Heute ging es etwas humaner los. Nach einer halbschlaflosen Nacht gab es um 6:00 eine Morgenmesse, der etwas anderen Art. Neben dem Biara gibt es eine kleine Kapelle und dort haben wir uns heute zu sechst um den Altar versammelt. Gesungen wurde nicht, dafür durfte ich wieder einmal die Lesung vortragen und - ein seltenes Highlight - ich habe mal wieder das Blut Christie bekommen.
Im Anschluss gab s ein gemeinsames Frühstück und eine nicht enden wollende Tratschrunde.
Larantuka ist so katholisch, dass es überall Lautsprecher gibt, die Verlautbarungen verkünden. Heute erfuhren wir so, dass sich alle Besucher registrieren müssen, in der Kathedrale, um an der Prozession teilnehmen zu dürfen.
Dort angekommen wollten wir eben dies tun. Mein Ruf ist mir jedoch schon vorausgeeilt. Irgendwer - ich weiß bis jetzt nicht wer - hatte mich bereits vor einiger Zeit registriert. Zur Größenordnung, meine Schwestern haben Nummern größer 1200 ich jedoch 548.
Das dürfte gut gefüllt sein am Freitag.
Danach bin ich alleine aufgebrochen zum Hafen. Ich war schon zu lange nicht am Meer. Kinder sind von einem der Bootsstege in s Hafenbecken gesprungen und die Zahl an Männern auf Motorrädern die mich mitnehmen wollen überstieg den mir bekannten Zahlenbereich.
Wenn man als Weißer in abgeschlageneren Gegenden unterwegs ist, muss man sicher als Fotomodel herhalten. So auch am Hafen. Da saßen gerade die Jungs von der Seewache und weil sie die Ersten waren, war ich noch guter Dinge. Das ganze hat sich als ziemlicher Glücksgriff herausgestellt. Sie haben mich dann noch auf das Schiff eingeladen und mir eine Tour gegeben. Von der Spitze, wo wir alle einen auf Titanic gemacht haben, bis oben zur Brücke wo ich sogar ans Steuer durfte.
Schon ein faszinierendes Leben, wenn man auf einem Schiff wohnt. Im Anschluss spazierte ich durch die Stadt und sah in die kleinen Geschäfte. Das Angebot war ziemlich das gleiche wie in Waingapu. Immer der Nase nach stieß ich auf ziemlich viele Straßensperren und dahinter Leute, die Vorbereitungen für das Fest erledigten.
Bei den Goldputzern blieb ich etwas länger, aber das komplett männliche Publikum war dann doch eher anstrengend und so spazierte ich weiter. Die Straße war eine Uferpromenade. Zur linken war ein breiter Grünstreifen - überraschend sauber, was wohl auf die katholische Kirche zurück zu führen ist- mit Bäumen und dann das Meer. Wären wir hier in Europa, gäbe es jetzt zur rechten nette Lokale, Straßenhändler und süße Geschäfte. Hier... gibt's Absperrungen, Strohhäuser und Kirchen.
Alle 5 Minuten kommt man wieder an einer Kirche, Kapelle oder anderen Gebetsstätten vorbei.
Katholische Hochburg hald.
Top motiviert dachte ich, dass ich zu Fuß zurück zur Biara gehen werde. Da war mir die Kilometer Zahl noch nicht so bewusst. Jetzt weiß ich, dass es ~10km sind.
Irgendwann kam ein Regenschauer und ich kam noch an vielen Menschen vorbei, die Fahnen hissen, Bühnen aufbauen und Absperrungen aufstellen. Ein, Zwei wollten mich nachhause fahren, aber der Richtige war nicht dabei.
Irgendwann kam ich raus aus dem Ort, am Friedhof vorbei, sowie am Markt. Meine Reise nur durch Fotos unterbrochen. Mal habe ich fotografiert und dann wurde ich fotografiert.
Nach einer Stunde war meine Laune schon etwas gesunken, dieses ständige Fotografieren geht einem einfach auf die Nerven.
Und dann kam der auf den ich die ganze Zeit gewartet habe. Ein alter Mann, dessen Namen ich nicht einmal kenne, der mich ohne etwas dafür zu verlangen mitnahm. Der beste Part dabei war, dass ich nicht mal den Namen von der Biara wusste. Aber da der Mann ein braver Kirchgänger ist, kannte er sich sofort aus.
So kam ich wohl behalten, schweiß gebadet und erschöpft an und fiel erst mal ins Bett.
Am Abend ging es mit den Schwestern dann noch mal hinaus. Zu einer Andacht oder etwas in der Art.
Vollkommen unsumbanesisch waren wir zu früh.
Die Kapelle war weiß gefließt und abgesehen von vielen Schemeln leer. Die erste Reihe wurde von kleinen Kerzentischen gebildet.
Nach und nach füllte sich die Kapelle und ich war mit schwarz genau richtig gekleidet.
Es folgte eine zweistündige Marienanbetung, die größtenteils auf portugiesisch gehalten wurde.
- Ich wollte immer schon mal den Rosenkranz auf portugiesisch beten.
Die Königsfamilie war in der Vorbeterfunktion und die Frauen waren für die Kerzen verantwortlich.
Das eindruckvollsten kam am Schluss. Alle knieten am Boden, die Lichter würden gelöscht und dann auch all die Kerzen.
Dann ging der Lärm los. Vor der Tür liefen Männer mit Wellblech und alten Dosen über den Beton und schlugen währenddessen noch darauf ein, um einen möglichst großen Krawall zu machen.
Das dauerte 5 Minuten und es wurde wieder hell. Die Andacht schloß mit einem Lied und nach und nach gingen alle wieder ihres Weges.
Die Osterfeiern haben offiziell begonnen.
Es war schon Abend und dann kam die Nacht.
Morgen soll die Marienstatue enthüllt werden... es wird spannend.
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