Im Indonesischen gibt es den schönen Begriff "Jam karèt" (Gummizeit). Dieser steht für die Dehnbarkeit des Zeitverständnisses hier. Steht auf einer Hochzeitseinladung, dass es 19h losgeht, heißt das, dass der Großteil der Leute überhaupt erst gegen 19h30 oder später kommen wird. Den Begriff der Gummizeit kann man auch auf die meisten hier genannten Zeiten anwenden. Einzig die Messe und die Schulzeiten werden ziemlich genau eingehalten.
5h15 - Der Wecker klingelt. Zum vierten mal oder so. Keine Ahnung, aber vielleicht sollte ich langsam mal aufstehen, ist immerhin schon spät (...). Eigentlich ist alles was danach kommt genauso wie zu Hause: aufstehen, Haare sehen blöd aus, zum Waschbecken gehen, Zähne putzen, sich wundern, wie man in so einem Zustand trotzdem so unglaublich perfekt aussehen kann, Haare machen, anziehen, rausgehen.
5h30 - 6h15 Morgensmesse, auf Indonesisch natürlich. Wir verstehen aber jeden Tag mehr von dem, was wir mitlesen und mitsingen. Danach können wir frühstücken, das gibt es bis etwa neun Uhr. Meistens essen wir direkt nach der Messe, wenn wir nicht noch einmal schlafen gehen.
Zum Frühstück gibt es immer Reis mit verschiedenen Kombinationen aus Gemüse, Ei und scharfem Gemüse.
Nach dem Frühstück fangen wir dann meistens mit unserer derzeitigen Hauptbeschäftigung an: Indonesisch lernen. Gleichzeitig machen sich die Kinder fertig für die Schule, damit sie pünktlich 7h30 in der Schule sein können.
Gelegentlich fragen uns die Patres, ob wir irgendwohin mitkommen wollen oder, dass wir uns heute irgendwo vorstellen sollen. Die ersten vier Vormittage haben wir zum Beispiel damit verbracht, in die Schulen zu fahren, in denen wir unterrichten werden, um uns dort vorzustellen.
Montags, Mittwochs und Freitags haben wir von 9h30 bis 11h außerdem noch Indonesischunterricht bei Pak Michael.
Der nächste Tagesordnungspunkt ist das Mittagessen, welches jeden Tag zusammen mit den anderen Patres um 13h stattfindet. Auch hier gibt es immer Reis mit Beilage: ein wenig Hühner- oder Schweinefleisch, Tofu, Gemüse, Fisch. Davor und danach wird natürlich gebetet, meistens auf Indonesisch, ab und zu werden wir aber gebeten, das Tischgebet auf Deutsch zu halten.
Da wir verhältnismäßig früh aufstehen müssen und Abends auch nicht allzu früh ins Bett kommen, ist nach dem Essen Zeit für einen Mittagsschlaf.
Etwa anderthalb Stunden später erhebt man sich wieder aus seinem wundervollen Traumgefährt und die Arbeitszeit beginnt: 15h30 treffen sich alle Schüler, nach Klassenstufen sortiert, im Asrama und teilen sich die Arbeiten auf: Staub kehren, Holzhacken, Müll wegbringen, Schweine füttern, alles was halt so anfällt. Mittlerweile dürfen sogar wir mithelfen.
Eine Stunde später gibt es an fünf von sieben Tagen die Woche Sport. Man wechselt sich ab zwischen Fußball und Volleyball, bis 18h.
Danach geht es ab unter die Dusche und in wärmere Klamotten. 19h00 folgt das Abendessen zusammen mit den Kindern. Auch hier gibt es, wie zu jeder Tageszeit, Reis mit verschiedenen Beilagen. Nach dem Essen kann man sich der Gemeinschaft mitteilen. Es wird langsam ruhig, einer steht auf und redet. Reden kann man hier beispielsweise über Ideen die man hat, Dinge, die einem auf dem Herzen liegen oder Probleme, die es im Asrama gibt. Das Ganze dauert normalerweise etwa 45 Minuten. Ab 20h, bis etwa 21h haben die Kinder nochmal Arbeitszeit, um ihre Hausaufgaben zu erledigen.
Danach gibt es noch ein Abendgebet in kleinen Grüppchen. Meistens wird hier gesungen.
Gegen 23h gehen wir dann etwa ins Bett, manchmal früher, manchmal später.
Wie man merkt, lernen wir gerade hauptsächlich Indonesisch. In ein oder zwei Wochen müsste es dann aber so gut sein, dass wir auch endlich richtig unterrichten können. Derzeit kommen wir alle paar Tage mal bei einem Lehrer mit in den Unterricht und unterstützen dort.
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