Soo,
am Montag (07. September) hieß es dann Abschied nehmen von Bali und
auf geht’s nach Sumba. Ibu Justina bereitete uns noch ein
ausgiebiges indonesisches Frühstück – zum ersten Mal durften wir
also Reis zum Frühstück essen. Und es war nicht einfach nur Reis,
sondern er war vermischt mit Gemüse, Hühnchen und ganz viel Chili –
oder was sie hier sonst benutzen, um das Essen so richtig schön
scharf zu machen. Jaa, ich würde sagen, es war nicht ganz so mein
Ding, früh am Morgen mit brennender Kehle in den Tag zu starten...
Aber mit der Zeit werde ich mich sicher an die Essensumstände
gewöhnen...
Dann
ging es mit gepackten Koffern los durch den für uns
unübersichtlichen, kunterbunten Verkehr Balis Richtung Flughafen.
Gegen 10 Uhr flog unsere kleine Maschine ab und bot uns eine Stunde
lang eine spektakuläre Aussicht über einige der kleinen
Sundainseln. Man konnte sofort erkennen, als wir Sumba erreicht
hatten, da es die einzige Insel ist, die von oben nicht grün sondern
braun aussieht.
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| Aussicht aus dem Flugzeug auf die Insel Lombok |
Der
Flughafen von Waingapu stellte sich als riesige Anlage mit modernster
Ausstattung heraus. Nachdem wir stundenlang rumgeirrt sind, auf der
Suche nach der Gepäckausgabe und uns durch die unzähligen
Sicherheits- und Drogenkontrollen geschlagen haben, traten wir
endlich in die erfrischend kühl-milde Mittagsluft von Sumba heraus.
Dort wurden wir von Pater Agus erwartet, der uns erst gar nicht
erkannt hat in der Masse von überdurchschnittlich großen, weißen
Jugendlichen, die so viel Gepäck mit sich herumschleppen, wie
vielleicht der Rest der Passagiere zusammen... Nein, Quatsch. Sumba
ist (noch) nicht wirklich touristisch erschlossen, kommt also gut mit
einer kleinen Landebahn plus Halle mit Gepäckausgabe als
Flughafenanlage aus.
Selbstverständlich
haben wir uns auf der Fahrt mit Pater Agus auf fließend Indonesisch
über die aktuelle Politik in Waingapu unterhalten, während er uns
einige markante Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte, die auf dem Weg
zum Asrama Pada Dita (Jungeninternat) liegen.
Dort
angekommen, bekamen wir gleich eine Führung über das Gelände, die
mit einem Besuch im Schweinestall endete (ich könnte jetzt was über
den Geruch schreiben, der sich in der Mittagshitze von ca. 35° C
bildet, aber vielleicht ist es auch so vorstellbar)... Wir wurden
auch von den übrigen Patres begrüßt und außerdem von den Kindern
- hier leben etwa 100 Jungs - neugierig beäugt. Die Ersten kamen
eher zögerlich zu uns (aber es wurden immer mehr und mehr) und haben
uns begrüßt. Hier werden Höhergestellte per Handschlag begrüßt
und wenn man seine Ehrfurcht ausdrücken möchte, führt man die Hand
seines Gegenübers an seine Stirn.
Abschließend
gab es als Erfrischung gekühlte Kokoswasser mit Milch und
Eiswürfeln– einfach superlecker und sehr zu empfehlen (lässt sich
sicher auch in Deutschland/ Österreich nachmachen)!
Zum
Mittagessen gab es dann – ich werden wohl noch einige Zeit darauf
hinweisen, weil es immer wieder überraschend ist – Reis. Dazu noch
irgendein weichgekochtes Gemüse, Fleisch, frittierten Tofu und zum
Nachtisch Bananen oder Melone. Es schmeckte alles ziemlich gut, es
war nur komisch, nur mit einem Löffel zu essen oder vielleicht noch
mithilfe einer Gabel das Fleisch zu zerkleinern.
Danach
ging es weiter in die Zimmer. Fredward und Benedict haben jeweils ein
eigenes Zimmer, ausgestattet mit allem, was man so braucht: Ein Bett,
ein kleiner Tisch, ein Schrank und eigenes Bad. Anja und ich werden
die erste Zeit auch im Jungeninternat wohnen, um gemeinsam mit den
anderen beiden Indonesisch zu lernen. Danach werden wir in das Asrama
Putri (Mädcheninternat) umziehen.
Nachmittags
sind wir dann auch dorthin gefahren, damit wir uns da vorstellen
können, und um uns alles anzuschauen. Im Asrama Putri leben etwa 50
Mädchen im Alter von schätzungsweise 10 bis 18 Jahren und – wie
soll ich es treffend formulieren?- sie haben sich wirklich wirklich
sehr gefreut, uns (und ganz besonders die Jungs) kennenzulernen. Es
gab ein riesiges Gewusel und Gekreische um uns herum, alle wollten
uns sehen, begrüßen und ganz viele Fragen stellen. Ziemlich schräg
und ungewohnt für uns... Besonders Benedict sticht hier völlig aus
der Masse der Durchschnittsindonesier heraus, weil er einfach viel zu
groß ist. Jetzt hat er auf jeden Fall einen riesigen weiblichen
Groupiefanblock... Naja, es war jedenfalls ziemlich laut, aber
trotzdem nicht unangenehm. Mir hat es einfach wieder einmal gezeigt,
wie unglaublich fröhlich und freundlich die Menschen hier sind!
Verabschiedet wurden wir dann tatsächlich mit einem Nasenkuss (cium
Sumba), den einige der mutigeren Mädchen mit uns „austauschen?“
wollten, und sich anschließend nicht mehr eingekriegt haben vor
Lachen. Wahrscheinlich werden sie ihre Nasen von nun an niemals mehr
waschen...
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| Anja beim "cium Sumba" |
Abends
aßen wir gemeinsam mit den Kindern im Asrama Pada Dita. Hier standen
wir auch ziemlich im Mittelpunkt und sollten uns sogar nach dem Essen
ausführlich vorstellen (Name, Alter, Herkunft, Hobbys und
Beziehungsstatus...) - natürlich auf Indonesisch. Aber sie halfen
uns bei Wortproblemen bereitwillig aus und glücklicherweise sprechen
viele hier auch einige Worte Englisch, sodass das Meiste von beiden
Seiten verstanden werden konnte.
Nach
der ersten Nacht starteten wir fröhlich ausgeschlafen und gespickt
mit den ersten Mückenstichen um 5:00 Uhr in den Tag.
Glücklicherweise kühlt es hier abends von 35 Grad auf geschätzte
15 bis 20 Grad ab, sodass man ziemlich gut schlafen kann und es
morgens auch leicht fällt, in der noch angenehmen Kühle so früh
aufzustehen.
Neben
Indonesischlernen zählte zu unseren Aufgaben der ersten Tage, uns
hier überall vorzustellen. Wir wurden direkt am zweiten Tag von
Pater Kus - dem Schulleiter der SMA (Oberschule) - eingeladen, in die
Schule zu kommen.
Geplant
ist, dass Anja an der SMA, Benedict an der SMP (Mittelschule),
Fredward an der SD Pada Dita (Grundschule) und ich an der SD Anda
Luri unterrichten. Alle erstmal Englisch, aber sobald wir uns
ausreichend mit der indonesischen Sprache auskennen, werden wir auch
an anderen Schulformen und auch andere Fächer (Deutsch, Mathe, …)
unterrichten können.
