Montag, 21. September 2015

Nachtrag: Ankunfstag auf Sumba und Eindrücke der ersten Woche

Soo, am Montag (07. September) hieß es dann Abschied nehmen von Bali und auf geht’s nach Sumba. Ibu Justina bereitete uns noch ein ausgiebiges indonesisches Frühstück – zum ersten Mal durften wir also Reis zum Frühstück essen. Und es war nicht einfach nur Reis, sondern er war vermischt mit Gemüse, Hühnchen und ganz viel Chili – oder was sie hier sonst benutzen, um das Essen so richtig schön scharf zu machen. Jaa, ich würde sagen, es war nicht ganz so mein Ding, früh am Morgen mit brennender Kehle in den Tag zu starten... Aber mit der Zeit werde ich mich sicher an die Essensumstände gewöhnen...

Dann ging es mit gepackten Koffern los durch den für uns unübersichtlichen, kunterbunten Verkehr Balis Richtung Flughafen. Gegen 10 Uhr flog unsere kleine Maschine ab und bot uns eine Stunde lang eine spektakuläre Aussicht über einige der kleinen Sundainseln. Man konnte sofort erkennen, als wir Sumba erreicht hatten, da es die einzige Insel ist, die von oben nicht grün sondern braun aussieht.
Aussicht aus dem Flugzeug auf die Insel Lombok
Der Flughafen von Waingapu stellte sich als riesige Anlage mit modernster Ausstattung heraus. Nachdem wir stundenlang rumgeirrt sind, auf der Suche nach der Gepäckausgabe und uns durch die unzähligen Sicherheits- und Drogenkontrollen geschlagen haben, traten wir endlich in die erfrischend kühl-milde Mittagsluft von Sumba heraus. Dort wurden wir von Pater Agus erwartet, der uns erst gar nicht erkannt hat in der Masse von überdurchschnittlich großen, weißen Jugendlichen, die so viel Gepäck mit sich herumschleppen, wie vielleicht der Rest der Passagiere zusammen... Nein, Quatsch. Sumba ist (noch) nicht wirklich touristisch erschlossen, kommt also gut mit einer kleinen Landebahn plus Halle mit Gepäckausgabe als Flughafenanlage aus.

Selbstverständlich haben wir uns auf der Fahrt mit Pater Agus auf fließend Indonesisch über die aktuelle Politik in Waingapu unterhalten, während er uns einige markante Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte, die auf dem Weg zum Asrama Pada Dita (Jungeninternat) liegen.
Dort angekommen, bekamen wir gleich eine Führung über das Gelände, die mit einem Besuch im Schweinestall endete (ich könnte jetzt was über den Geruch schreiben, der sich in der Mittagshitze von ca. 35° C bildet, aber vielleicht ist es auch so vorstellbar)... Wir wurden auch von den übrigen Patres begrüßt und außerdem von den Kindern - hier leben etwa 100 Jungs - neugierig beäugt. Die Ersten kamen eher zögerlich zu uns (aber es wurden immer mehr und mehr) und haben uns begrüßt. Hier werden Höhergestellte per Handschlag begrüßt und wenn man seine Ehrfurcht ausdrücken möchte, führt man die Hand seines Gegenübers an seine Stirn.
Abschließend gab es als Erfrischung gekühlte Kokoswasser mit Milch und Eiswürfeln– einfach superlecker und sehr zu empfehlen (lässt sich sicher auch in Deutschland/ Österreich nachmachen)!

Zum Mittagessen gab es dann – ich werden wohl noch einige Zeit darauf hinweisen, weil es immer wieder überraschend ist – Reis. Dazu noch irgendein weichgekochtes Gemüse, Fleisch, frittierten Tofu und zum Nachtisch Bananen oder Melone. Es schmeckte alles ziemlich gut, es war nur komisch, nur mit einem Löffel zu essen oder vielleicht noch mithilfe einer Gabel das Fleisch zu zerkleinern.

Danach ging es weiter in die Zimmer. Fredward und Benedict haben jeweils ein eigenes Zimmer, ausgestattet mit allem, was man so braucht: Ein Bett, ein kleiner Tisch, ein Schrank und eigenes Bad. Anja und ich werden die erste Zeit auch im Jungeninternat wohnen, um gemeinsam mit den anderen beiden Indonesisch zu lernen. Danach werden wir in das Asrama Putri (Mädcheninternat) umziehen.
Nachmittags sind wir dann auch dorthin gefahren, damit wir uns da vorstellen können, und um uns alles anzuschauen. Im Asrama Putri leben etwa 50 Mädchen im Alter von schätzungsweise 10 bis 18 Jahren und – wie soll ich es treffend formulieren?- sie haben sich wirklich wirklich sehr gefreut, uns (und ganz besonders die Jungs) kennenzulernen. Es gab ein riesiges Gewusel und Gekreische um uns herum, alle wollten uns sehen, begrüßen und ganz viele Fragen stellen. Ziemlich schräg und ungewohnt für uns... Besonders Benedict sticht hier völlig aus der Masse der Durchschnittsindonesier heraus, weil er einfach viel zu groß ist. Jetzt hat er auf jeden Fall einen riesigen weiblichen Groupiefanblock... Naja, es war jedenfalls ziemlich laut, aber trotzdem nicht unangenehm. Mir hat es einfach wieder einmal gezeigt, wie unglaublich fröhlich und freundlich die Menschen hier sind! Verabschiedet wurden wir dann tatsächlich mit einem Nasenkuss (cium Sumba), den einige der mutigeren Mädchen mit uns „austauschen?“ wollten, und sich anschließend nicht mehr eingekriegt haben vor Lachen. Wahrscheinlich werden sie ihre Nasen von nun an niemals mehr waschen...

Anja beim "cium Sumba"
Abends aßen wir gemeinsam mit den Kindern im Asrama Pada Dita. Hier standen wir auch ziemlich im Mittelpunkt und sollten uns sogar nach dem Essen ausführlich vorstellen (Name, Alter, Herkunft, Hobbys und Beziehungsstatus...) - natürlich auf Indonesisch. Aber sie halfen uns bei Wortproblemen bereitwillig aus und glücklicherweise sprechen viele hier auch einige Worte Englisch, sodass das Meiste von beiden Seiten verstanden werden konnte.

Nach der ersten Nacht starteten wir fröhlich ausgeschlafen und gespickt mit den ersten Mückenstichen um 5:00 Uhr in den Tag. Glücklicherweise kühlt es hier abends von 35 Grad auf geschätzte 15 bis 20 Grad ab, sodass man ziemlich gut schlafen kann und es morgens auch leicht fällt, in der noch angenehmen Kühle so früh aufzustehen.

Neben Indonesischlernen zählte zu unseren Aufgaben der ersten Tage, uns hier überall vorzustellen. Wir wurden direkt am zweiten Tag von Pater Kus - dem Schulleiter der SMA (Oberschule) - eingeladen, in die Schule zu kommen.
Geplant ist, dass Anja an der SMA, Benedict an der SMP (Mittelschule), Fredward an der SD Pada Dita (Grundschule) und ich an der SD Anda Luri unterrichten. Alle erstmal Englisch, aber sobald wir uns ausreichend mit der indonesischen Sprache auskennen, werden wir auch an anderen Schulformen und auch andere Fächer (Deutsch, Mathe, …) unterrichten können.

Besuch einer Grundschulklasse einen Tag später
Jedenfalls nahmen wir die Einladung gerne an, die jedoch für uns leider etwas spontan kam, sodass wir schließlich so wir grade waren (in Flip-Flops und Sporthosen) in der Schule auftauchten. Dort empfing uns Pater Dominik, der uns durch die Klassen führte. Das ganze lief dann so ab, dass wir in eine Klasse hineingingen, Pater Dominik auf Indonesich erklärte, dass wir hier für ein Jahr als Lehrer arbeiten werden, und wir uns dann auf Deutsch oder Englisch (je nach Wissensstand der Klasse) selbst vorstellen durften. Es war ziemlich lustig, da immer ein Echo erklang, wenn man etwas über sich erzählte: Hello, my name is Anna... Darauf Pater Dominik an die Klasse: Siapa namanya? (Wie heißt sie?) Und alle brüllten zurück: Anna! Und so weiter... Außerdem haben sich alle immer riesig gefreut, wenn wir über unser Alter gesprochen haben, weil wir nur ein bisschen älter als die Schüler der Oberschule sind. Und dazu kamen noch die oben erwähnten Mädchen aus dem Asrama Putri, die es kaum fassen konnten, dass Benedict jetzt gleich etwas sagen wird, und immer total enttäuscht waren, dass er nicht sie, sondern nur die Mittelschule unterrichtet. Ein weiters Highlight in jeder Klasse war auch noch, als wir unser Herkunftsland erwähnt haben. Dreimal „Germany“ wurde immer gut verstanden, aber das eine „Austria“ von Anja wurde im Echo immer als „Australia“ wiederholt. Dann hat Pater Dominik jedes Mal wiedersprochen: „Not Australia, AustRRRia!“, auch wenn es vielleicht nur einer falsch wiederholt hatte... Also, es wurde wiedermal viel gekreischt und gelacht, und wir haben uns alle ein bisschen wie irgendwelche berühmten Popstars gefühlt – trotz Gammelhosen...
Auf dem Nachhauseweg haben wir uns dann nur noch gewundert, dass wir in der Schule nicht auf Pater Kus getroffen sind, der uns doch eingeladen hatte... Später wurde uns dann erklärt, dass es sich bei Pater Kus und Pater Dominik um ein und die selbe Person handelt (hahaha, wir haben ziemlich lange darüber rumgerätselt). Es sei nur einfach der deutsche und der indonesische Name, der die Verkürzung von Dominikus ist...

Nachmittags landeten wir – der zweite Tag war noch nicht mal vorbei – schon direkt auf dem Polizeirevier und anschließend im Krankenhaus... Ok, keine Sorge, wir sind nur dorthin, um Kopien von unseren Reisepässen und unseren Visa abzugeben. Und anschließend musste Anja ins Krankenhaus, um ihren Zeh untersuchen zu lassen, der ja vor einigen Tagen auf Bali gezogen wurde. Aber es ist echt cool, ein bisschen durch die Stadt zu fahren. Der Verkehr zum Beispiel regelt sich auf magische Weise von ganz allein, da es irgendwie kaum Regeln gibt, die eingehalten werden. Außerdem sind wir überall eine ziemliche Attraktion und werden von den Autos und Motorrädern immerzu angehupt – das ist hier nicht wirklich ein Warnsignal, sondern eine Begrüßung.


Zurück im Asrama haben wir die Möglichkeit, Volleyball oder Fußball mit den Kindern zu spielen. Jeden zweiten Tag gibt es hier nachmittags Sportangebote. Es ist superlustig, mit ihnen mitzuspielen, weil es einfach eine lockere Spielatmosphäre ist, wenn zum Beispiel Fred oder Benedict beim Volleyball einen Punkt machen, und sich die Kinder bestimmt eine halbe Minute lang vor Lachen wortwörtlich auf dem Boden kugeln (vor Freude, dass sie den Riesen im Team haben, der total einfach die Bälle rübersmashen kann...).

Abends machen die Kinder hier meistens Musik (Flöte, Gitarre...) oder lernen für die Schule. Manchmal fragen sie uns, ob wir ihnen bei den Hausaufgaben helfen wollen, aber sonst versuchen wir auch, ein bisschen Indonesisch zu lernen.

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