Sonntag, 19. Juni 2016

der erste Abschied - Sommerferien


Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine Andere.
Man muss sich erst trennen, um sich wiedersehen zu können.



Am Freitag hatten wir unser Abschiedsfest, für alle die jetzt verwundert sind, ja wir sind noch etewa 1 1/2 Monate in Indonesien, aber da jetzt die Sommerferien los gegangen sind, wurde das Ganze vorverlegt.

Die Indonesier lieben ja Feste, ich weiß nicht ob das bereits aus dem Blog hevor gekommen ist, und  es ist bereits Tradition, dass die Volunteers zusammen mit dem Frater (es gibt jedes Jahr einen Frater, der ein Ausbildungsjahr in Pada Dita verbringt) ein Fest im Asrama Pada Dita schmeißen.

So auch wir. Das Ganze kam etwas kurzfristig. Montags erfuhren wir, dass das Fest am Freitag sein würde, na wenn es weiter nichts ist.
Also begannen Anna und ich mal zu überlegen, was wir denn vorbereiten könnten um uns von all den Leuten zu verabschieden. Letztendlich entschieden wir uns dazu ein Lied zu schreiben und mit viel Spaß und Köpfe rauchen, hatten wir am Ende ein herrliches Lied, mit tollen Reimen und waren bester Dinge.

In der Zwischenzeit musste die Essensfrage geklärt werden, es muss natürlich ein Schwein geschlachtet werden und eigentlich auch Hühner. Aber reicht denn ein Schwein?
So zur Größenordnung, es waren ungefähr 200 Gäste eingeladen.
Irgendwann entschied man sich dann für ein Schweinchen und das süße kleine Ding, wurde vom Nachbarn gekauft und in den Stall von Pada Dita übersiedelt. Für Indonesien ganz üblich, am Motorrad.

Die Woche verflog ziemlich schnell, alle Leute mussten eingeladen werden und schon war Freitag da. Freitag war nicht nur unser Fest sondern auch Zeugnisverteilung an der SMA und Abschlussfest der SMP. Da ich beim Kochen mithelfen wollte, entschuldigte ich mich etwas früher und kam gerade rechtzeitig im Aspad an um.... das Schwein zu schlachten.

Mit einem gezielten Stich in die Seite wird das Tier zeremionell zum Ausbluten gebracht - Leeeecker!

Zusammen mit ein paar Jungs und unserem Schlachtmeister wurde also zugestochen und in dem ganzen Fieber viel mir gar nicht das Blut auf meinen Beinen auf.
Als nächstes wurden dann die Haare und Borsten mit Stroh abgefackelt, schon angebraten wurden dann die Reste abgekratzt, bevor es im Anschluss gewaschen und klein gehackt wurde.
Im ganzen Trubel viel mir nur am Rande auf, dass sie jetzt doch noch ein Schwein kaufen fahren. Money money money.... must be funny


Ich verließ die Männer unterdessen und gesellte mich zu den Frauen. Dort gab es angenehmere Aufgaben für mich. Knoblauch schneiden, Karotten raspeln und Buncis vorbereiten. Die echte Sumbanesische Hausfrau schneidet in der Luft und das in einer Geschwindigkeit, das mir schlecht wird und ich um jeden Finger bange. Ich bekam- Gott sei Dank - ein Brett und  machte mich etwas gemächlicher an die Arbeit. Mit nur einem Schnitt, vom Raspler, und zwei Stunden später, war ich fertig. Nun waren alle gerade im Fleischverarbeitungseinsatz und für mich gab es nichts mehr zu tun.

Gut so - ich sterbe nämlich vor Hunger und bin komplett fertig, weil sich irgendwer eingebildet hat um 3:00 in der Nacht Fußball EM anzuschauen.

Der Nachmittag vergeht noch schneller, mit Fred die Dankesrede verfassen, mit Anna über die Kleidung reden, mit den Kindern die Tische herrichten und eine kleine Musikprobe, schon ist es fast sechs.
Und wir sollten uns langsam in unsere Kains und Sarongs werfen, die Fred uns ausgeliehen hat.
Natürlich ist es vollkommen unsinnig um sechs fertig zu sein, wenn es um sechs losgehen soll, deshalb sind wir es auch erst um halb sieben.
Tatsächlich losgegangen ist das Fest allerdings erst... kurz nach acht.

Es gab Reden, Lieder, Darbietungen von diversen Asrama Kinder und alles was das Herz begehrt. Nur unseren Song konnten Anna und ich nicht vortragen - wir wurden vergessen.

Bei meiner Rede war ich dann doch etwas nervös, aber den Anderen ging es ebenso und im Anschluss, gab es den zeremoniellen Höhepunkt des Abends. Wir haben alle unseren eigenen Sumbastoff bekommen - meiner ist wunderschön dunkelrot mit gelben Stickereien und von jetzt an, muss ich mir nie wieder einen Sarong ausleihen.

Sogar die jüngsten vom Asrama Pada Dita trauten sich auf die Bühne und waren wirklich gut. Zusammen haben die Kinder außerdem ein Deutsches Lied vorbereitet - Meine Zeit.

Eines meiner Lieblingslieder aus der Kirche und mit Gottes Segen ging es dann zum Essen über.
Wir aßen als eine der Letzten, weil wir zuerst noch von allen Gästen - außer Om Piu, der ging direkt zum Essen - einen Nasenkuss bekommen haben und da wurde ich dann wirklich traurig. All die Mädels abzunaseln. Gut, dass ich sie noch einmal Wiedersehe.
 

Das Essen - sehr fleischlastig -  wurde verzehrt und direkt danach begannen die Leute zu tanzen. Etwas enttäuscht war ich schon, dass wir das Lied nicht singen konnten. Es wäre so passend für mich gewesen.
Aber da ich an diesem Abend seit Eeeeeewigkeiten mal wieder ein Glas Bier für die Nase gesetzt bekommen habe, ließ ich mich ablenken und genoß den Abend.
Gegen Mitternacht ließ sogar ich mich im Sarong zu ein zwei Tänzchen hinreißen und irgendwann um zwei fand ich dann auch ins Bett nachdem ein zwei Schnappsnasen versorgt worden waren.
























Alles im allem ein erfolgreiches Fest und ich bin froh, dass ich morgen noch nicht nachhause fliege.

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