Sonntag, 22. Mai 2016

So dies und das seit Kupang


Sobald wir unser Visum in Kupang sicher verlängert hatten, machten wir uns gleich am nächsten Morgen auf den Rückweg, ein letztes Mal das fantastische Hotel mit dekadentem Frühstück und Pool genossen. Diesmal natürlich mit dem Flugzeug. Der Vergleich 30 h mit der Fähre vs. 40 min mit dem Flugzeug hat uns letztendlich überzeugt.

Angekommen in Waingapu konnten wir uns dann langsam wieder in den Schulalltag einleben. Also nachdem erstmal ein paar Feiertage das Wochenende (also den Sonntag) ordentlich lang gezogen hatten... So ein bisschen Erholung nach dem anstrengenden Kupangaufenthalt sollte uns ja auch gegönnt sein.

In der SMA stand schließlich die Zeugnisverleihung für die Abschlussklasse an – das ganze war eher unspektakulär, besonders wenn man sich daran erinnert, was sie hier sonst für einen Aufwand bei Festen betreiben. Die Fächerbesten wurden immer zuerst aufgerufen, dann folgten die anderen, immer alle im Gänsemarsch an den Lehrern vorbei, eine kleine Verbeugung und die Hand des Lehrers wird zum Kopf geführt. Dann ging es mit dem DINA5 Comic Sans Druck, wo das in der Zeile „bestanden/ nicht bestanden“ das entsprechende mit einem Filzstift professionell durchgestrichen wurde, zurück auf den Sitzplatz.

Bei uns im AsPut wurden die Kinder der Abschlussklasse dann mit einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedet, tränenreich & bewegend. Es haben übrigens alle bestanden, und wir wünschen ihnen alles Gute für ihren weiteren Lebensweg!
Im Pada Dita wurde das ganze ein bisschen dicker aufgefahren, freitagsabends wurde eine große Feier organisiert, inklusive Ansprachen, musikalischen Beiträgen und gemeinsamen Essen für alle Gäste. Das ganze Programm hat sich aber in allen Bahnen hingezogen, sodass die Gäste ihnen fast verhungert wären.. Und bei ihnen wurde auch keine Träne vergossen.. Jungs halt

Kinder der 12. Klasse im Asput + Pak Benny

Jetzt sind die Asramen endgültig ein bisschen leerer, was die Kinder angeht, und alle können sich in Ruhe auf die anstehenden Abschlussprüfungen vorbereiten. Für die SMP und SD standen die Prüfungen der letzten Stufe schon früher vor der Tür, bei mir an der SD wurde die Klausurwoche durch einen feierlichen 3 Stunden-Gottesdienst eingeleitet, wo die gesammten Kinder der Schule in einem Doppelklassenzimmer eingepfercht das Eintreffen des Paters abgewartet haben und dabei ein gratis Saunafeeling erleben konnten..

Während die Kinder geduldig drinnen der Messe folgen...


... gönnen sich die Lehrer den kühlen Sitzplatz vor der Tür



Ganz innovativ gibts sogar einige kleine Videos, um die Predigt aufzulockern
  

Sonntagsmorgens bietet sich immer die Gelegenheit, morgens gegen 5 laufen zu gehen. Man muss nur aufpassen, dass man die Willkür der Regenzeit nicht aus den Augen verliert. Eigentlich sollte die Regenzeit seit Ostern schon längst vorbei sein, aber letzen Sonntag hatte ich wirklich das Gefühl, sie fängt grade erst richtig an. Nass bis auf die Knochen kam ich um 7 wieder zurück am Asrama an, bereit, mit einem Pater auf eine etwas entferntere Station zum Pfingstgottesdienst zu fahren. Auf dem Weg dorthin hats natürlich auch nochmal so richtig schön geschüttet. Der Pater, der für 7 Jahre in Deutschland gelebt hatte, trug selbstverständlich eine Regenjacke (knallrot, Addidas, gekauft in Deutschland, made in Indonesia..). Ich natürlich nicht, man muss sich ja anpassen. Dort angekommen war dann natürlich auch noch keiner da, wer geht bei diesem Regen auch freiwillig vor die Tür?  Nach 2 Stunden Wartezeit konnten wir dann schließlich anfangen, mit insgesammt 6 Erwachsenen und 6 Kindern war es auch zum Glück nicht so ein riesen Ding und wir konnten schnell wieder zurückfahren. Ich bin dort nämlich fast gestorben. Und zwar, kein Witz, an Unterkühlung – und das in Indonesien. Ob ich in Deutschland jemals so gefroren hatte? Wahrscheinlich sind wir hier durch die dauer 30 Grad Außentemperatur einfach nichts mehr gewohnt. Oder ich hab einen Hang zur Dramatik entwickelt..

Der Hafen im Regen - normalerweise voller Leute.

