Samstag, 12. Dezember 2015

Pramuka - eine Nacht im Wald


>Mana suaruMu?<
>Ini suaraKu!<

>Mana semangatMu?<
>Ini semangatKu!<

(wo ist deine Stimme? hier ist meine Stimme
wo ist deine Motivation? hier ist meine Motivation)

Campen mit den Pfadfindern, oder eher campen mit der Militärjugend.
Anna und ich sind recht spontan mit ein paar Mädels aus dem Asrama mitgefahren zum Campen. Am Abend davor haben wir dann auch mal mitbekommen, dass es die Pramuka sind - zu Deutsch Pfadfinder.
Wir bekamen ein Halstuch und eine Pfeife und versuchten unsere Rucksäcke fachgerecht zu packen. Was man alles braucht für eine Nacht, hat mich dann doch etwas überascht.

7:30 Treffpunkt bei der Schule. Alle in Uniform zu sehen, war ziemlich cool.  Anna und ich haben unsere eigene Uniform kreiirt mit unseren RVM Polos, sah ziemlich schick aus. Nach einem etwas unorganiserten Anfang, wie es sich für jede Schulaktion gehört, ging es los. Alle Kinder, ungefähr 40, kamen mit dem Gepäck auf einen Truck und los ging es.
Besonderheit des Pramukas - alle nenne sich gegenseitig Kaka - großer Bruder /Schwester- egal wie alt.
Alleine dafür liebe ich Indonesien. Fahren hald mal alle Leute auf der Ladefläche irgendwo hin und wenn man weit oben ist... ist das Gefühl um so besser. Man muss sich nur vor den Bäumen in Acht nehmen.








Schon bald verließen wir die Hauptstraßen und kamen auf die kleineren Straßen, die dementsprechend gut im Stande waren. Hügel hinauf und wieder hinunter, viele Kurven und wir waren sozusagen in den Bergen. Wunderschön. Ich habe so Lust auf Wandern!
Wenn ich zurück in Österreich bin, will ich das unbedingt wieder machen.

Nach der Ankunft hieß es Zelte bauen. Faszinierend haha. Zuerst wird der Waldboden gefegt, mit großen Palmenblättern und ähnlichem, und im Anschluss die Bambusstämme im Boden versenkt. Viel zu cool. Mit Seilen und Planen wurde dann das Zauberwerk vollendet.

Simpel aber es braucht auch seine Zeit und ich habe mich wieder einmal gewundert, wieso man nur eine Nacht weg fährt. Für eine Zweite Nacht, hätte man ja nicht mehr viel tun müssen, außer mehr Essen mitnehmen.


Nach einem Mittagessen, welches jeder Zelt für sich alleine auf den Gasherden und am Waldboden kochte, war es Zeit für Bandera Upacara - Flaggen hissen.
In Reih und Glied stehen, zum Mast tänzeln und zeremionel die rot- weiße Fahne hissen.
Als dann ein neuer Kaka ankam, wurde natürlich als erstes Mal das Willkommenslied geträllert.
Da kommt der Hauch von Militärjugend schon ganz gut durch.
Nach dem alle in der Hitze der Sonne zerflossen sind ging es ans lernen von Sandi-Sandi, chiffrierten Sprachen. Wird wirklich Zeit, dass ich das Morsealphabet mal lerne.
Beim Flaggentanz, also das Flaggenalphabet, habe ich ausgesetzt und einen Kaffee genossen. Mittagspause gibt es hier nämlich nicht.

Mit Knotenübungen und  Minispielen - zB möglichst schnell die Pancasila - Staatsgrundlage von Indonesien- aufschreiben- die recht simpel waren, aber die Kinder trotzdem ganz schön herausforderten, wurde dann der Nachmittag beendet.
Im Anschluss war ich unten am Fluss mandi.
Am Abend wurde ein Hexenfeuer vorbereitet und zuerst natürlich geübt mit welcher Zeremonie es dann angezündet wird. Das hat sich über eine Stunde hingezogen, auch weil dann noch mehr Kakas kommen sind, die dann noch Verbesserungen vorgeschlagen haben.


