Montag, 2. Mai 2016

Feri...tale - ein Reisemärchen

Es waren einmal, vor ca zwei Wochen, zwei Mädchen, die nach Waitabula fuhren um dort zu arbeiten. Über alles weitere hört ihr demnächst mal von Anna.
Bei mir geht es aber heute um unser Feri - tale.
Es ist wieder soweit. Beinahe 60 Tage sind seit unserem Thailand Trip wieder vergangen, das bedeutet wir müssen nach Kupang.
Kurz am Rande: Wir waren vor 6 Monaten schon einmal in Kupang, und in dieser tollen Stadt... müssen wir unser Visum verlängern.
Kupang ist die Provinzhauptstadt von NTT und liegt auf der Insel Timor. (Auf der Insel ist auch Timor- Leste, dass ein paar von euch schon mal gehört haben.)
Nun sind wir gestern Abend, frisch geduscht mit frisch umgepackten Rucksack aufgebrochen. Zunächst galt es den kleinen Fred zu finden. Der war nämlich leider verloren gegangen. Der Gute hat nämlich keine aktive SIM Karte und ist deshalb schwer zu erreichen.
Hat alles geklappt und so sind wir um 20:30 weg von dort.
Wir vier kauften uns Tickets für die Fähre und dann ging's los.
Vor zwei Wochen hatte ich die Fähre schon einmal ausgekundschaftet und zielstrebig gingen wir auf das oberdeck. Obwohl wir drei Stunden vor Abfahrt dort waren, waren die betten schon gut gefüllt.
Oben mit Freiluft fingen wir an Karten zu spielen und waren ziemlich alleine.
Wir hatten die Idee, dass die Indonesier vielleicht Angst haben, weil die meisten nicht schwimmen können.
Kurz nach Mitternacht legten wir dann ab. Meine erste lange Seereise. Auf geht's.
Ein zwei andere verirrten sich dann doch noch hinauf, aber wir legten uns bald auf die Holzbänke und schliefen eine Runde. Mit Windrauschen und Motorengeräusche der Fähre.
Im Stundentakt sah ich auf die Uhr und den Nachthimmel und dann... plötzlich waren da Farben.
Und jede Müdigkeit war vergessen als ich die Sonne hinter dem Berg aufgehen sah.
Wieder einmal habe ich einen dieser Momente erlebt, die ab jetzt in meiner Schatzkiste sind. Einer von den Momenten, für die ich überhaupt reisen will.

Mit der Sonne wurde es langsam auch wärmer und wir legten das erste Mal an (Aimere - Flores). 

Für einen kurzen Essens und Getränke Nachschub gingen Anna und ich kurz von der Fähre hinunter und fanden uns mitten im Getümmel wieder.
Mit 8 Portionen reis, 9 Liter Wasser und 18 Bananen ging es zurück auf die Fähre.
Dort wurde dann mit der Crew Freundschaft geschlossen und erst mal eine Tasse Kaffee getrunken. 
Dabei fiel uns auch auf, dass wir gestern durch die Privatquartiere spaziert waren, ohne es zu wissen (fettes Schild Crew only ist uns irgendwie entgangen), weil ich letztes mal auch so geführt worden war.
Damit fertig war auf einmal das gesamte Oberdeck voll. Und es wurden immer mehr Leute. Unsere Theorie war anscheinend falsch gewesen.


Zusammen mit ~100 jungen Männern, die zum Polizei Aufnahmetest nach Kupang wollten, ging die Reise weiter. Und wo vorher schöne Stille war, ertönten jetzt laute Stimmen. 

Nicht lange und die Spielkarten wurden ausgepackt und... unausweichlich ein Haufen an Plastik.
Teilweise war es schwer unseren Tisch zu halten und auch das Reden wurde irgendwann anstrengend.
Mit dem Vorsatz kein Indonesisch zu sprechen, umgingen wir den unausweichlichem Andrang an Menschen. Jedoch war das für mich schwieriger als gedacht. Indonesisch liegt mir einfach schon auf der Zunge.
Anna und ich wurden dann zum Kapitän gerufen. Hihi und der Ausblick da vorne war so schön. Blau so weit das Auge reicht, sogar die Brücke ist blau gestrichen. Dort gab es mal wieder eine Plauderrunde, und so nett all diese Leute auch sind, ist es mir einfach unangenehm diese höhere Aufmerksamkeit zu bekommen nur weil ich weiß bin.
Die kleinen und großen Privilegien sind mir unangenehm, ich würde gerne einfach manchmal in der Masse verschwinden.
So auch am Nachmittag wo ein etwas angetrunkener Indonesier sich zu uns pflanzte und partout nicht gehen wollte.
Uiuiui.
Oder die Momente wo ich zur Reiling ging und die anderen reden hörte, wer sich wohl trauen würde mit mir zu sprechen.
Die Zeit schliff dahin... Und der Tag war irgendwie ewig lange. Könnte daran liegen, dass ich um 4:30 schon auf war.
Mit dem gemütlichen schlafen war es jedenfalls nichts am Nachmittag.
Mit Karten spielen, Essen, reden und lesen vertrieben wir uns die Zeit.
Der Sonnenuntergang war noch einmal ein Spektakel. Der Vorteil wenn man in den Osten fährt... die Sonne versinkt hinter einem.
Ein so tolles Bild gibt es leider nicht, dafür waren zu viele Leute, aber das Farbenspiel war beeindruckend. Die Wellen sahen eigentlich schon surrealistisch aus mit silbernen Rändern. Es sah fast unnatürlich aus, was wohl lächerlich ist. Was kann wohl natürlicher sein als die Sonne.
Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass es mit der Dunkelheit friedlicher am Deck werden würde, dem war nicht so. Inzwischen waren die Mistkübel voll und auch bevor das der Fall war, war das ganze Deck ein kleiner Müllhaufen.