Nach der Messe gings direkt im Anschluss – auch hier hats wieder geregnet – zur Geburtstagsfeier eines Kindes der SMA. Wenn hier Kinder Geburtstag feiern - sollte es mal vorkommen - werden lustigerweise auch  Lehrer und sonstige Leute wie Verwandte, Nachbarn und Ausländer eingeladen. Ist so ein Imageding. Und die Leute letztens konnten echt was vorzeigen, es war eine stinkreiche chinesische Familie, die sich grade eine Villa am Strand gebaut hatte, wo vom Strohdach über Fußduschen bis zum Apple-Logo an der Klotüre jedes Detail passt. 
Zum Glück kam dann auch langsam die Sonne heraus und der Eisklumpen Anna konnte endlich auftauen. Sonst hat die Feier natürlich alle Indo-Fest Klischees erfüllt: Ein Haufen Leute, die wir noch nie gesehen haben, ein großes Buffet, wo wir die Strandardgerichte inzwischen im Schlaf aufzählen könnten, ein dicker Geburtstagskuchen, der komischerweise nie wirklich gegessen wird und zum Schluss der lustigen Ansprachen Tanzgelegenheit bei fetziger Musik (mehr oder weniger..). Echt toll war aber, dass der Strand direkt vor der Türe lag und man so nicht die ganze Zeit den selfieverliebten Chinesen ausgeliefert war, sondern ein bisschen spazieren gehen konnte.

Kaum angekommen, schon foto, foto..
Grüße vom Strand an Österreich

Happy Birthday.. Der Kuchen wurde bis zum Ende nicht gegessen


Innerhalb der nächsten Tage wurde unser Standardprogramm neben der Schule von Hausaufgabenhilfe, Badminton spielen und Asramaarbeit noch durch einen Besuch bei den Pfadfinden unterbrochen. Sowohl an der SMP als auch an der SMA finden regelmäßig Aktionen der Pfadfinder statt – für uns immer eine tolle Gelegenheit, was neues zu sehen und das Leben hier von einer anderen Seite kennenzulernen. Diese Woche waren sie im nahe gelgegenen Kambajawa campen. Hier bekommt man einen kleinen Einblick.. https://www.youtube.com/watch?v=lxRwGZJlpW4

sieht zwar kein aus, war aber ganz schön hoch und wackelig

Vor kurzem traf ja auch Anjas Vater hier auf Sumba ein und folgte von nun an brav dem Programm, das Anja und ich hier in unserem Alltag auch so erleben. Von den Abschlussfesten, Geburtstagsfeiern, Gottesdiensten über die Schule bis zum Badminton konnte er hautnah das Leben auf Sumba genießen. Abends haben wir ihm die Spezialitäten der indonesischen Küchen nahegebracht, was auch für Anja und mich nicht schlecht war: Wir haben seit Ewigkeiten mal wieder Roti Bakar essen können – einfach köstlich hmmm... 
Und um ihm die besten Orte in Waingapu zu zeigen, haben wir auch keine Gelegenheit ausgelassen, sodass sogar einmal ein Ausblick über die Stadt eine dreistündige Wanderung durch die Mittags-bzw. Nachmittagssonne gefordert hat. Hat sich aber gelohnt, manchmal ist ja auch der Weg einfach das Ziel.

Auf dem Weg sahen wir eine Frau, die grade Stroff nach Sabu-Art webt
Das Ziel: Der Ausblick auf Waingapu

Jetzt ist Anja mit ihrem Vater nach Waitabula gefahren und hat mich natürlich kaltherzig zurückgelassen.. Nein, Quatsch, ich dachte mir einfach, lass die beiden mal zusammen fahren, dann kann ich wenigstens mal wieder unterrichten. Das ist irgendwie durch die ganze Klausurphasen, Feiertage, Arbeit in Waitabula und Visumsreise ein bisschen untergegangen und die Kinder in meinen Klassen waren schon der Überzeugung, ich sei still und heimlich nach Deutschland zurückgekehrt.
Auch die Asramakinder sollen nicht das Gefühl behalten, Anja und ich seien immer nur auf der Durchreise mal im Asrama. Dass jetzt nur einer von uns da ist, merken sie eh nicht, da uns bis jetzt fast noch keiner wirklich auseinanderhalten kann.. So konnte ich die letzen Tage gemütlich Wäsche waschen, mit den Kindern kochen, brav zur Schule gehen und hab sogar im Chor des Asramas mitgesungen. Mehr oder weniger richtig, aber dabei sein ist ja alles..

Ana, Anya, Anja, Anna.. wer ist denn nun wer? Echt schwer
Heute, am Sonntag hab ich die anjafreie Zeit noch ein letztes Mal genossen, war Laufen, Badminton spielen, hab Schokoeis hergestellt (liebe Anja hehe) und einen Barbiefilm mit den Kindern geguckt (wollte ich schon immer mal machen). Nein, ich freu mich natürlich, dass du morgen wiederkommst, Anja – ob Pater Lino jedoch was von dem Eis für dich übrig lassen wird, kann ich nicht garantieren.. Unser süßer Lieblingspater ist nämlich grade ganz im Schokoeisrausch ;)

Badminton im Gor Jemmy
das Asput lernt den Klassiker kennen - gespielt wird nach deutschen Regeln

Pulang gereja.. Da muss natürlich erstmal ein Selfie her

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen