Dienstag, 10. November 2015

der Alltag


die Haus und Hofkirche
Kann man nach weniger als 70 Tagen von Alltag sprechen? Ich weiß es nicht, aber inzwischen habe ich mich schon gut eingelebt. Da ich von einigen Seiten gehört habe, dass mein Leben hier eher nach einem Abenteuerurlaub als nach Arbeit klingt, will ich mal versuchen, das alles in das rechte Licht zu rücken.

Benedict hat vor langer langer Zeit unseren vorläufigen Tagesablauf gepostet, der für das Pada Dita gültig ist.
Für Anna und mich schaut der Tag etwas anders aus.






























Inzwischen unterrichten wir ja schon - seit über einem Monat - regelmäßig. Für mich geht es an 5 Tagen die Woche an die SMA (10-12.Klasse) und an einem Tag an die SD Anda Luri (1.-6.Klasse). Die Schule beginnt hier um 7:30 Uhr und an vier Tagen die Woche ist davor noch um 6 Uhr eine Morgenmesse in der Kirche von Wara. Dementsprechend fängt der Tag früh an, aber immer mit der Sonne.

Ich bin erst einmal im Finsteren aufgestanden und das war zum lari pagi letzen Sonntag. Aber das ist eine andere Geschichte.

In der Schule hat jeder von uns anderes Programm, Benedict ist Vollzeit in der SMP, Fred 3 Tage an der SMP und 3 Tage an der SD Pada Dita und Anna an 4 Tagen an der SD Anda Luri und 2 Tage an der SMP. 

Von der SMP weiß ich daher fast so viel wie ihr... nur aus Erzählungen.

Lehrerzimmer und Direktorat in der Aula
In den ersten Wochen war ich meistens noch mit Lehrern mit im Unterricht und habe die Teile, wo es um Aussprache ging, übernommen - jetzt bin ich schon oft alleine in der Klasse. In der Zeit verbessern die Lehrer dann Hausaufgaben, erholen sich kurz oder erledigen etwas. Natürlich bin ich auch alleine in der Klasse, wenn ein Lehrer nicht in die Schule kommen kann, was auch immer wieder passiert.
An der SMA sind die Schüler - noch- hocherfreut, wenn sie sehen, dass ich komme.
Ich bemühe mich, im Unterricht eine Balance zu finden zwischen dem, was unterrichtet werden muss, dem, was die Lehrer wollen und dem, was für die Kinder wirklich interessant ist.
Es ist aber wirklich schwer, auf die Aussprache zu achten, wenn vor einem eine 40-Kind starke Klasse sitzt.
Da habe ich noch nicht die ideale Lösung gefunden - Ideen werden gerne angenommen.
typisches Klassenzimmer
Noch dazu sind auch die Arbeitsmaterialien sehr begrenzt. Die meisten Kinder haben einen, vielleicht zwei Stifte und genug Schulhefte für eine Armee, aber das war es dann auch schon - von TipEx abgesehen.
Blumenpracht




Basketballfeld - am Nachmittag ist die Schule offen für die Schüler
























Die SMA ist wirklich schön, es gibt überall Sitzplätze und einen Haufen Pflanzen, die regelmäßig gegossen werden und dadurch grün strahlen. Außerdem ist sie für mein Verständnis groß und hat sogar im hinteren Teil ein Basketballfeld. Das ist aber zurzeit leider eher eine Schotterpiste.

Nach dem Unterricht gibt es jeden Tag noch eine Evualiasi mit den Lehrern. Probleme und Projekte werden besprochen und dann geht es nach Hause.
Mein Schulweg ist wirklich lang.
Durch endlose Gänge... und schon bin ich da. Herrlich.
die SMA von vorne, links gehts direkt zur SMP

















Die SD ist da schon deutlich weiter entfernt... da brauche ich dann doch 7 Minuten hin - hauptsächlich weil ich zwei Straßen überqueren muss. Die wird grade etwas hergerichtet und die Klassen sind sehr unterschiedlich.
Es gibt zum Beispiel eine Klasse, die nur durch Holzbrettern von der anderen getrennt ist, aber auch eine, die so sauber ist, dass man die Schuhe vorher ausziehen muss.
Dort zu unterrichten, ist gleich ganz anders als an der SMA. Da muss man die Kinder auch noch richtig motivieren, damit sie die Wörter von der Tafel 'abzeichnen'.



Schulbücherei und Lehrerzimmer an der S

7 Stunden lang zu unterrichten ist ganz schön anstrengend und nach dem Mittagessen ist dann etwas Zeit um auszuruhen. In der Zeit bis vier Uhr können Anna und ich tun was wir wollen, Schlafen, Entspannen, Zimmer putzen, Wäsche waschen, Sport betreiben, Dinge besorgen, lernen, Unterricht vorbereiten oder Hausaufgaben verbessern. Danach ist Arbeitszeit im Asrama, wo die Kochgruppen anfangen zu kochen, die anderen das Asrama putzen oder Laub zusammen fegen.







unsere Mädels - in der Kirche








Seit dieser Woche ist um 17:30 immer ein Englisch-Kurs im Asput, den Anna und ich zusammen veranstalten. In Kleingruppen gehts darum, Gelerntes zu wiederholen, zu festigen uuuund - ganz wichtig- Sprechen zu üben. Da sind die Kinder noch echt unsicher, aber im Laufe des Kurses tauen sie meistens auf und trauen sich dann mehr. Ist ein ziemlich cooles Gefühl, vor allem fragen sie dann auch immer, ob es nicht noch länger geht.
Im Anschluss ist dann das Abendessen, welches von der Lernzeit gefolgt wird.

Meistens können wir uns vor Freizeit also kaum retten ;)
Ach ja und Mittwoch... da wird das alles über den Haufen geworfen. Da spielen Anna und ich Badminton.


4 Kommentare:

  1. Wir könnten Material für euch sammeln. Was braucht ihr für die Kids? Buntstifte, Zeichenblöcke, You and Me, ..... Ich mach mich mal schlau, wie man so eine Spendenladung am günstigsten schickt. Vielleicht finden sich ja Spender. Lg Ulli

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  2. Und außerdem: Danke für die ausführlichen Berichte. Ich freue mich immer wieder über Neuigkeiten von euch. Jetzt kann ja wohl keiner mehr von Urlaub sprechen.

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  3. Brauchen... You and me wäre sicher lustig. Weil da ja auch Geschichten erzählt werden, damit das Lernen interessanter ist.

    Ansonsten bekommt man eigentlich alles hier, da ist es günstiger vor Ort Dinge zu besorgen, als die um die halbe Welt zu schicken.

    Gerne gerne, ist eh viel zu selten.

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  4. Soeben erst entdeckt! Klingt anstrengend. Ich mag Schulen (aber nur von außen!!! ):
    Insgesamt: Hut ab Anja, dass du (im Wohlstand aufgewachsen) dich freiwillig und so lange in so ein einfaches Leben (Wäsche von Hand waschen,.....) begeben hast.

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