Samstag, 14. November 2015

Krankenhäuser...

Jaja, elf Krankenhausbesuche in fünf Wochen sind schon nicht schlecht, oder? Dabei konnten wir aber einige Eindrücke sammeln.
Das erste mal ins Krankenhaus mussten wir direkt am zweiten Tag auf Bali - Anja hatte sich den Nagel von ihrem großen Zeh aufgebogen und er musste entfernt werden. Zusammen mit Ibu Justina sind wir also zunächst ins Krankenhaus gefahren, welches am nähesten war. Die ganze Geschichte findet übrigens zwischen etwa 0h30 und 3h morgens statt.
Der Vorraum war etwas klein und es saßen vor allem einheimische auf den Bänken und Sitzen. An dem Anmeldeschalter war die erste Frage, welche Versicherung wir hätten. Nach unserer Antwort wurde uns gesagt, dass das Krankenhaus die Versicherung nicht kennt und deshalb die Kosten komplett von uns getragen werden müssen (dass es für das Krankenhaus nicht wichtig ist, welche Versicherung wir haben, haben wir erst später an dem Abend erfahren). Wir sind also wieder raus und ins internationale Krankenhaus in Bali gefahren. Das gesamte Krankenhaus war sehr modern und wirkte im Empfangsbereich schon fast wie ein Hotel und nicht wie ein Ort, an dem Kranke und verletzte behandelt werden. Hier ging auch alles sehr schnell, Anja wurde in die Notaufnahme gelegt, Ibu Justina und ich übernehmen die Anmeldung. Das Krankenhaus ließ uns netterweise mit der 24h Notfall-Hotline unserer Versicherung in Deutschland telefonieren, welche wir anriefen um mögliche zu beachtende Dinge in Erfahrung zu bringen. Zum Glück war das Telefonat schnell vorbei - wir sollen erstmal alles übernehmen und die Kosten werden uns im Nachhinein zu 100% zurück erstattet.
Auch die Versorgung ging sehr schnell. Nach etwa 25 Minuten, zwei Spritzen, viel Desinfiziermittel und ein paar kleinen Gesprächen mit den Ärzten, waren wir schon wieder draußen und konnten noch kurz zu McDonald's fahren um ein paar Chicken Nuggets zu kaufen - welche im übrigen genauso schmecken wie zu Hause. McDonald's war natürlich nur unsere Wahl, weil wir um diese Uhrzeit sonst nichts mehr so schnell bekommen hätten ;-)

Fazit der ersten Erfahrung - Das internationale Krankenhaus hat sich, bis auf die Tatsache, dass man die Behandlung erstmal selbst und vor Ort zahlen muss, kaum von dem unterschieden, was wir kennen. Es war auf den ersten Blick gut ausgestattet und die Ärzte machten den Anschein, als wüssten sie genau, was sie tun.