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| Besuch einer Grundschulklasse einen Tag später |
Jedenfalls
nahmen wir die Einladung gerne an, die jedoch für uns leider etwas
spontan kam, sodass wir schließlich so wir grade waren (in
Flip-Flops und Sporthosen) in der Schule auftauchten. Dort empfing
uns Pater Dominik, der uns durch die Klassen führte. Das ganze lief
dann so ab, dass wir in eine Klasse hineingingen, Pater Dominik auf
Indonesich erklärte, dass wir hier für ein Jahr als Lehrer arbeiten
werden, und wir uns dann auf Deutsch oder Englisch (je nach
Wissensstand der Klasse) selbst vorstellen durften. Es war ziemlich
lustig, da immer ein Echo erklang, wenn man etwas über sich
erzählte: Hello, my name is Anna... Darauf Pater Dominik an die
Klasse: Siapa namanya? (Wie heißt sie?) Und alle brüllten zurück:
Anna! Und so weiter... Außerdem haben sich alle immer riesig
gefreut, wenn wir über unser Alter gesprochen haben, weil wir nur
ein bisschen älter als die Schüler der Oberschule sind. Und dazu
kamen noch die oben erwähnten Mädchen aus dem Asrama Putri, die es
kaum fassen konnten, dass Benedict jetzt gleich etwas sagen wird, und
immer total enttäuscht waren, dass er nicht sie, sondern nur die
Mittelschule unterrichtet. Ein weiters Highlight in jeder Klasse war
auch noch, als wir unser Herkunftsland erwähnt haben. Dreimal
„Germany“ wurde immer gut verstanden, aber das eine „Austria“
von Anja wurde im Echo immer als „Australia“ wiederholt. Dann hat
Pater Dominik jedes Mal wiedersprochen: „Not Australia,
AustRRRia!“, auch wenn es vielleicht nur einer falsch wiederholt
hatte... Also, es wurde wiedermal viel gekreischt und gelacht, und
wir haben uns alle ein bisschen wie irgendwelche berühmten Popstars
gefühlt – trotz Gammelhosen...
Auf
dem Nachhauseweg haben wir uns dann nur noch gewundert, dass wir in
der Schule nicht auf Pater Kus getroffen sind, der uns doch
eingeladen hatte... Später wurde uns dann erklärt, dass es sich bei
Pater Kus und Pater Dominik um ein und die selbe Person handelt
(hahaha, wir haben ziemlich lange darüber rumgerätselt). Es sei nur
einfach der deutsche und der indonesische Name, der die Verkürzung
von Dominikus ist...
Nachmittags
landeten wir – der zweite Tag war noch nicht mal vorbei – schon
direkt auf dem Polizeirevier und anschließend im Krankenhaus... Ok,
keine Sorge, wir sind nur dorthin, um Kopien von unseren Reisepässen
und unseren Visa abzugeben. Und anschließend musste Anja ins
Krankenhaus, um ihren Zeh untersuchen zu lassen, der ja vor einigen
Tagen auf Bali gezogen wurde. Aber es ist echt cool, ein bisschen
durch die Stadt zu fahren. Der Verkehr zum Beispiel regelt sich auf
magische Weise von ganz allein, da es irgendwie kaum Regeln gibt, die
eingehalten werden. Außerdem sind wir überall eine ziemliche
Attraktion und werden von den Autos und Motorrädern immerzu angehupt
– das ist hier nicht wirklich ein Warnsignal, sondern eine
Begrüßung.
Zurück
im Asrama haben wir die Möglichkeit, Volleyball oder Fußball mit
den Kindern zu spielen. Jeden zweiten Tag gibt es hier nachmittags
Sportangebote. Es ist superlustig, mit ihnen mitzuspielen, weil es
einfach eine lockere Spielatmosphäre ist, wenn zum Beispiel Fred
oder Benedict beim Volleyball einen Punkt machen, und sich die Kinder
bestimmt eine halbe Minute lang vor Lachen wortwörtlich auf dem
Boden kugeln (vor Freude, dass sie den Riesen im Team haben, der
total einfach die Bälle rübersmashen kann...).
Abends
machen die Kinder hier meistens Musik (Flöte, Gitarre...) oder
lernen für die Schule. Manchmal fragen sie uns, ob wir ihnen bei den
Hausaufgaben helfen wollen, aber sonst versuchen wir auch, ein
bisschen Indonesisch zu lernen.