Aber dann... das Feuer. Das war der Hammer. Rießig groß, ist aber schnell in sich zusammen gefallen.
Wie echte Pfadfinder das so tun wurde dann auch noch Spiritus ins Feuer gehaut, ein Traum.
Der Abend wurde mit einer Besinnungsrunde beendet, wo zuerst Texte über den Wert der Mutter, des Vaters und von Lehrern gelesen wurde. Das hat die Kinder tief berührt, einige haben sogar geweint. Ich konnte es nicht ganz nachvollziehen, vielleicht weil ich einfach keine Probleme mit meinen Eltern habe. Aber hier trotzdem nochmal: Ihr seits tolle Eltern!
Anna meinte dann, dass die Kinder vielleicht keine Eltern mehr haben. Danach gab es noch eine Bibelstelle. Spät am Abend den Indonesischen Texten aus der Bibel zu folgen... ist eine echte Herausforderung, die ich hier nicht gemeistert habe. Hatte schon Mühe und Not nicht einzuschlafen.

Das Schlafen war kuschelig. Hatte meinen Hüttenschlafsack und dicke Socken.

Dann geht eine Sirene los.
Und ein Kaka läuft herum und faucht in jedes Zelt, dass wir schneller machen sollen. Was für ein traumhaftes Aufstehen.
Zuerst mal in Linien und nach Gruppen sortiert sammeln und durchzählen.
Es war noch echt finster und irgendwann, als zu wenig Leute gezählt wurden, dämmerte es mir. Es ist noch gar nicht 5:00 und Zeit zum Aufstehen. Es ist mitten in der Nacht und ein Kind ist verschwunden.
Zunächst wurde mal gesucht. Die Mädchen dürfen natürlich nur in 7 er Gruppen rum gehen, damit ja nichts passiert. Als der Junge nicht auf Anhieb entdeckt wurde, gab es einen Bet Kreis.
Die Oberkakas suchten derweil die Straße ab.
Nach einiger Zeit wurden wir dann wieder in die Zelte geschickt, mit der Info, dass wenn er morgen früh nicht da ist, wir frühzeitig heim fahren werden.
Dort hieß es für mich erst Mal trösten. Ein Mädchen hat das alles zutiefst verstört und wollte kaum aufhören zu weinen.
Ab jetzt darf kein Kind mehr alleine weg gehen und muss sich immer abmelden, wenn es den Zeltplatz verlässt.

Tag 2
5:00
Morgensport. Der Junge ist wieder da. Und bis jetzt habe ich noch nicht ganz verstanden wo er war. Anna meint er ist schlafgewandelt. Was weiß ich, nur gut das er wieder da ist.
Heute ist der große Haiking Tag hihi endlich wandern. Und Erzählungen zu folge im Dreck rum kriechen.
Nach dem Frühstück ging es in die schon vertrauten Reihen und wir wurden mal ein bisschen eingestimmt.

>Mana suaruMu?<
>Ini suaraKu!<

>Mana semangatMu?<
>Ini semangatKu!<

Mit geschlossenen Augen bekamen wir dann auch noch Kriegsbemalung. Nom nom. Ein bisschen Dreck im Gesicht. Wer mag das nicht.

Dann ging es in den Gruppen los.
Beim Haiking mussten alle gestern erlernten Fähigkeiten, nochmal angewendet werden.
Es ging los mit dem Flaggenalphabet und danach bekamen wir verschhlüsselte Botschaften. Vorwärts ging es dann den Pfeilen nach. Wobei wir prompt falsch gelaufen sind. Aber die Oberkakas waren ja immer da um uns in friedlich sanften Tonfall darauf aufmerksam zu machen.
Dann kamen wir an einen Bach, der in einem Kanal geführt wurde und brav wie wir sind gingen wir den Pfeilen nach.

Aaaaber wieder falsch. Wir müssen nämlich zuerst durch den Tunnel kriechen, der den Bachunter der Straße durchführt und dann am Bauch den Kanal entlang robben. Kein Ding mach ich. Meine Gruppe hat sich dabei ein paar schöne Aufschürfungen zu gezogen, was für die wohl eine extrem schlimme Wunde darstellt. Jedenfalls kamen die alle heulend bei der nächsten Station an. Dort galt es sich einen Lutscher zu teilen - nom nom, Speichelaustausch- und die Mädels bekamen Kraut für ihre Wunden.
Nachdem wir ein schönes Wanderlied vorgetragen hatten ging es weiter. Diesmal durch ein schlammiges Bachbett. Die Oberkakas haben da immer schön Äste und Seile gespannt, damit man ja weit unten kriechen muss.
Dafür waren sie sich auch nicht zu schade es uns vorzuzeigen das fand ich sehr positiv.
Vorm Aufstehen, gab es dann noch eine Dosis Schlamm für jeden, damit wir ein bisschen brauner aussehen. Weiter gehts über Nassreisfelder zu einem Fluss. Erst Mal den Schlamm vom Körper waschen, das Gesicht wurde uns verboten.
Immer weiter kamen wir dann zur nächsten Station. Abseilen ins Wasser und endlich Gesicht waschen. Traumhaft. An der Stelle im Fluss kann man sogar ein bisschen Schwimmen.
Die nächste Hürde stellte ein Seil dar, welches über den Fluss gespannt wurde. Das meine Mädels es da nicht rüber geschafft haben, hat mich jetzt nicht sooo überrascht.
Aber ich war dann schon sehr zufrieden, dass ich es rüber geschafft habe. Meine Arme geben mir heute auch noch ein Andenken daran. An meiner Technik muss ich noch etwas arbeiten.

Die Pfeile führten uns zurück zum Zeltplatz, bzw in die Nähe davon.
Und dort wartete der schönste Schlamm auf uns.
Das war schon eine kleine Überwindung. Weil es ja überhaupt nicht notwendig war, da durch zu kriechen. >So viel zur Tussi - Lukas. Tussenfaktor -100.< und ab ging es ins Schlammbad. Das hat so lecker gerochen hihi. Im Anschluss noch eine Schlammdusche, das Gesicht schön mit Schlamm einschmieren und auf die anderen Gruppen warten.
Nach dem dann alle im Schlamm gelandet waren, auch die Oberkakas und eine Schlammschlacht eröffnet wurde, liefen 50 Dreckspatzen dann zum Fluss.

Um das Gefühl von Sauberkeit wieder zu erlangen.
Meine Schuhe sind jetzt auch einmal gewaschen worden.
Herrlich. Schwimmen wie eh und je in Tshirt und Hose, aber langsam gewöhne ich mich daran.

Danach wurde auch noch mit dem Gartenschlauch nachgeholfen und Seife zur Hilfe genommen.
Sauber sein. Ach wie herrlich.

Das Zeltabbauen ging ziemlich schnell und die meiste Zeit brauchte die Zeremonie um die Flagge wieder hinunter zu holen.
So spannend. So toll. So viel Liebe für das Vaterland.

Im geliebten Truck und langen Tshirt - die Sonne hier ist einfach zu stark - ging es dann zurück. Wenn man nicht auf der Railing sitzt, ist das Truck fahren aber nur halb so cool.
Ziemlich müde kamen wir wieder bei der Schule an.
16:00 alle Sachen abladen und sich verabschieden.
Jetzt weiß ich wieso das nur eine Nacht ist.
Zwei Nächte mit den Mengen an Schlaf wäre dann doch etwas viel.

Die ganze Aktion war mega fein. Ob ich meine Kinder hierher schicken würde ist allerdings eine andere Frage. 



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