Nach ein paar Tagen auf Sumba hat sich Freddy ein wenig schwach gefühlt und sich hingelegt. Als wir ihn zum Essen holen wollten war es schon dunkel. Anna und ich hatten ihn geweckt und zu dritt waren wir jetzt auf dem Weg zum Essensraum. Aus dem Augenwinkel sah ich nur, dass Freddy plötzlich abgetaucht war. Es sah ein bisschen aus wie im Film, wenn einer der Schauspieler plötzlich durch eine Falltür auf geradem Wege hinunter fällt. Bloß, dass es in der Situation nicht so witzig war - Freddy hatte das Gleichgewicht verloren und war in den Tiefergelegten Bereich neben ihm gefallen, der normalerweise vermutlich zum abfließen vom Regenwasser da ist.
Also sind wir ins Krankenhaus gefahren. Freddy wurde in die Notaufnahme aufgenommen und verschwand mit Pater Dandy für etwa eine halbe Stunde. Wir warteten draußen. Wie es in der Notaufnahme aussieht, durfte ich erst ein paar Wochen später erfahren. Der Bereich in dem man wartet ist überdacht, aber offen nach außen und eindeutig nicht für Menschen über 1,80m ausgelegt, da die Sitze viel zu tief liegen.
Freddy wurde eine "Pharyngitis" diagnostiziert - also eine Rachenentzündung. Danach wurden ihm noch Vitamin- und Kopfschmerztabeletten mitgegeben.
Eine Woche dauerte es, bis Freddy wieder gesund war.
Etwa drei Wochen dauerte es, bis ich dran war. Nach unserer letzten Indonesisch Stunde fühlte ich mich müde und sehr schwach, weshalb ich mich in mein Bett ging um mich auszuschlafen. Als ich aufgewacht bin, hatte ich Fieber und Kopfschmerzen. In den nächsten Tagen wurde es schlimmer, so, dass nach zwei Tagen auch ins Krankenhaus gefahren wurde. Beim Krankenhaus angekommen musste ich zuerst meine persönlichen Daten angeben um danach in die Notaufnahme zu kommen. Die Notaufnahme ist ein mittelgroßer Raum, der extrem heruntergekühlt ist. Es stehen dort vier betten, die alle etwa so groß sind, dass mein Kopf entweder vorne über hängt, oder meine Füße die Stange berühren, an der man das Bett anschieben kann. Sichtlich abgetrennt sind die Betten mit Vorhängen. Hauptsächlich sind in der Notaufnahme Ärzte im weißen Kittel, die aber meistens nur indonesisch sprechen.
Ich erklärte also meine Symptome und wurde zum Bluttest geschickt. Ich dachte erst, dass es ein allgemeiner Bluttest für alle möglichen Krankheiten ist. Umso verwunderter war ich, als bei der Diagnose nichts heraus kam. Mit Vitamin- und Kopfschmerztabletten (oha, ein déjà-vu!) wurde ich also nach Hause geschickt.
Später habe ich erfahren, dass dieser erste Bluttest nur Malaria nachweisen konnte.
Als es mir am nächsten Tag noch schlechter ging, sind wir nochmal ins Krankenhaus gefahren. Diesmal war aber ein Arzt da, der ziemlich gut Englisch konnte. Nachdem ich ihm noch einmal meine Symptome erklärte und er mir noch ein paar Fragen stellte, wurde mir gesagt, dass ich jetzt erstmal im Krankenhaus bleibe. Allerdings dauerte es ein wenig, bis ich in mein Zimmer gebracht wurde. Die zuerst als angenehm empfundene Kälte des Raums wurde mit der Zeit immer unangenehmer. Nach einer Stunde wurde ich dann schließlich (im Rollstuhl) auf mein Zimmer gebracht. Das Zimmer bestand aus einem Bett, einem kleinen Fernseher, zwei Plastikstühlen für Gäste, einem Nachtkästchen und einem Waschbecken. Außerdem hatte ich noch ein Bad dabei, welches dem ähnlich war, das ich schon aus meinem eigenen Zimmer kannte. Wie ich später auf der Rechnung vom Krankenhaus lesen konnte, hatte ich ein VIP-Zimmer. Üblicherweise gibt es Mehrbettzimmer.
Es folgten zwei Bluttests und am Nachmittag die erste Diagnose, Dengue Fieber. Allerdings war man sich nicht zu hundert Prozent sicher, weshalb man noch eine zweite Blutprobe entnahm. Die nächsten Tage waren immer ähnlich. Man bekommt Reis und Gemüse zum Frühstück, meistens noch mit einem kleinen Special, zum Beispiel einem Stück Huhn oder einer frittierten Banane. Danach kommen irgendwann Schwester ins Zimmer und fragen einen die üblichen Fragen, ob man heute schon auf Toilette war, ob man sich übergeben musste etc...
Abwechselnd war auch immer ein Kind aus dem Asrama im Zimmer. Mittags und Abends gab es immer ähnliches Essen wie zum Frühstück. Nachmittags hat man immer noch etwas kleines süßes bekommen und einen Tee.
Ich wurde auch immer gefragt, ob ich duschen möchte. Habe ich die Frage mit ja beantwortet, hat mir ein paar Minuten später eine Schwester einen Eimer mit heißem Wasser vorbei gebracht, weil das Wasser im Becken ja eiskalt ist.
Ansonsten war viel wie zu Hause - man schläft viel, isst wenig und fühlt sich schlecht. Es gibt feste Besuchszeiten, die auch gerne von den Patres, den Jungs und Mädchen aus beiden Asramas, sowie Anja, Anna und Freddy genutzt wurden (auch wenn ich das nicht immer zu hundert Prozent mitbekommen habe).
Der letzte Unterschied besteht auch hier wieder darin, dass man am Ende selbst bezahlen muss und das Ganze dann mit der Krankenversicherung selbst abrechnen muss (insofern man eine hat). Ein Aufenthalt von drei Nächten hat mich etwa 190 Euro gekostet. Um den Preis hätte man im Krankenhaus in Bali wahrscheinlich gerade mal eine halbe Nacht bleiben können.
Vor dem entlassen durfte ich dann noch ganz viele Fotos mit den Ärzten und Schwestern machen, aber das sind wir mittlerweile gewohnt.
Zusammengefasst war es eine interessante Erfahrung. Vor allem die Gespräche waren lustig, weil mein Indonesisch noch nicht so gut war. Aber irgendwie konnte man sich immer verständigen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass man deutliche Unterschiede zwischen den Krankenhäusern feststellen kann. Während es sich auf Bali um gut ausgestattete, moderne, aber auch teure, Krankenhäuser mit vielen Geräten handelt, ist es in Waingapu eher so, dass man relativ gut ausgebildete Ärzte bekommt, die aber in Räumlichkeiten arbeiten, die bei uns nicht die Bezeichnung "Krankenhaus" bekommen würden. Die super tollen, teuren Geräte hat das Krankenhaus in Waingapu auch nicht zur Verfügung. Gesund wurde ich trotzdem - und darum geht es ja.

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