Wenn man sich dann seinen Bahn zum WC einen Stock weiter unten bahnte musste man aufpassen, auf keinen draufzutreten, weil überall Leute waren oder lagen. Außerdem spürte man das Schwanken unten viel mehr.
Das kein Indonesisch reden klappte gut und manche von den jungen Herren übten sich auch mit ihrem Englisch.
Die Nerven leicht gereizt ging es irgendwann in die Nacht über. Nach einer Runde wer bin ich? (Sherlock Holmes) fing ich dann an zu schlafen. Diesmal hald zu zweit auf einer Holzbank.
Mit den vielen Leuten hatte ich dann doch etwas Angst bzgl Taschendiebstahl, zumal mir die Asrama Mädchen noch eingetrichtert haben, meine Sachen nie aus den Augen und immer vor meinem Körper zu tragen.
Fred ging es ähnlich und so war er die meiste Zeit über wach, hin und wieder lösten Anna und ich ihn ab, aber die Lust zu schlafen, war sooo groß.
Die Taschen alle gut in der Mitte von uns platziert, schliefen wir dann auch eine Zeit lang alle. Auch die meisten Mitfahrer.
Um 3 Uhr wurde es dann wieder lauter. Man sah einen Haufen Fischerboote am Meer und in weiter Ferne, aber doch, unser Ziel - Timor und die Lichter von Kupang.
Viel zu früh.
Abends zuvor hatte ich noch im Internet die Check In Zeit heraus gesucht - 14:00 - traumhaft. Also nur 8-9 Stunden die wir run schlagen müssen bis wir duschen und ausruhen können.
Um 4:30 gab es eine Durchsage chrchmchrm alle chrnchnehnrldb sich sammeln chrhsschanelrhhhhh aus der ich nicht so richtig schlau wurde, die meisten anderen aber dazu brachte aufzustehen und das Oberdeck zu verlassen.
Taco nahm das dann zur Gelegenheit mal das Hotel anzurufen und ich traf den Kapitän, der etwas enttäuscht gewesen war, dass Anna und ich nicht nochmal vorbei geschaut haben. Und er fragte wieso wir denn nicht im VIP Bereich geschlafen haben.... VIP?!?!? Haha naja der Reis ist schon Bubur geworden.
Uuuund Taco hatte Bomben Nachrichten. Wir können sofort ins Hotel.
Fred war zunächst entsetzt aufgeweckt zu werden, aber war dann mit dieser Aussicht auch willig.
So nahmen wir also unser Hab und Gut von der Müllhalde und verabschiedeten uns von den Verbleibenden.
Nächste Hürde, finde ein Taxi. Recht schnell wurden wir von einem Knilch in die Fänge gelockt, der uns durch die Menge bugsierte und uns zu einem..... Bemo (BatMobil) brachte! 
Am Rande: Bemos sind Minibusse in Transporter Form, wobei die Rückbank durch zwei Längsstreifen ersetzt wird. Außerdem sind die Fenster wild beklebt und die Musik so laut, dass einem die Ohren raus haut. Jeder kann zusteigen wann und wo auch immer und wird dann in einer Route die mit den anderen zusammen passt abgeliefert.
Das war zwar nicht ganz unser Ziel, aber nach etwas nachverhandeln ließen wir uns auf das nächste Abenteuer ein.
Während wir im dunklen saßen ging draußen die Sonne auf und nachdem wir ein paar andere Mitfahrer abgeliefert hatten, ging es dann zu unserem Hotel. Immer immer weiter. Zuerst wollten sie uns ja 4 km zu früh aussteigen lassen, aber wir kamen dann tatsächlich richtig an. Wo sie prompt mehr Geld verlangten als ausgemacht.
Die OfficeLeute kamen uns zur Hilfe und es könnte dann geklärt werden, mit 1€ Aufpreis.
So fanden wir uns, nach knapp 34 Stunden, ohne Dusche, mit Flipflops, Rucksack und Chillerhose, um 6:00 morgens vor einem richtig großen, nobel aussehenden Hotel wieder.
Und hier sind innere Werte sogar noch besser als die Äußeren.
Oh Leute... nachdem wir im voraus bezahlten, vielleicht hielten sie uns mit unserem Aussehen nicht für zahlungskräftige, waren wir endlich angekommen.
Hallo Wunderland. Hallo Regendusche und Seife. Und Hallo Bett.
( sogar ein Frühstück haben wir dazu bekommen und das war von der richtig feinen Sorte... wirklich... ohne Ironie... Mit Milchkaffee, Bubur, Santan, Toast, Gado Gado und allem was ein indonesisches Herz begehrt)
Ach ja für alle denen es noch nicht aufgefallen ist: Feri - Fähre
Und so schliefen sie glücklich ein.
Ende

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