dann fast nur noch Felder. Blau, braun und hin und wieder ein paar Kleckse grün. Auf seine ganz eigene Art - wunderschön.


Mein neues Hobby ist es, vor Benedict herzugehen um dann möglichst abrupt stehen zu bleiben. Mit einer Kamera habe ich da natürlich auch das perfekte Alibi.
Immer weiter in der Sonne geht es auf einmal nach rechts, aber nicht mehr näher zum Meer sondern nur parallel dazu.
Schließlich entscheiden wir, an dem Sonnenradhaus entlang zu gehen, da man da einen vermeintlichen Weg erahnen kann. Und tatsächlich wir kommen wieder näher. Langsam eröffnet sich vor uns der Ausblick auf das Meer.

Endlose Weiten... und in der Ferne, tatsächlich ein bisschen Wasser.
Vor uns befand sich eine etwas undefinierbares. Grober Sand in Brockenform und Wasserpfützen und sehr sehr weit weg, ein schmaler blauer Streifen.
Über ein paar Felsen sind wir dann hinunter und es war einfach nur lustig.
Schwimmen können hier vielleicht Kaulquappen, aber wir sicher nicht. Mit ein paar Selfies und halbwegs vernünftigen Fotos dokumentierten wir unsere erste Eroberung.
Dennoch beschlossen wir eine Sandburg zu bauen und etwas Zeit im Schatten der grünen Palme zu verbringen.

Wir kamen, sahen und waren noch immer nicht im Meer.

Damit ihr euch das ein bisschen besser vorstellen könnt auch noch ein Foto. Willkommen am Sandstrand von Waingapu.

Samstag, 19. September 2015

pestah nikah - Hochzeit auf Indonesisch


Die Leute auf Sumba scheinen gerne zu feiern und das ganz nach dem Motto 'je größer, desto besser'. So haben wir es in neun Tagen bereits auf zwei Hochzeiten und zwei Geburtstage geschafft. Alle vier von Leuten, die wir vorher nicht kannten.
Bei diesen Anlässen haben wir auch die Genauigkeit von indonesischen Zeitangaben erfahren.
Meist sind wir um die Uhrzeit, die als Beginn genannt wurde, erst vom Asrama losgefahren, und waren noch immer unter den ersten Gästen.

Zum Ablauf von einer Hochzeit: zunächst passieren alle Gäste ein Zelt, in dem man ein kleines Stück Kuchen - möglicherweise der Hochzeitskuchen- Wasser und ein kleines Andenken bekommt. Alles wunderschön verpackt in Massen an Plastik.

Das Zelt passiert, eröffnet sich vor einem ein Plastikstühlemeer. Hier gilt die Regel: je weiter vorne man sitzt, desto früher bekommt man auch etwas zu Essen; was für uns relevant ist, da die Hochzeit meist um unsere normale Essenszeit beginnt, und ich sowieso immer Hunger habe. Außerdem hat man einen wesentlich besseren Blick auf die Bühne.

Hier zur Veranschaulichung eine Skizze wie so etwas aussehen kann.

Die Bühne ist immer festlich geschmückt und ausgeleuchtet wie im Theater. Da kann man wirklich vom 'im Scheinwerferlicht stehen' sprechen.
Verspätet fängt die Zeremonie an, die Live Musik beginnt und unter Anleitung des Moderators folgt der Einzug des Brautpaares samt Familie. Die Braut war bis jetzt immer in weißen Prinzessinenkleidern zu sehen, nur die Eltern waren etwas traditioneller mit Sarongs von den Heimatinseln gekleidet. Wir haben erzählt bekommen, dass auf Sumba sehr selten Leute in Tracht heiraten.
Auf der Bühne nehmen dann die Eltern und das Brautpaar Platz und von nun an liegt alles in der Hand des Moderators. Es folgen die Reden, ca. drei bis fünf. Ich habe mich bemüht zuzuhören, jedes vierte Wort ungefähr verstehe ich sogar, aber der Zusammenhang bleibt mir ein Rätsel. Ein Fixpunkt ist eine religiöse Rede, wo die Gäste zusammen beten. In Indonesien gibt es ein kirchliches Gesangsbuch, welches zu allen Anlässen verwendet wird, so auch hier.

Das nächste Highlight ist.... die Fahrstuhlmusik.
Es beginnt das Spektakel der Torte.
Hier anzumerken ist, dass die Torte nicht unbedingt essbar sein muss, sie kann auch aus Plastik bestehen. Dann wird nur symbolisch, von Europa inspiriert, mit dem Messer von oben nach unten gedeutet. Wichtig ist aber, dass die Torte essbar oder nicht - groß ist. Auf der zweiten Hochzeit war es eine echte Torte, und das Gestell war gigantisch.
Von der Fahrstuhlmusik untermalt folgt nun das Tortenfüttern, zuerst das Brautpaar ein Bissen Torte, dann die Eltern, dann weiter wichtige Leute und alle, die eine Rede gehalten haben. Immer auf 3,2,1 um ja den richtigen Moment auf dem Bild fersthalten zu können. Nach der Tortenbissenübergabe folgt der traditionelle Nasenkuss 'cium Sumba'.

Die Vorführung wird beendet mit einer Verbeugung von den Akteuren auf der Bühne. Es folgt nun ein Gänsemarsch aller Gäste vom einen Ende der Bühne zur anderen um allen Beteiligten mit cium Sumba zu gratulieren.
Hier gibt es auch ein Bild von unseren liebsten Küsserkönigen.


Nun schreitet man zum Essensbereich. Beim Eintritt erhalten alle piring & sendok, Teller und Löffel und man kann sich am Buffet laben.
Obligatorisch gibt es Reis und danach variiert es leicht. Meistens gibt es Schwein, auf diverse Arten zubereitet, manchmal Nudeln, kleine Frühlingsrollen und natürlich auch Gemüse. Außerdem gibt es so etwas wie Krabbenchips, der neue Snack für zwischendurch.
Gegessen wird im Stehen und geredet wird hauptsächlich mit Leuten, die man ohnehin bereits kennt. Wir sind hier die Ausnahme, als Weiße sind wir hier ein Highlight und werden dann doch öfters von Fremden angesprochen.

Nach dem Essen folgt dann evt. noch eine Tanzeinlage. Line Dance. Traumhaft, Anna und ich haben uns auch daran probiert, aber bis ich die Schrittkombi im Kopf habe, ist der Tanz vorbei.

Einmal auf einer Geburtstagsfeier haben sogar Fred und Benedict getanzt, mal schauen ob da jemand Bilder gemacht hat...



Wie duschen wir eigentlich?

Viele Leute fragen mich: "Hey Benedict, sag mal, wie duscht du eigentlich auf Sumba? Ich habe gehört, dass es dort weder warmes, noch den ganzen Tag fließend Wasser gibt!" Auf diese Frage antworte ich dann meistens "Nun, tatsächlich hast du Recht. Heißes Wasser und ein ständig funktionierender Wasserhahn gehören hier nicht zum Alltag. Zum Duschen benutzen wir einen Kübel und ein Becken, welches vorab mit Wasser gefüllt wird."
Dies reicht allerdings meistens nicht aus, um den Leuten zu erklären, wie das Duschen denn nun funktioniert. Dies möchte ich also anhand meines professionellen Skizzen-Fotohybriden erklären: 




Das sich duschende Individuum (hier mit schwarzer Tinte eingezeichnet, ab jetzt genannt Herbert) steht neben dem Becken und möchte seinen Körper mit Wasser übergießen, um danach ein sauberes Gefühl zu verspüren. Dazu nimmt es den grünen Kübel (hier eingezeichnet als "Eimer") und füllt diesen mit Wasser aus dem Becken (hier gekennzeichnet als "Becken"). Wenn der Kübel voll ist, bewegt er ihn über seinen Kopf und kippt ihn darüber aus. Schon ist Herbert nass und kann sich mit Shampoo und Duschgel frisch machen. Ist diese Handlung abgeschloßen, kann Herbert erneut den Kübel mit Wasser befüllen und die Seife von seinem Körper entfernen. 

Das Becken wird alle paar Tage neu aufgefüllt. Wichtig ist hierbei, dass der Wasserhahn (hier gekennzeichnet als "Wasserhahn") nur etwa eine Stunde am Tag funktioniert. Es gibt also kein Wasser mehr, wenn - man vermutet es schon fast - das Wasser abgestellt ist. 
Nachdem Herbert nun gründlich geduscht und sich abgetrocknet hat, kann er sich dem Wäsche waschen widmen. Doch wie dies funktioniert, erklären wir ein Andermal. 

Donnerstag, 17. September 2015

1.Woche - wie man auf Bali 3 Nächte verbringen kann, ohne mit dem Meer in Berührung zu kommen



Die erste Woche ist um. Wie es nicht anders zu erwarten war, sprechen wir bereits fließend Indonesisch. Den Kindern zu folgen, wenn sie miteinander reden, ist kein Problem mehr.
Fast.


Die ersten drei Nächte haben wir auf Bali verbracht und seitdem sind wir auf Sumba. Es gab so viele erste Male, dass ich gar nicht weiß, ob sie mir noch alle einfallen.


Auf Bali sind wir super herzlich aufgenommen worden von Ibu Justina. Zu wissen, dass es jemanden gibt, der einen in Empfang nimmt nach einem Tag unterwegs sein, ist gut. Zuerst mussten wir sie jedoch finden und obwohl das nur fünf Minuten gedauert hat, wurden wir bereits von Taxifahrern aufgefressen. Alle haben versucht uns zu ihren Autos zu scheuchen. Ganz schräg.
Mit Ibu Justina war das dann kein Problem mehr. Nachdem wir all unsere Koffer in ihr Auto gestopft hatten, ging es durch die nur leicht chaotischen Straßen Denpasars.
So chaotisch der Verkehr ist, wirkt er doch sehr entspannt, jeder fährt das Tempo, wie es ihm gefällt und überholt auch immer. So lange im 90° Winkel kein Auto ist, steht dem Überholvorgang nichts mehr im Weg.
Ibu Justinas Haus ist groß, so groß, dass wir ein eigenes Stockwerk für uns mit Badezimmer und zwei Schlafzimmern bekommen haben. Die paar Stunden Flug haben uns dann doch etwas geschlaucht und wir sind halbwegs bald, noch vor Mitternacht ins Bett.
Am nächsten Tag begrüßt uns die Sonne und viel wichtiger das Meer. Sobald ich das Meer sehe fühle ich mich wie eine Motte, die zum Licht will. Von der Terrasse geht es hinunter zum Frühstück, der erste Eindruck bestätigt sich, ich fühle mich wie im Himmel. Den ersten Tag verbringen wir mit Hery, der eher wenig Englisch redet. Und wir reden eher wenig Indonesisch. Gleich mal richtig eintauchen in die Kultur.












Interkulturelle Kompetenz - Hallo

Was am meisten im Kopf geblieben ist-
Affen. 
An den zwei ganzen Tagen, die wir in Bali verbracht haben waren wir in... zwei Affenparks.
Der erste Tag in Bali hat mit einer langen Autofahrt begonnen. Eingestiegen sind wir bei ca 30°. Nach der Autofahrt sind wir an einem See angekommen, Lake Barat, ein Vulkansee, bei weniger als 20°. Dort gab es einen Park mit Tempelanlage, wo wir hineinkonnten. Wir hatten unseren Spaß und ich habe kopfschüttelnd festgestellt dass es Frauen verboten ist, den Tempel zu betreten, wenn sie bluten. Wie die ärgsten Touristen haben wir überall Bilder gemacht und versucht, zu vertuschen wie groß die Größenunterschiede in unserer Gruppe sind. Ein weiters Highlights an dem Tag war unser erstes Mal Reisessen in Indonesien. Gut so, wer weiß, ob wir uns sonst so gut angepasst hätten an das Essen, das wir im Asrama bekommen.
Das nächste erste Mal war ein Affenpark, mit so vielen Affen dass sie die Wege säumen. Und auch eben so viele kleine Shops, wo man mit tragischen Geschichten genötigt wird, etwas zu erwerben.

