Donnerstag, 24. September 2015

Eine kleine Geschichte für zwischendurch

Heute möchte ich eine Geschichte erzählen - die unglaubliche Geschichte von vier Jugendlichen, die doch nur Wäsche waschen wollten. Unsere Geschichte beginnt an einem Tag wie jeder andere für die vier frischen Volunteers auf Sumba: man steht auf, geht in die Messe, frühstückt, lernt Indonesisch und hilft ein wenig bei den täglichen Aufgaben. Doch die Stimmung trübte ein wenig - Tanya brachte ein, dass man jetzt schon eine Woche hier sei und die Anzahl der sauberen Kleidungsstücke immer weiter schrumpfen würde; ein Problem, welches nicht nur sie alleine betraf. 

Und so entschied man, dass es an der Zeit sei, endlich einmal seine Wäsche zu waschen. Gesagt getan: die vier gingen zu Pater Tony und fragten ihn um seine Hilfe in der Angelegenheit. Hilfsbereit wie er war, zeigte er den vier hochmotivierten Jugendlichen den Ort des Wäschewaschens: ein kleiner Raum am anderen Ende des Asramas. 
"Oh super, das sieht ja eigentlich ganz einfach aus, so viel anders als zu Hause kann das ja gar nicht sein, immerhin gibt es eine Waschmaschine, die sicher genauso funktioniert wie solche, die wir kennen!" 
Falsch gedacht. 
Doch das merkten die vier erst, als es schon zu spät war. Anfangs stand ihnen Pater Tony noch zur Seite und erklärte ihnen alles: man fülle zunächst die Waschmaschine mit (kaltem) Wasser, fügt Waschpulver und Wäsche hinzu, stellt sie auf zehn Minuten ein und wartet. So weit so gut. 
Doch hier fangen die Dinge an komplizierter zu werden: Pater Tony musste los und ließ alles hinter sich: eine prall gefüllte Waschmaschine, drei große Eimer mit kaltem Wasser gefüllt, eingeseifte, eindeutig nicht fertige, Wäsche und vier Jugendliche ohne eine Ahnung, was sie jetzt tun sollen. 

Sie fingen an, rational zu denken: es gibt drei Eimer für vier Leute; eventuell soll man einfach die Wäsche auf die Eimer aufteilen? Gesagt getan: Tanya und Tanna bekamen jeweils einen Eimer, Teddy und Taco durften sich einen teilen. 
Die vier teilten also fleißig die Wäsche auf die drei Eimer auf: ein T-Shirt hier, ein Top dort, eine Boxershorts hier, und so weiter. Nach der Hälfte der Arbeit etwa kam eine Frau auf sie zu - und lacht. Auf Indonesisch erklärte sie, dass die nicht mehr so ganz hochmotivierten Jugendlichen so ziemlich alles falsch machen. Sie rief ihre Freundinnen, welche auch erstmal lachten. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Lachens, hörten sie langsam auf und erklärten, wie man es richtig machen solle: Man teile die Kleidung nicht auf, sondern gibt sie zunächst in den ersten Eimer, um die Seife auszuwaschen. Bei dem Versuch, die Seife ordentlich auszuwaschen und die Wäsche danach in den zweiten Eimer zu bewegen, stellten sich die vier aber, den Kommentaren der Frauen nach zu urteilen, wieder nicht wirklich schlau an - die vier von oben bis unten nassen Jugendlichen standen schlußendlich vor dem Raum und schauten den wohlgeübten und routinezeigenden Frauen zu, wie man es richtig macht. 
Doch damit nicht genug: Nach dem Waschgang muss man die Wäsche natürlich auch aufhängen. Doch es scheint so, als hätten die vier nicht den kompetentesten Eindruck in Sachen Wäschewaschen erweckt. Um ganz sicher zu gehen, wird ihnen auch noch gezeigt, wie man denn die Wäsche aufhängt: ein schwarzes T-Shirt wird zur Demonstration des höchst komplizierten Aufhangprozesses über einen zufällig ausgewählten Stuhl gehangen. Man konnte die Gedanken der Frau schon fast aus ihrem Gesicht ablesen: "Na hoffentlich suchen die sich drüben jetzt nicht 30 Stühle zusammen und hängen ihre Sachen auf denen auf".

Alle in dieser Geschichte vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden und jegliche Ähnlichkeit mit real existierenden Personen und Handlungen sind reiner Zufall. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen