Donnerstag, 17. März 2016

Nachtrag: Zwischenseminar im Februar

Ja, nun ist es soweit.. Starreporterin Anna ist aus der Sommerpause zurückgekehrt und beteiligt sich nun wieder an diesem herrlichen Blogprojekt. Dazu ganz passend gleich ein verspäteter Eintrag..

Jetzt, wo die Hälfte unser Zeit hier schon vorbei ist, fordert der IJFD von uns, dass wir uns zu einem Zwischenseminar begeben, ähnlich dem vor unserem FSJ hier. Dabei sollten wir wohl unsere bisherigen Erfahrungen reflektieren und unser Leben bzw. unsere Arbeit hier besprechen.Tja, da haben die Deutschen aber nicht mit den Sumbanesen gerechnet.. Natürlich haben wir brav ein Seminar gemacht, doch war es eher ein Ausflug über die Kultur und Bräuche Sumbas.

Das Seminar hat Mitte Februar begonnen und sollte ca. eine Woche dauern. Morgens an unserem Abreisetag mussten wir leider noch erfahren, das vor kurzem der Vater von Pater Jack verstorben sei, Pater Jack also wahrscheinlich aus Deutschland nach Sumba heimkehrt. Unser Seminar fand in Südwestsumba statt, lag also ganz in der Nähe von Pater Jacks Wohnort, sodass wir an unserem Ankunftstag gleich mal seinem verstorbenen Vater einen beileidsbekundenen Besuch abgestattet haben.
Auf Sumba gehört es sich so, wenn ein Bekannter, Freund oder Freund eines Bekannten verstirbt, den Verstorbenen im Hause zu besuchen und der Familie sein Beileid auszudrücken, indem man ein bisschen vor dem Haus zusammensitzt. In dem Fall von Pater Jacks Vater saßen wir nun gemütlich auf der Veranda vor dem Haus, schlürften unseren überzuckerten Tee oder Kaffee und lauschten der Geschichte, wie die letzten Tage des Vaters ausgesehen hatten. Plötzlich fängt das Haus an zu wackeln, alles ging drunter und drüber, die meisten rannten vor Angst schreiend aus dem Haus in den Garten. Wir vier waren erstmal verdutzt, wer rechnet auch schon mit einem Erdbeben zu so einer Zeit, an so einem Ort. Schließlich schlossen wir uns adrenalingeladen dem irren Gerenne (etwas langsamer jedoch) an, da die meisten wohl aus der Furcht flüchteten, dass das Haus nicht stabil genug war. So kam es uns auch vernünftig vor, im Garten auf die Beruhigung der Lage zu warten, sie kannten sich ja gewiss besser mit der Vertrauenswürdigkeit ihrer Architektur aus.
Später wurde uns zum einen erklärt, dass Erdbeben ein äußert seltenes Phänomen auf Sumba sind, und daher auch die übermäßige Furcht der meisten zu erklären wäre. Ha, und später kam noch eine viel bessere Erklärung: Das Erdbeben sei nämlich von dem Geist des Verstorbenen ausgelöst worden, da heute weder die Sonne schiene noch für ihn schon die Gonge angestimmt wurden. Das klang wohl für einige einleuchtend und so wurden ganz schnell die zeremoniellen Gonge aufgehangen und eine laute Euphonie aus Gongschlägen vermischt mit eingeworfenen Gesangs- /Schreieinlagen erklang. Es klang ziemlich laut und wild, doch irgendwie passte es zur Stimmung, wenn die Menschen hier auf ihre intensive,ursprüngliche Art und Weise trauern.
Nun war danach wirklich alles sicher und es gab zum Glück weder Verletzte noch Sachschäden. Später erreichte uns dann die Informationen aus den anderen Teilen von Sumba, doch scheint das Erdbeben (mit einer Stärke von ca. 6,6 auf der Richterskala) überall gut überstanden worden zu sein.

Die nächsten Seminartage verliefen dann eher ereignisloser (aber nicht erlebnisloser), wogegen wir aber auch nichts einzuwenden hatten. Für uns war es ein bisschen wie Urlaub. Der Seminarleiter Pater Robert ist kein ausgebildeter Seminarleiter, sondern ein Experte auf dem Gebiet der Kultur Sumbas. Er erzählte uns morgens (wenn es von seinem Zeitplan her passte) einiges Interessantes über die Geschichte, Religion, Bräuche und das Leben auf Sumba und nachmittags fuhren wir dann meistens mit unserem Privatbus an einige kulturell bedeutsame Orte in näherer Umgebung. Also zum Beispiel traditionelle Dörfer, die an der charakteristischen Hausarchitektur zu erkennen sind, das Kulturmuseum oder zur Redemptoristenvilla, die am Strand gelegen eine gute Aussicht über den Hafen bietet. Oder an einen der schönsten Strände Sumbas. Oder einen etwas weiter entfernten paradiesischen Meerausläufer, der fast wie ein See wirkt und mit seinem türkisen, warmen Wasser ganz natürlich zum Schwimmen einlädt. Muss man auf jeden Fall alles mal gesehen haben. 


Danau (See) Waikuri
Pantai (Strand) Menaga Aba
Familie, die im Dorf Menola wohnt
Ratenggaro - traditionelles Dorf


Ein weiteres Highlight des Seminars war das Essen dort. Die tollen Mahlzeiten dreimal am Tag wurden unterstützt durch einige Snacks wie Pisang goreng (frittierte Bananen) oder frisch vom Baum gepflückte Kokosnuss. Und an einem Abend wurde die Mahlzeit sogar extra für uns noch um einige Packungen Pizza erweitert.. Die erste Pizza seit einer gefühlten Ewigkeit... Herrlich! Und auch sehr gut in Kombination mit Reis! 

Leckere Kokosnussmilch, ganz ohne Konservierungsstoffe

Einblick in eine unserer Bambushütten


Ausblick auf die Bambushütten in der Kulturhausanlage


Geschlafen haben wir dort übrigens in traditionellen Bambushäusern, ziemlich cool zumal sie noch modern mit Klimaanlage und europäischen Badezimmer gepimpt waren. Und um das Kulturerlebnis komplett abzurunden, endete das Seminar schließlich mit der Beerdigung von Pater Jacks Vater, auf der wir in traditioneller sumbanesicher Kleidung erschienen. Jedes Detail hat gepasst, besonders, dass wir viel zu spät gekommen sind, sodass wir die Messe, die Beerdigung und die Schlachtung der dargebrachten Tiere verpasst haben und auf der Hinfahrt schon die ersten Heimkehrer trafen. Hat sich aber trotzdem noch gelohnt, vorbeizuschauen, nachdem die anfängliche Schmach, dass wir alles verpasst hatten, überwunden war. Wir haben Pater Jack getroffen und konnten den großen Haufen an Büffelkadavern bestaunen und haben schließlich wieder vor seinem Haus überzuckerten Tee oder Kaffee getrunken. Anschließend hieß es Abschied nehmen und die Rückkehr nach Waingapu antreten. Dort kamen wir dann mehr oder weniger spätabends an (Anja kam bestimmt zwei Stunden vor mir an, sie hatte aber auch einen irren Fahrer, der ordentlich auf die Tube gedrückt hat - wohingegen mir das Glück zuteil wurde, im Tantenauto gemütlich über die Straßen zu tuckern)

 
 


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