Und dann, als atemberaubender Abschluss des Tages, noch Thana Lot. Das ist ein Seetempel, der an einem wunderschönen Ort auf der Erde liegt. Man schreitet über breite Steinstiegen hinunter zum Wasser hin. Dort auf einem Felsen, der bei Flut schon im Wasser ist, sieht man dann den Tempel. Man sieht die in Stein geschlagenen Stufen und hört das Rauschen des Meers, welches durch die Sonne glitzert. Wohin das Auge reicht sieht man dieses schöne Fleckchen Natur.
Magisch.


Leider sind wir nicht die Einzigen, die von dem Ort gehört haben und so teilen wir uns dieses Stück Erde mit unzählbaren anderen Touristen.
Überall hat Hery motiviert von uns Bilder gemacht, mir ist leider erst zu spät aufgefallen, dass er nicht weiß, wie man mit meiner Kamera fokussiert. Wir haben uns den Sonnenuntergang angeschaut, was hier übrigens echt schnell geht.
Am Rückweg waren rundherum Läden, in denen man um Waren feilschen kann. Das Feilschen ist auch noch eine Kunst, die ich erlernen sollte.

Müde vom ersten Tag kommen wir am Abend geschafft bei Ibu Justina an. Im Gänsemarsch geht es duschen um dann rumzufaulen und viel Blödsinn zu reden. Guter Dinge wollten wir dann doch um halbzwölf schlafen gehen, doch da der Kampf um die Seitenschläferkissen etwas ausartete, wurde dieser Plan vereitelt.

Zuerst wollten wir ja, dass Fred eine Not OP macht. Leider waren die Schmerzen aber dann so groß, dass das nicht möglich war. Deshalb hat Anna Justina geholt, die vermutlich einen Schock fürs Leben hatte, ein weinendes Mädchen am Fußboden liegen zu haben, während drei andere Jugendliche gebannt auf einen blutenden..... Zeh schauen. (Anmerkung von Anna: Dam dam dam dramatische Musik Ende)

So lernte ich zusammen mit Benedict und Justina das nächtliche Bali, zwei verschiedene Krankenhäuser und einen lokalen McDonald's kennen.  Um 2°° gab es dann zurück im Haus eine Runde Chicken Nuggets mit Pommes und Schmerzmittel und einem Zehennagel weniger.




Am nächsten Morgen hieß es ausschlafen und so begann der Tag etwas verspätet und beinahe in unserem alten Rhythmus von zuhause. Das heutige Ziel war Ubud. Am Weg dorthin haben wir auch noch eine kleine Achterbahnfahrt hingelegt. Die Straßen auf Bali sind etwas schmal und der Verkehr nicht ganz so geregelt wie in Deutschland, was ich oben schon erwähnt habe.
Da Justina ganz ihrem Navi 'waze' vertraut, sind wir auf interessanten Straßen gelandet. Hinauf und hinunter und links und rechts bis wir an einer Sackgasse angekommen sind. Mir hats gefallen.
schlafende Instrumente
Dort angekommen, nach einem kleinen Stau, haben wir einen Palast/Tempel gesehen und im Anschluss den 'up market'. Der hat seinen Namen vermutlich daher, dass man in den ersten Stock hinauf gehen muss. Die Atmosphäre im Markt war echt cool. Ganz viele kleine Stände mit bunten Stoffen, Schmuck und Holzschnitzereien. Mein Paradies. Justina gab uns davor noch einige Tipps bezüglich feilschen. Angewandt habe ich diese aber nicht, weil es ziemlich rasch weiterging mit dem Versprechen, noch wo anderes einzukaufen heute. Ich glaube, sie hatte auch etwas Bedenken, dass wir uns übers Ohr ziehen lassen.

Zusammen mit einer Freundin von ihr, Dee, ging es in den nächsten Affenpark. Da sie, wie schon Hery gestern, sich als unsere Guides ausgaben, zahlten sie keinen Eintritt.
Zunächst war ich etwas skeptisch, schon wieder in einen Affenpark zu gehen, aber es war die Zeit wert. Komplett anders als am Vortag tauchten wir hier ein bisschen in den Wald ein. Es waren zwar die Affen weiter weg, aber du hast sie in einem wesentlich natürlicheren Umfeld wahr genommen. Benedict und ich waren zumeist mit fotografieren beschäftigt und eben, als ich mich hingekniet hatte, um eine Affenfamilie von ihrer besten Seite zu fotografieren, hat ein andererer daran Gefallen gefunden, auf mir herumzuklettern.
So stand ich auf einmal mit Affen am Rücken herum und Benedict hat es zusammen gebracht, ein Bild von zwei Affen zu machen, bevor der kleine Racker meine Kette klauen wollte.
Dee hat ihn verjagt und er ist auch abgehauen. Hat sich dabei nur kurz in meinen Haaren verfangen.
Nicht halb so schlimm wie bei dem Mädchen, welches sehr lange Haare hatte und ein Selfie mit einem am Boden sitzenden Affen machen wollte. Das hat schmerzhaft ausgesehen.

Am Weg zurück nach Denpasar sind wir an einer Beerdigungszeremonie vorbei gekommen, das war ein langer Straßenzug mit Menschen, Musik und Blumen. Davon gibt es leider nur unscharfe Fotos aus dem Fenster hinaus.
Den Sonnenuntergang haben wir an diesem Abend vom Auto aus bewundert, weil wir im Stau steckten. Mit knurrenden Mägen kamen wir an, in einer ominös aussehenden Straße mit Restaurants. Von vorne konntest du in die Küche sehen und in der Auslage lagen die Fischsorten auf Eis, die man sich hier grillen lassen konnte.
Justina meinte, wir sollen schon mal einen Tisch suchen und ich war doch sehr überrascht, als ich durch das Restaurant ging und am Strand heraus kam. Vor mir ein Meer aus Tischen mit Kerzen und im Hintergrund das Meeresrauschen.

Schon bald kamen Teller gefüllt mit gegrilltem Fisch, Schüsseln mit diversen Saucen und natürlich als Basis, Reis. Das beste am Essen, war meiner Meinung nach der "Crazyfish", weil der keine Gräten hatte, und die Muscheln, so lecker mariniert. Hier am Strand wurde auch die erste Flasche des lokalen Biers 'Bintang' gekostet.
Fazit: Schmeckt wie Heineken.

Im Anschluss kam das versprochenen Shoppen. Dort haben Fred und Benedict ihre Erfüllung gefunden. Ein riesengroßer Shop mit allem, was ihre Herzen begehren. Von allen Mitarbeiterinnen, von denen es zu viele gab, angehimmelt, folgten die beiden Anna und mir.
Nach fast einer Stunde waren wir dann auch fertig, alle mit neuen, zusammen passenden, blauen Sarongs ausgestattet. Fred freut sich jetzt schon drauf, wenn wir endlich Gelegenheit haben, die anzuziehen.

Ich packe meinen Koffer... Danach ging es noch einmal weg mit Dee. Party machen auf Bali, mit ähnlichen Preisen wie zuhause. In Bali scheint es einen Wettbewerb zu geben, welcher Club lauter auf die Straße hinaus tönt, da alle nach vorne hin offen sind. Sonderlich lange sind wir nicht geblieben, immerhin fängt morgen der Ernst des Lebens an und da sollten wir in unserer Bestform sein.