Samstag, 19. September 2015

pestah nikah - Hochzeit auf Indonesisch


Die Leute auf Sumba scheinen gerne zu feiern und das ganz nach dem Motto 'je größer, desto besser'. So haben wir es in neun Tagen bereits auf zwei Hochzeiten und zwei Geburtstage geschafft. Alle vier von Leuten, die wir vorher nicht kannten.
Bei diesen Anlässen haben wir auch die Genauigkeit von indonesischen Zeitangaben erfahren.
Meist sind wir um die Uhrzeit, die als Beginn genannt wurde, erst vom Asrama losgefahren, und waren noch immer unter den ersten Gästen.

Zum Ablauf von einer Hochzeit: zunächst passieren alle Gäste ein Zelt, in dem man ein kleines Stück Kuchen - möglicherweise der Hochzeitskuchen- Wasser und ein kleines Andenken bekommt. Alles wunderschön verpackt in Massen an Plastik.

Das Zelt passiert, eröffnet sich vor einem ein Plastikstühlemeer. Hier gilt die Regel: je weiter vorne man sitzt, desto früher bekommt man auch etwas zu Essen; was für uns relevant ist, da die Hochzeit meist um unsere normale Essenszeit beginnt, und ich sowieso immer Hunger habe. Außerdem hat man einen wesentlich besseren Blick auf die Bühne.

Hier zur Veranschaulichung eine Skizze wie so etwas aussehen kann.

Die Bühne ist immer festlich geschmückt und ausgeleuchtet wie im Theater. Da kann man wirklich vom 'im Scheinwerferlicht stehen' sprechen.
Verspätet fängt die Zeremonie an, die Live Musik beginnt und unter Anleitung des Moderators folgt der Einzug des Brautpaares samt Familie. Die Braut war bis jetzt immer in weißen Prinzessinenkleidern zu sehen, nur die Eltern waren etwas traditioneller mit Sarongs von den Heimatinseln gekleidet. Wir haben erzählt bekommen, dass auf Sumba sehr selten Leute in Tracht heiraten.
Auf der Bühne nehmen dann die Eltern und das Brautpaar Platz und von nun an liegt alles in der Hand des Moderators. Es folgen die Reden, ca. drei bis fünf. Ich habe mich bemüht zuzuhören, jedes vierte Wort ungefähr verstehe ich sogar, aber der Zusammenhang bleibt mir ein Rätsel. Ein Fixpunkt ist eine religiöse Rede, wo die Gäste zusammen beten. In Indonesien gibt es ein kirchliches Gesangsbuch, welches zu allen Anlässen verwendet wird, so auch hier.

Das nächste Highlight ist.... die Fahrstuhlmusik.
Es beginnt das Spektakel der Torte.
Hier anzumerken ist, dass die Torte nicht unbedingt essbar sein muss, sie kann auch aus Plastik bestehen. Dann wird nur symbolisch, von Europa inspiriert, mit dem Messer von oben nach unten gedeutet. Wichtig ist aber, dass die Torte essbar oder nicht - groß ist. Auf der zweiten Hochzeit war es eine echte Torte, und das Gestell war gigantisch.
Von der Fahrstuhlmusik untermalt folgt nun das Tortenfüttern, zuerst das Brautpaar ein Bissen Torte, dann die Eltern, dann weiter wichtige Leute und alle, die eine Rede gehalten haben. Immer auf 3,2,1 um ja den richtigen Moment auf dem Bild fersthalten zu können. Nach der Tortenbissenübergabe folgt der traditionelle Nasenkuss 'cium Sumba'.

Die Vorführung wird beendet mit einer Verbeugung von den Akteuren auf der Bühne. Es folgt nun ein Gänsemarsch aller Gäste vom einen Ende der Bühne zur anderen um allen Beteiligten mit cium Sumba zu gratulieren.
Hier gibt es auch ein Bild von unseren liebsten Küsserkönigen.


Nun schreitet man zum Essensbereich. Beim Eintritt erhalten alle piring & sendok, Teller und Löffel und man kann sich am Buffet laben.
Obligatorisch gibt es Reis und danach variiert es leicht. Meistens gibt es Schwein, auf diverse Arten zubereitet, manchmal Nudeln, kleine Frühlingsrollen und natürlich auch Gemüse. Außerdem gibt es so etwas wie Krabbenchips, der neue Snack für zwischendurch.
Gegessen wird im Stehen und geredet wird hauptsächlich mit Leuten, die man ohnehin bereits kennt. Wir sind hier die Ausnahme, als Weiße sind wir hier ein Highlight und werden dann doch öfters von Fremden angesprochen.

Nach dem Essen folgt dann evt. noch eine Tanzeinlage. Line Dance. Traumhaft, Anna und ich haben uns auch daran probiert, aber bis ich die Schrittkombi im Kopf habe, ist der Tanz vorbei.

Einmal auf einer Geburtstagsfeier haben sogar Fred und Benedict getanzt, mal schauen ob da jemand Bilder gemacht hat...



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