Ja, nun ist es soweit.. Starreporterin Anna ist aus der Sommerpause zurückgekehrt und beteiligt sich nun wieder an diesem herrlichen Blogprojekt. Dazu ganz passend gleich ein verspäteter Eintrag..
Jetzt, wo die Hälfte unser Zeit hier
schon vorbei ist, fordert der IJFD von uns, dass wir uns zu einem
Zwischenseminar begeben, ähnlich dem vor unserem FSJ hier. Dabei
sollten wir wohl unsere bisherigen Erfahrungen reflektieren und unser
Leben bzw. unsere Arbeit hier besprechen.Tja, da haben die Deutschen
aber nicht mit den Sumbanesen gerechnet.. Natürlich haben wir brav
ein Seminar gemacht, doch war es eher ein Ausflug über die Kultur
und Bräuche Sumbas.
Das Seminar hat Mitte Februar begonnen
und sollte ca. eine Woche dauern. Morgens an unserem Abreisetag
mussten wir leider noch erfahren, das vor kurzem der Vater von Pater
Jack verstorben sei, Pater Jack also wahrscheinlich aus Deutschland
nach Sumba heimkehrt. Unser Seminar fand in Südwestsumba statt, lag
also ganz in der Nähe von Pater Jacks Wohnort, sodass wir an unserem
Ankunftstag gleich mal seinem verstorbenen Vater einen
beileidsbekundenen Besuch abgestattet haben.
Auf Sumba gehört es sich so, wenn ein
Bekannter, Freund oder Freund eines Bekannten verstirbt, den
Verstorbenen im Hause zu besuchen und der Familie sein Beileid
auszudrücken, indem man ein bisschen vor dem Haus zusammensitzt. In
dem Fall von Pater Jacks Vater saßen wir nun gemütlich auf der
Veranda vor dem Haus, schlürften unseren überzuckerten Tee oder
Kaffee und lauschten der Geschichte, wie die letzten Tage des Vaters
ausgesehen hatten. Plötzlich fängt das Haus an zu wackeln, alles
ging drunter und drüber, die meisten rannten vor Angst schreiend aus
dem Haus in den Garten. Wir vier waren erstmal verdutzt, wer rechnet
auch schon mit einem Erdbeben zu so einer Zeit, an so einem Ort.
Schließlich schlossen wir uns adrenalingeladen dem irren Gerenne
(etwas langsamer jedoch) an, da die meisten wohl aus der Furcht
flüchteten, dass das Haus nicht stabil genug war. So kam es uns auch
vernünftig vor, im Garten auf die Beruhigung der Lage zu warten, sie
kannten sich ja gewiss besser mit der Vertrauenswürdigkeit ihrer
Architektur aus.
Später wurde uns zum einen erklärt,
dass Erdbeben ein äußert seltenes Phänomen auf Sumba sind, und
daher auch die übermäßige Furcht der meisten zu erklären wäre.
Ha, und später kam noch eine viel bessere Erklärung: Das Erdbeben
sei nämlich von dem Geist des Verstorbenen ausgelöst worden, da
heute weder die Sonne schiene noch für ihn schon die Gonge
angestimmt wurden. Das klang wohl für einige einleuchtend und so
wurden ganz schnell die zeremoniellen Gonge aufgehangen und eine
laute Euphonie aus Gongschlägen vermischt mit eingeworfenen Gesangs-
/Schreieinlagen erklang. Es klang ziemlich laut und wild, doch
irgendwie passte es zur Stimmung, wenn die Menschen hier auf ihre
intensive,ursprüngliche Art und Weise trauern.
Nun war danach wirklich alles sicher
und es gab zum Glück weder Verletzte noch Sachschäden. Später
erreichte uns dann die Informationen aus den anderen Teilen von
Sumba, doch scheint das Erdbeben (mit einer Stärke von ca. 6,6 auf
der Richterskala) überall gut überstanden worden zu sein.
Die nächsten Seminartage verliefen
dann eher ereignisloser (aber nicht erlebnisloser), wogegen wir aber
auch nichts einzuwenden hatten. Für uns war es ein bisschen wie
Urlaub. Der Seminarleiter Pater Robert ist kein ausgebildeter
Seminarleiter, sondern ein Experte auf dem Gebiet der Kultur Sumbas.
Er erzählte uns morgens (wenn es von seinem Zeitplan her passte)
einiges Interessantes über die Geschichte, Religion, Bräuche und
das Leben auf Sumba und nachmittags fuhren wir dann meistens mit
unserem Privatbus an einige kulturell bedeutsame Orte in näherer
Umgebung. Also zum Beispiel traditionelle Dörfer, die an der
charakteristischen Hausarchitektur zu erkennen sind, das Kulturmuseum
oder zur Redemptoristenvilla, die am Strand gelegen eine gute
Aussicht über den Hafen bietet. Oder an einen der schönsten Strände
Sumbas. Oder einen etwas weiter entfernten paradiesischen
Meerausläufer, der fast wie ein See wirkt und mit seinem türkisen,
warmen Wasser ganz natürlich zum Schwimmen einlädt. Muss man auf
jeden Fall alles mal gesehen haben.
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| Danau (See) Waikuri |
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| Pantai (Strand) Menaga Aba |
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| Familie, die im Dorf Menola wohnt |
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| Ratenggaro - traditionelles Dorf |
Ein weiteres Highlight des Seminars war
das Essen dort. Die tollen Mahlzeiten dreimal am Tag wurden
unterstützt durch einige Snacks wie Pisang goreng (frittierte
Bananen) oder frisch vom Baum gepflückte Kokosnuss. Und an
einem Abend wurde die Mahlzeit sogar extra für uns noch um einige
Packungen Pizza erweitert.. Die erste Pizza seit einer gefühlten
Ewigkeit... Herrlich! Und auch sehr gut in Kombination mit Reis!
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| Leckere Kokosnussmilch, ganz ohne Konservierungsstoffe |
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| Einblick in eine unserer Bambushütten |
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| Ausblick auf die Bambushütten in der Kulturhausanlage |
Geschlafen haben wir dort übrigens in
traditionellen Bambushäusern, ziemlich cool zumal sie noch modern
mit Klimaanlage und europäischen Badezimmer gepimpt waren. Und um
das Kulturerlebnis komplett abzurunden, endete das Seminar
schließlich mit der Beerdigung von Pater Jacks Vater, auf der wir in
traditioneller sumbanesicher Kleidung erschienen. Jedes Detail hat
gepasst, besonders, dass wir viel zu spät gekommen sind, sodass wir
die Messe, die Beerdigung und die Schlachtung der dargebrachten Tiere
verpasst haben und auf der Hinfahrt schon die ersten Heimkehrer
trafen. Hat sich aber trotzdem noch gelohnt, vorbeizuschauen, nachdem
die anfängliche Schmach, dass wir alles verpasst hatten, überwunden
war. Wir haben Pater Jack getroffen und konnten den großen Haufen an
Büffelkadavern bestaunen und haben schließlich wieder vor seinem
Haus überzuckerten Tee oder Kaffee getrunken. Anschließend hieß es
Abschied nehmen und die Rückkehr nach Waingapu antreten. Dort kamen
wir dann mehr oder weniger spätabends an (Anja kam bestimmt zwei
Stunden vor mir an, sie hatte aber auch einen irren Fahrer, der
ordentlich auf die Tube gedrückt hat - wohingegen mir das Glück
zuteil wurde, im Tantenauto gemütlich über die Straßen zu tuckern)










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