Sonntag, 1. Mai 2016

Umschulung: Vom Lehrer zum Dolmetscher

Vor einigen Monaten bekamen Anja und ich die Anfrage, ob wir nicht Lust hätten, im April einer Lehrerin aus Deutschland während ihres Aufenthaltes auf Sumba als Übersetzer zu helfen. Klar, waren wir dabei und fuhren so mal wieder mit dem Travel nach Waitabula, um unsere über sieben Monate gereiften Indonesischkenntnisse auf die Probe zu stellen. Spitze war, dass wir die nächsten 12 Tage im Hotel verbringen durften.

Hotel Sinar Tambolaka

Dort trafen wir dann auch zum ersten Mal Frau Kaune, die - frisch aus Deutschland eingeflogen - uns erstmal ganz viel Schokolade (die auf Sumba Seltenheitswert hat) als Mitbringsel präsentierte und damit unsere Herzen im Sturm eroberte. Beim gemeinsamen Essen beim Italiener (mhhh...) stellte sie uns den groben Ablauf der nächsten Wochen vor.
An der Hochschule STKIP und an der Mittelschule SMP Aloysius läuft ein aus Deutschland organisiertes Projekt, das den Matheunterricht auf Sumba fördern soll. Ausgewählte Lehramtsstudenten der STKIP werden in Workshops fortgebildet, mathematische Kompetenzen werden geschult und Unterrichtspädagogik erlernt, die in Deutschland in einem äquivalenten Projekt bereits erprobt ist und nun - ins Indonesische übersetzt - auf Sumba wirken soll. Nach bestandenem Examen können die Studenten weiterhin im Projekt bleiben, wo ein attraktives Lehrergehalt bei einer Anstellung an der SMP Aloysius lockt. Dort gibt es bisher zwei Projektklassen, je eine in Klasse 7 und 8, wo das indonesische Mathecurriculum über den Haufen geworfen und nach einem ganz neuen Ansatz unterrichtet wird. Es geht nämlich -tadaa- darum, dass die Kinder Mathe auch wirklich verstehen und nicht nur Halbwissen bis zur nächsten Prüfung auswendig gelernt wird. Das Projekt soll zeigen – und tut es inzwischen auch – dass jeder Mathe lernen kann, von Indonesiern über Koreaner bis Deutsche und das ganz unabhängig von Faktoren wie Reichtum, Fortschritt oder Ergebnissen des Pisatests... 

In unseren zwei Wochen hier ging es nun darum, dass Frau Kaune den Fortschritt des Projektes zweimal pro Jahr einsieht und normalerweise mit einem Dolmetscher einfliegt. Doch in diesem Jahr schienen alle Kandidaten bereits beschäftigt, sodass nun Anja und ich eingesetzt wurden, für Frau Kaune zu vermitteln. Das heißt, wir halfen ihr bei allerlei Gesprächen – von Alltagsproblemen und Plaudereien über Organisatorischem bezüglich des Projektes bis hin zu Simultanübersetzen bei Workshops, in denen die Studenten neue Materie lernten. Dazu fiel noch einiges an Büroarbeit an, wie Arbeitsblätter übersetzen, Briefe verfassen oder Zertifikate drucken. Wir arbeiteten größtenteils auf dem Gelände der STKIP, wo vor Kurzem ein eigenes Gebäude für das deutsche Projekt entstanden ist, das LMK - Lembaga Matematika Kognitif.

Projektklasse - Hausaufgabenbesprechung
Die ganze Arbeit war echt spannend, weil wir durch unsere Übersetzerfunktion immer mittendrin im ungewohnten Zusammenspiel zwischen Deutschem und Indonesischem waren. Das strukturierte, durchgeplante deutsche System trifft auf das gemächlichere, einfache Leben in Sumba. Da steht auf einmal ein Beamer mit Dokumentenkamera in einer Klasse, in der es jedoch keine Fensterscheiben gibt; Indonesier treffen überpünktlich vor Terminbeginn ein (hehe); Klimaanlagen kühlen die schwüle Mittagsluft und die Männer machen sich freiwillig an den Abwasch...
Es ist echt spannend, wie Engagement, Geld und Ausdauer wirken und verändern können und nun zwei absolut Leistungsstarke Matheklassen an der SMP entstanden sind, in der der sonst übliche Frontalunterricht vollkommen aufgebrochen ist und die Kinder gemeinsam und motiviert den Stoff erarbeiten.

Schwester Mathilde, Olif, Tina, Ince, Misseri, Anja, Anna, Frau Kaune
Außerhalb der vielfältigen Eindrücke, die wir über das Projekt mit all ihren Beteiligten wie Lehrern, Studenten und Schülern sammeln konnten, waren wir natürlich in unserer Freizeit ein bisschen auf Sumba unterwegs. In der Nähe von Waitabula gibt es unglaublich schöne Strände, die einfach nur dazu einladen, nachmittags zum Kaffee rauszufahren und den Sonnenuntergang zu genießen. 

 Sonst hat sich der Aufenthalt in Südwestsumba für Anja und mich auch dazu geeignet, Freunde aus unserem Asrama wiederzutreffen, die als Zwölftklässler die letzten Prüfungen bereits absolviert hatten und nun einen Monat zuhause waren.

Strand Oro... Erinnert an die Ostsee, oder?

Von der Schreinerei auf Sumba...
... werden Möbel ins LMK geliefert

Besuch bei Elsy, rechts im Bild


Fußball schauen im Regen

Entspannen am Strand Mananga Aba

 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen